Wolfenstein (2009)

Einleitung

Wolfenstein wurde 2009 von Activision veröffentlicht. Es handelt sich um einen Ableger der Wolfenstein-Reihe, welche 1992 Bekanntheit mit Wolfenstein 3D erregte. Die internationale Version von Wolfenstein wurde in diversen Fassungen wegen Erfüllung des Straftatbestandes § 86a und § 131 StGB bundesweit beschlagnahmt. In der ersten Veröffentlichung der deutschen Version wurde ein winziges Hakenkreuz übersehen, was in einer Rückrufaktion resultierte. Die neusten Ableger der Reihe, Wolfenstein: The New Order und Wolfenstein: The Old Blood, wurden auch in der Symbolik angepasst, bekamen aber trotz expliziter Gewaltdarstellung die USK-18-Freigabe.

 

Die Anpassungen

Die Darstellung von Blut als Partikel oder Textur wurde stark reduziert. Ragdoll-Effekte und eine besondere Todesanimation fehlen. Wehrlose Wissenschaftler lassen sich nicht mehr töten. Dekorative Leichen wurden in diversen Levels entfernt. Alle Bezüge zum Dritten Reich wurden entfernt, z. B. „Himmler“ zu “Höller“ oder „die Nazis“ zu „die Wölfe“ umbenannt. Hakenkreuze, SS-Rune und Balkenkreuze wurden durch Wolfenstein-Zeichen an Flaggen, Uniformen, Fahrzeugen, Plakaten etc. ersetzt. Auch Bilder von Adolf Hitler oder solche, die den Hitlergruß zeigen, wurden ausgetauscht. Blut und Symbole fehlen in diversen Zwischensequenzen. Das Cover wurde verändert (SS-Totenkopf/-Runen).

Nach Schnittberichte.com: Keine Jugendfreigabe – Euroversion

 

Zensur-Hintergrund

Die Zensur der Gewaltdarstellung ist gängig für die Zeit um 2009, welche eine Vielzahl abgelehnter Freigaben aufgrund ähnlicher Darstellungen aufwies (z. B. TimeShiftBorderlandsDark Sector). Interessant ist, dass brennende Personen und resultierende Texturen nicht entfernt wurden und dies keiner Freigabe im Weg stand. Gleiches gilt für Effekte von Waffen, die Figuren auflösen/zerbröseln, welche bei z. B. Unreal Tournament 3 oder Bulletstorm zensiert wurden. Nicht mehr zu tötende Zivilisten/wehrlose Figuren finden sich z. B. in Half-Life oder Max Payne 3.

Die Zensuren von verfassungswidrigen Symbolen sind typisch (z. B. Medal of Honor-Reihe, Commandos-Reihe, Call of Duty-Reihe) und werden bei anderen Spielen auch global, also bei allen Spieleversionen, vorgenommen (z. B. Sniper Elite V2Assassin’s Creed UnityBloodRayne 2), um Kosten zu sparen – effektiv stellt nur der deutsche Markt bei solchen Symbolen ein Problem dar. Kurioserweise wurde bei Wolfenstein von 2009 auch das Balkenkreuz, welches oft als legales Ersatzsymbol für Hakenkreuze herhalten muss, zensiert. Man war offensichtlich bestrebt, alle Referenzen zum Dritten Reich zu tilgen, was als künstlerische und nicht rechtlich notwendige Maßnahme anzusehen ist.

Cover-Zensur ist auch ein wiederkehrendes Phänomen wie bei z. B. Left 4 Dead 2. Auch Saints Row 2 erfuhr eine Cover-Änderung, die man aber eher nicht als Notwendigkeit werten kann; denkbar ist, dass so von Publishern gelegentlich bewusst auf angepasste Versionen hingewiesen wird – z. B. auch die amerikanische Version von Fahrenheit.

 

Fazit

Die deutsche Version von Wolfenstein (2009) weist stark einschneidende Veränderungen auf. Die Zensur der Gewalt kann definitiv den Spaß am Spiel nehmen, da das fehlende visuelle Feedback von Gegnern bewirkt, dass das Gameplay weniger mitreißend ist. Bei kompetitiven Spielen kann außerdem ein Wettbewerbsnachteil enstehen. Das Gaming-Magazin IGN bezeichnete die unzensierte Version von Left 4 Dead 2 z. B. als „a far superior experience“* gegenüber der ähnlich wie hier gewalt-technisch stark beschnittenen, australischen Version von Left 4 Dead 2. Deutsche Magazine halten sich mit solchen Einschätzungen traditionell zurück, erkennen aber auch teilweise starke Gewalt-Einschnitte als wertungsmindernd an. Die Zensur bezüglich des Dritten Reiches verändert die Spiel-Atmosphäre und -Story zumindest stark, was Käufer befremden kann.

* IGN, 2009: http://www.ign.com/articles/2009/11/19/left-4-dead-2-edited-australian-version-review

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