Welche Freigaben gibt es?

Ganz gleich, welche Altersfreigabe für ein Computerspiel bzw. Filmwerk gewählt wird, sie gilt immer als Mindestangabe. Das bedeutet, dass beispielsweise ein Kind, das ein Spiel mit einer „Ab 6 Jahren“-Freigabe spielen möchte, dem deutschen Jugendschutzgesetz nach mindestens sechs Jahre alt sein sollte, ehe es damit in Kontakt kommt. Anders als beim Kauf im Handel entscheiden in den heimischen vier Wänden die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, welche Medien sie ihren Kindern zugänglich machen. Es ist anzumerken, dass die USK-Freigaben zudem keine Auskunft darüber erteilen, ob die Spiele für die freigebende Altersgruppe auch verständlich, spielbar oder pädagogisch wertvoll sind.

Nicht durch die USK gekennzeichnete Spiele werden nach ihrer Veröffentlichung und bis zur ggf. erfolgten Indizierung grundsätzlich wie Keine Jugendfreigabe („KJ“, „USK ab 18“) behandelt (gemäß § 12 Abs. 3 JuSchG). Auch vermeintlich inhaltsgleiche Versionen wie z. B. die nordamerikanische Version eines Kinderspieles mit USK-6-Freigabe werden entsprechend behandelt. Das USK-Logo muss auf der Packung abgebildet sein, damit die Freigabe greift.

Darüber hinaus gibt es besondere Kennzeichnungen für Infoprogramme und Lehrprogramme, sofern sie „offensichtlich nicht die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen” (gemäß § 14 Abs. 7 JuSchG), die die Anbieter selbst ohne USK-Prüfung kennzeichnen dürfen.

Die entsprechende Freigabe wird dann in Form eines Logos, das im internationalen Vergleich am größten ist, auf die Verpackung gedruckt oder aufgeklebt (gemäß § 12 Abs. 2 JuSchG; Größe: 1200 (Front-Cover) und 250 mm² (DVD etc.)) bzw. bei jeder Darstellung des Spiels (in der Werbung z. B.) angezeigt. Das Freigabekennzeichen der USK darf auch nur nach erfolgter Prüfung verwendet werden, ansonsten droht ein Bußgeldbescheid.

 

Fun Fact: Seit der Gründung der USK im Jahr 1994 wurden über 30.000 Spiele zur Prüfung eingereicht und danach eingelagert. Das Lager der USK stellt somit eine der größten und wertvollsten Computerspiel-Sammlungen der Welt dar, besonders weil alle dort eingelagerten Spiele absolut neuwertig erhalten werden!

 

USK-Freigaben müssen nicht eingeholt werden

Möchte ein Publisher den Weg über die USK meiden, so wird das Spiel – wie schon zuvor gesagt – wie bei einer KJ-Freigabe behandelt, genießt darüber hinaus jedoch keine Rechtssicherheit, wie es bei durch die USK geprüften Titeln seit der Reform des JuSchG im Jahr 2003 der Fall ist. Ungeprüfte Titel können jederzeit durch die BPjM indiziert werden, auch wenn sie eigentlich eine Altersfreigabe durch die USK bekommen hätten, wodurch die öffentlichen Vertriebsmöglichkeiten wegfielen; auch eine Strafverfolgung wäre denkbar, wenn sogenannte schwer jugendgefährdende Medien ungeprüft öffentlich vertrieben wurden (gemäß § 15 Abs. 2 JuSchG) oder verbotene Inhalte gemäß dem Strafgesetzbuch enthalten sind (siehe Beschlagnahmen). Viele Publisher (u. a. Microsoft, Sony und Nintendo) sind auch Mitglied des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), dessen Kodex die Veröffentlichung von ungeprüften Titeln verbietet.

Eine auf freiwilligen Angaben von Entwicklern und/oder Publishern erfolgende Empfehlung – wie es bei PEGI und ESRB der Fall ist – ist in Deutschland somit also generell nicht möglich, auch wenn gelegentlich die Logos von PEGI und ESRB auf den in Deutschland verfügbaren Spielecovern mit aufgedruckt werden. Es sind jedoch lediglich die USK-Freigaben im Handel bei der Abgabe verpflichtend. Die USK ermöglicht daher gesetzlich definierte Freigaben in Form eines hoheitlichen (staatlichen) Verwaltungsaktes, ähnlich wie z. B. Baugenehmigungen.

Die Kosten einer USK-Prüfung (im Normalfall 1200 €) können für sehr kleine Publisher mit geringem Absatz Probleme darstellen. Aus diesem Grund wurde angeblich schon vereinzelt von einem Deutschland-Release abgesehen.

 

Juristische Prüfung

Eine weitere, in der Praxis nur für Filmwerke genutzte Freigabe, ist die SPIO/JK. Diese wird von einer Juristen-Kommission (JK) der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) vorgenommen. Die JK vergibt „SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung“, welches rechtssicher den offenen Verkauf wie bei FSK-18-Medien bis zur Indizierung erlaubt, oder „SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich“, das rechtssicher den Verkauf unter der Ladentheke bzw. mit Altersverifikation in geschlossenen Nutzergruppen bis zur Beschlagnahme (oder Liste-B/D-Indizierung bei Telemedien) ermöglicht (Hintergrund ist, dass hier eine schwere Jugendgefährdung vermutet wird und solche Medien auch ohne Indizierung nicht öffentlich verkauft werden dürfen). Falls die JK sich in ihrer Einschätzung im Nachhinein irrte, bleibt der Verkäufer straffrei (strafloser Verbotsirrtum). Die JK muss nicht von der SPIO sein; im Grunde handelt es sich nur um die Einschätzung von mindestens drei Volljuristen.

Die Informationen unseres Jugendschutzguides wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, ersetzen jedoch in keinem Fall die Beratung durch einen fachkundigen Anwalt für Straf-, Medien- und bzw. oder Jugendschutzrecht. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit oder Aktualität der Inhalte übernommen.

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