Saints Row 2

Einführend sei erwähnt, dass es relativ wenig aktuelle Fälle von Anpassungen für den deutschen Markt abseits von verfassungswidrigen Symbolen gibt; dies liegt entweder an einer Liberalisierung der Spruchpraxis der USK und BPjM oder daran, dass moderne Spiele zunehmend schwerer jugendschutzkonform zu schneiden sind, wenn die zu beanstandenden Elemente wesentliche Teile des Gameplays darstellen und sich die aufwändige Anpassung (nur für Deutschland) nicht mehr rentiert. Die berüchtigte Roboter-Zensur wie bei Half-Life oder Command & Conquer: Generals, bei der menschliche Charaktere durch Roboter oder ähnliches ersetzt werden, gehört jedenfalls der Vergangenheit an.

 

Einleitung

Das von dem mittlerweile aufgelösten Konzern THQ im Jahr 2008 veröffentlichte Saints Row 2 weist mit die meisten Einschnitte aller jemals für den deutschen Markt angepassten Versionen auf. Diese sind so stark, dass keine Multiplayer-Kompatibilität zur internationalen Version gegeben ist. Die Uncut-Version wurde auf Liste B indiziert, es wird also strafrechtliche Relevanz vermutet. Eine leicht zensierte Version wurde von der USK im ersten Versuch abgelehnt, was zu einer Release-Verzögerung von sechs Wochen führte. Teil eins (aus 2006) und drei (aus 2011) der Saints Row-Reihe erschienen auch ähnlich geschnitten mit einer USK-18-Freigabe. Der nächste Serienableger, Saints Row IV, erschien 2013 unverändert mit USK-18-Freigabe trotz der früher beanstandeten Inhalte.

 

Die Anpassungen

Nicht nur die gesamte Darstellung von Blut (Blutspritzer bei Gegnern und dem Spielercharakter sowie spezielle Geräusche bei Kopfschüssen), Ragdoll (also der Bewegung von Körpern) mit Schusswaffen und die Flammen-Animation bei brennenden Figuren wurden entfernt, sondern auch diverse, tiefgreifende Einschnitte in das Gameplay erfolgten. So lösen sich Leichen von Getöteten sofort auf, was eine Wiederbelebung mittels Defibrillator in der zensierten Version unmöglich macht. Geldbündel werden von Passanten schon bei Verletzungen und nicht erst bei Tötung fallengelassen. Der Spieler aber auch alle NPCs können keine Personen mehr greifen, festhalten und als menschliches Schild benutzen und sie ggf. exekutieren; dies wirkt sich auch auf diverse Missionen aus.

Ein Finishing-Move im „Fight Club“ und Finishing-Moves mit der Katana wurden entfernt. Über zehn „Kampftricks“, welche Bonus-Respektpunkte (Ingame-Währung) generieren, wurden entfernt, womit sich das Belohnungssystem auf Fahrzeug-Stunts reduziert. Diverse Aktivitäten („Amokfahrt“, „Fuzz“, „Vandalismus“ und „Wilde Menge“) wurden entfernt und die als Belohnung erhaltenen Extras nicht umverteilt, wodurch die einzigartigen Features (u. a. unendliche Munition für eine Waffenart) komplett in der deutschen Version fehlen. Das Arcade-Spiel „Zombie Uprising“ und das Minispiel „Vorbeifahren“ fehlen ebenfalls. Der Ablauf der Prolog-Mission wurde verändert. Folgende Waffen fehlen und sind auch mittels Cheats nicht verfügbar: Flammenwerfer, Kettensäge und Pioniersprengladung. Der Begleiter „Zombie Carlos“ wurde entfernt, somit hat die deutsche Version nur acht statt neun KI-Helfer. Über ein Dutzend Ingame-Videos wurden mittels schwarzen Balkens und dem Text „Wir bitten um Verzeihung – sehr böse Dinge passieren hinter diesem schwarzen“ zensiert. Es finden sich diverse Euphemismen in der deutschen Übersetzung wieder (z. B. wird „ (to) Kill“ mit „Besiegen“ etc. übersetzt). Diverse Statistik-Einträge wurden entfernt (z. B. Nahkampf-Kills). Achievements mussten aufgrund der starken Zensur umgeändert werden.

Nach schnittberichte.com: Keine Jugendfreigabe – Euroversion

 

Zensur-Hintergrund

Es liegt nahe, zu vermuten, dass in der deutschen Version aufgrund der schieren Menge der Einschnitte über das Nötige hinaus angepasst wurde. Doch vergleichend mit anderen USK-Versionen offenbaren sich viele der gängigen Einschnitte aufgrund der Spruchpraxis zum Ende der 2000er Jahre. So war Ragdoll seit jeher ein Indizierungsgrund wie bei z. B. dem deutschen Spiel Far Cry; mittlerweile wird Ragdoll in vielen Fällen toleriert. Brennende Gegner wurden in diversen Spielen entfernt bzw. verändert, wie z. B. die Left 4 Dead-Reihe oder Dark Messiah of Might and Magic. Ersteres hat auch die sofort auflösenden Leichen. Die Gameplay-Zensuren wie bei Geldbündeln, Missionsabläufen und Rampage-Missionen etc. finden sich in Genre-Vertretern wie der Grand Theft Auto-Reihe (bis Teil fünf) wieder.

Sleeping Dogs ist ein modernes Beispiel für entfernte Finishing-Moves. Minispiele mit z. B. Belohnungen für Kills unter Zeit fehlen u. a. in Call of Duty: World at War und Resident Evil 4 (Indizierungsgrund, da Gewalt uncut). Auch die Belohnung für (kreative) Kills kann problematisch sein, wie die Indizierung der Uncut-Version von Tom Clancy’s Rainbow Six – Vegas 2 zeigt – hier wurde zwar auch die Gewalt zensiert, diese ist aber wesentlich inhaltsgleich zum ungekürzt freigegebenen Vorgänger, was auf eine übermäßige Zensur hindeutet. Entfernte Spieler-Waffen gibt es z. B. In NecroVisioN (Flammenwerfer) und Scarface – The World Is Yours (Kettensäge).

 

Fazit

Die deutsche Version von Saints Row 2 ist nur noch ein Versions-Torso. So viele Modi und Features fehlen, dass die angepasste Version sicherlich als minderwertig zu bezeichnen ist. Die reine Zensur von Gewalt-Effekten ist wiederum natürlich immer Geschmackssache und nicht unbedingt für den Spielspaß essentiel, auch wenn hier vor allem die sich sofort auflösenden Leichen stören können.

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