Region- und Geolocks

Rechtlich gesehen gibt es aus Konsumentensicht keine Gründe, ein Computerspiel in Deutschland mit der Integration eines Geo- oder Region-Locks komplett unzugänglich zu machen. Denn wie in den vorangegangenen Kapiteln bereits mehrfach deutlich erklärt wurde, existiert kein (in der Praxis relevantes) Gesetz, das einem die Nutzung von indizierten oder beschlagnahmten Medien untersagt, geschweige denn die Integration eines solchen Geo- oder Region-Locks vorschreibt.

Kaum einer verlangt außerdem ernsthaft, dass betroffene Publisher ihre Spiele direkt an deutsche Kunden im Steam-Store verkaufen sollen; nur die Ermöglichung der Nutzung von legalen Import-Versionen via Produkt-Schlüssel (Key) wird gefordert.

Ursprünglich geschrieben von Square Enix:

Durch die Umtragung von Liste B auf Liste A, die wir natürlich begrüßen, fällt zwar die strafrechtliche Komponente weg, allerdings sind wir weiterhin verpflichtet, verfügbare Maßnahme zu ergreifen, um eine Verbreitung des Spiels an Minderjährige zu unterbinden. […] Aufgrund der Indizierung kann das Spiel online legal nur vertrieben werden, wenn der Anbieter über ein ausreichendes Altersverifikationssystem verfügt, welches Steam nicht bietet.

Ursprünglich geschrieben von ZeniMax Media (Mutterunternehmen von Bethesda Softworks):

Als „verfassungsfeindlich“ klassifizierte Inhalte (bspw. entsprechende Symbole) dürfen nur unter ganz bestimmten Bedingungen in Deutschland genutzt werden, und obwohl es bspw. Ausnahmen für Kunst und Literatur gibt, gelten diese nicht für Video- und Computerspiele.

Um zu verhindern, dass digitale Downloads der internationalen Fassung in Deutschland verkauft, importiert, vertrieben und angeboten werden können, muss die Aktivierung der internationalen PC-Fassung dieser Spiele in Deutschland durch technische Maßnahmen blockiert werden.

Immer mehr Publisher beginnen jedoch, ihre potentiell zahlungswillige Kundschaft aus Deutschland aufgrund einer übervorsichtigen, kundenunfreundlichen Interpretation von dem, was rechtlich genau als Zugänglichmachung gilt (Key-Aktivierung, Download, Authentifizierung des Spielstarts oder nur der Verkauf), zu drangsalieren. Die Rechtslage ist bezogen auf Online/DRM-Plattformen wie Steam unklar. Betroffene Publisher mit Sitz in Deutschland sehen sich gezwungen, diese existierenden, technischen Möglichkeiten auf Steam zu nutzen, da sie sonst – nach ihrem Rechtsempfinden – grob fahrlässig handeln würden.

An einer langfristiger und erfolgsversprechender Problemlösung sind sie scheinbar nicht sonderlich interessiert. Im Falle von Bethesda Softworks’ Titel Wolfenstein: The New Order und Wolfenstein: The Old Blood wären dies die Möglichmachung der Anwendbarkeit der Sozialadäquanz-Regelungen bei Benutzung verfassungswidriger Symbole nach § 86a Abs. 3 StGB (z. B. attestiert durch ein juristisches Gutachten) durch Klageverfahren und bei Square Enix die Forderung von Valve zur Implementierung eines Altersverifikationssystems für Steam im Falle von Sleeping Dogs: Definitive Edition (mittlerweile nur noch Liste A indiziert).

Erklärend sei erwähnt, dass Valve, der Betreiber von Steam, Aktivierungssperren von Keys teilweise selbst setzt, wenn sie es für sinnvoll erachten. Publisher können dann allerdings Einspruch einlegen und die Sperren entfernen lassen – so geschehen bei dem Spiel Hatred für Deutschland und Australien. Manchmal entstehen Aktivierungssperren auch rein aufgrund des technischen Aufbaus des Angebots und sind nicht gewollt mit deutscher Gesetzeslage begründet (nachvollziehbar via SteamKit). Hier verbaut man sich aufgrund von Willkür Absatzmöglichkeiten, indem man deutsche Kunden ausschließt.

Die harte, generelle Start/Download-Sperre für bestimmte Länder-IPs wird wiederum nur auf Nachfrage gesetzt (bislang nur Bethesda und Square Enix). Technisch wurde dieses Mittel entweder aufgrund von Preisdiskriminierung in Niedrigpreisländern oder dem Wunsch Capcoms eingeführt. Letzteres legt der Eintrag auf der Store-Seite von Dead Rising 2: Off the Record nahe: „Hinweis: Capcom verlangt, dass das Spiel mit einer IP-Adresse aus Deutschland weder installiert noch aktualisiert werden kann.“. Kurioserweise war die Sperre für diesen Titel aber nie aktiv. Retail-Keys des strafrechtlich relevanten Titels (Liste B) lassen sich mittlerweile auch regulär aktivieren. Andere Spiele mit Blacklist haben keinen solchen Hinweis. Valve selbst erlaubt auch die Nutzung der von ihnen entwickelten und gepublishten, unzensierten Version des nach § 131 StGB beschlagnahmten Left 4 Dead 2 problemlos via Retail-Key auf Steam; allerdings hat Valve, anders als Bethesda bzw. ZeniMax Media oder Square Enix, auch keinen Sitz in Deutschland.

Die Informationen unseres Jugendschutzguides wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, ersetzen jedoch in keinem Fall die Beratung durch einen fachkundigen Anwalt für Straf-, Medien- und bzw. oder Jugendschutzrecht. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit oder Aktualität der Inhalte übernommen.

Sollte es Fragen oder Verbesserungsvorschläge geben oder wider Erwarten doch inhaltliche Fehler geben, so freuen wir uns über jeden Hinweis per E-Mail.