Problematik der Gewaltdarstellung

Deutschland ist, was die Gesetzgebung und die Akzeptanz von Gewaltdarstellungen in Videospielen angeht, sehr konservativ aufgestellt. Nichtsdestoweniger lässt sich hier in den vergangenen Jahren ein deutlicher Wandel erkennen. So wird das Medium immer mehr als Kulturgut angesehen (Anerkennung im Kulturrat) und auch teilweise sein Kunstcharakter gewürdigt, was auch dazu führt, dass dementsprechend auch die Akzeptanz für detailliertere Gewaltdarstellungen steigt und in der Spruchpraxis der USK und BPjM immer mehr von dem toleriert wird, was vor wenigen Jahren noch zu einer direkten Indizierung oder Beschlagnahme geführt hätte (z. B. Mortal Kombat X, Doom 4). Dennoch sind sie noch lange nicht da, wo Filmwerke gesellschaftlich angesiedelt sind.

Das 1982 veröffentlichte River Raid wurde von der BPjM indiziert. Im Jahre 2003 wurde es vom Index gestrichen und mit einer USK-Freigabe ohne Altersbeschränkung eingestuft. Aus dem damaligen Indizierungsbeschluss: „Jugendliche sollen sich in die Rolle eines kompromisslosen Kämpfers und Vernichters hineindenken […]. Hier findet im Kindesalter eine paramilitärische Ausbildung statt […]. Bei älteren Jugendlichen führt das Bespielen […] zu physischer Verkrampfung, Ärger, Aggressivität, Fahrigkeit im Denken […] und Kopfschmerzen.“

 

BPjS-Aktuell, Heft 2/84. Zitiert nach: https://de.wikipedia.org/wiki/River_Raid

Schutz der Jugend

In ihren Indizierungsbeschlüssen ist die BPjM durch (umstrittene) wissenschaftliche Studien, aber auch aufgrund der sogenannten Einschätzungsprärogative legitimiert. Dabei handelt es sich um das Recht des Gesetzgebers, eigene Einschätzungen abzugeben, solange diese nicht wissenschaftlich widerlegt wurden. Somit soll sichergestellt werden, dass Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu eigenverantwortlichen Erwachsenen durch die angeblich verrohende und/oder sozialethisch-desorientierende Wirkung von jugendgefährdenden Medien keinen Schaden nehmen. Computerspiele haben gegenüber Filmwerken einen eher schweren Stand, da die Interaktivität und insbesondere die Ego-Perspektive besonders kritisch gesehen wird – man befürchtet eher eine Verrohung und einen Empathieverlust der Rezipienten. Bei der Einschätzung werden zudem folgende Faktoren berücksichtigt: Kontext und Häufigkeit der Gewaltausführung; Gewalt als Selbstjustiz, Lust- oder Prestigegewinn; Verharmlosung von Gewalt; Art der Gegner (z. B. Menschen/menschenähnliche Wesen oder Fantasiewesen); Realitätsbezug; Genre; alternative Handlungsoptionen oder Konfliktlösungsmöglichkeiten; selbstzweckhafte, detaillierte Gewaltdarstellungen (z. B. Zeitlupeneffekte). Siehe hierzu auch § 15 JuSchG.

 

Schutz der öffentlichen Ordnung

Mit dem Verbreitungsverbot nach Beschlagnahme aufgrund von § 131 StGB will der Gesetzgeber die Wahrung der öffentlichen Ordnung sicherstellen. Hierbei geht es nicht primär um den Jugendschutz, sondern eher um Demokratie- oder Gesellschaftsschutz. Diese Werke könnten Konsumenten nach Ansicht des Gesetzgebers zu Gewalttaten aufstacheln und hätten damit eine sozialschädliche Wirkung. Manche Filme, die in Deutschland in ihren Uncut-Versionen seit Jahren bundesweit beschlagnahmt sind, werden in unseren Nachbarländern wie z. B. dem liberalen Frankreich für Teenager freigegeben (z. B. Tanz der Teufel bis zur Aufhebung im Jahr 2016 und der folgenden FSK-Jugendfreigabe ab 16 Jahren) oder sind in der ständigen Sammlung des renommierten Museum of Modern Arts in New York (z. B. The Texas Chainsaw Massacre, wobei hier die Beschlagnahme 2011 aufgehoben wurde). Die im vorherigen Abschnitt genannten Gründe für eine vermutete (schwere) Jugendgefährdung spielen auch bei der Beschlagnahme eine Rolle, wobei hier die Abwägung mit der allgemeinen Kunstfreiheit – zumindest in der Theorie – noch gewichtiger ist (auch wenn § 131 StGB explizit keine Kunstklausel hat). Kritiker bezeichnen den Gewaltdarstellungsparagraphen aufgrund der häufig kaum nachvollziehbaren Urteile und Begründungen gerne als Gummiparagraphen.

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