Let’s Plays und der Index

Das Vorspielen von Videospielen in Form von Videoreihen, so genannten Let’s Plays, oder Live-Streams erfreut sich einer hohen Beliebtheit und ist ein Geschäftsfeld mit Millionen-Umsätzen. Über 4,5 Millionen Abonnenten (Stand Mai 2017) folgen Gronkh, dem größten deutschen Produzenten von Let’s Plays auf YouTube. Doch wie ist es eigentlich rechtlich gesehen, wenn man z. B. Dying Light oder Dead Island zeigen will? Darf man indizierte, also jugendgefährdende Medien auf YouTube oder Twitch als deutscher Nutzer senden, obwohl beide Anbieter keine geschlossene Nutzergruppe vorweisen können?

 

Rechtliche Einordnung der Gattung Let’s Play

Aus dem vorherigen Kapitel zur Indizierung:

Die Zugänglichmachung eines indizierten Mediums an Minderjährige ist strafbar (z. B. durch Verkauf oder Überlassen, sprich Ausleihen oder spielen lassen).

Doch das ist für Let’s Plays als Video-Format nur begrenzt gültig. Bei ihnen kommt auch oft eine mehr oder weniger aufwändige redaktionelle Aufarbeitung (Schnitte, Vorspann/Abspann, Effekte etc.) und per Definition ein Audio-Kommentar hinzu. Computerspiele sind zudem ein interaktives Medium, d. h. die Art, wie sie im Detail bespielt werden, ist in den allermeisten Fällen einzigartig. Somit wird ein eigenständiges Werk kreiert und ein solches bedarf einer neuen Bewertung.
Weiterhin muss die Kunstfreiheit abgewogen werden, da Let’s Plays erst mal wie Filme anzusehen sind und als solches gesellschaftlich (noch) etwas mehr Akzeptanz als Spiele genießen, und auch das Berichterstattungsprivileg kann relevant sein, wenn man Videos von allgemeinem Informationsinteresse produziert; in beiden Fällen kommt es natürlich besonders stark auf die Präsentationsart des Let’s Play an.

Wenn die brutalsten, für die Indizierung unmittelbar relevanten Teile des Spieles regelrecht zelebriert werden, also z. B. exzessiv auf Leichen geschossen wird oder ein zynischer Kommentar auf das virtuelle Töten erfolgt, dann ist von einer (schweren) Jugendgefährdung auszugehen. Spielt man wiederum ein sehr altes, aber noch indiziertes Spiel, das heute ohne Weiteres freigegeben werden würde, oder einen Titel mit USK-12-Freigabe, dann kann man auch durch gewalt- oder kriegsverherrlichende Präsentation eine Jugendgefährdung erzielen.

Dasselbe gilt analog auch für Spiele mit verfassungswidrigen Kennzeichen nach § 86a StGB, welche nach JMStV und momentaner Rechtssprechung vielleicht uneingeschränkt unzulässige Angebote sein können (siehe auch „Sonderfall: Hakenkreuz“). Da die BPjM keine Titel nur wegen Benutzung dieser Symbole indiziert und auch die vorherrschende Expertenmeinung ist, dass die Urteile von 1998 und 2010 zu Wolfenstein 3D respektive Wolfenstein (2009) in ihrer Pauschalität abzulehnen sind, kann man davon ausgehen, dass diese Symbole alleine keine Jugendgefährdung verursachen. Um sich als Produzent weniger angreifbar zu machen, wäre historische Sensibilität oder Kontextualisierung allerdings hilfreich, da dann besonders die Sozialadäquanzklausel greifen kann. Von reißerischen Darstellungen der Symbole, beispielsweise prominent im Thumbnail, ist besonders abzusehen, da hier Gerichte traditionell die Gefahr eines sogenannten Gewöhnungseffektes sehen.

Selbst bereits nach § 86a oder § 131 StGB beschlagnahmte Titel könnten so gesendet werden.

 

Fazit

Let’s Player schießen somit etwas über das Ziel, wenn sie kategorisch keine Videos von indizierten Titeln produzieren oder diese sogar nachträglich entfernen (so geschehen öffentlichkeitswirksam bei dem Let’s Play zu Dying Light von Sarazar). Allerdings ist es nachvollziehbar, wenn man sich nicht angreifbar machen will, auch wenn es – wie dargelegt – gute Verteidigungsstrategien gibt. Auch etwaige Sponsoren oder Partner könnten mit dieser Art von Content Probleme haben. Im Zweifel bleibt es eine Einzelfallabwägung und bedarf einer Rechtsberatung.

Die Informationen unseres Jugendschutzguides wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, ersetzen jedoch in keinem Fall die Beratung durch einen fachkundigen Anwalt für Straf-, Medien- und bzw. oder Jugendschutzrecht. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit oder Aktualität der Inhalte übernommen.

Sollte es Fragen oder Verbesserungsvorschläge geben oder wider Erwarten doch inhaltliche Fehler geben, so freuen wir uns über jeden Hinweis per E-Mail.