Drastische Konsequenzen für PC-Spieler

Bisher haben Eigenzensuren der Entwickler und Publisher von PC- und Konsolenspielen in Deutschland schon einige sehr bittere Einschränkungen mit sich gebracht. Da aktuell immer weiter reichende, noch tiefer sitzende und schier unüberwindbare Nutzungs-Barrieren eingebaut werden, kann leider nicht davon ausgegangen werden, dass sich hier in naher Zukunft etwas zum Positiven verändern wird – (vornehmlich) zum Leidwesen aller PC-Spieler in Deutschland.

Angefangen von Schnittversionen, die derart abgeriegelt sind, dass Multiplayer-Modi ausschließlich mit der deutschen, zensierten Version kompatibel sind und somit das Spielen mit anderen Spielern aus aller Welt unmöglich ist, oder Versionen, welche nur mit deutscher Sprachversion daherkommen, über Spiele, die sich nicht erst mit deutscher IP-Adresse auf Steam aktivieren lassen oder gar zusätzlich den Start und Download blockieren.

Von Geolocks betroffen sind in fast allen der aktuellen Fälle PC-Spieler. Immer mehr Publisher setzen auf DRM-Systeme wie Steam, Origin oder uPlay, bei denen die Produktschlüssel (Keys) ihrer Spiele permanent an ein Nutzerkonto gebunden werden müssen. Die momentane Konsolengenerationen von Microsoft und Sony verfügen technisch gar nicht über die Möglichkeit, Spiele für/in Deutschland zu sperren und ermöglichen so problemlos den Import und die Nutzung von indizierten und beschlagnahmten Videospielen.

Anders sieht es da bei Steam, der dominierenden Plattform für PC-Spiele, aus. Leider wurde hier vom Betreiber Valve eine Funktion eingebaut, die vor der Aktivierung eines Produktschlüssels oder eines Steam-Gifts eine IP-Prüfung durchführt. Wird dabei eine aus Deutschland stammende IP-Adresse entdeckt, wird einem die Aktivierung und freie Nutzung diverser Produkte verweigert. 

Manch einer würde jetzt sagen: „Na und, dann benutze ich halt ein VPN-Programm, ändere meine IP und aktiviere es dann!“ Das mag zwar theoretisch möglich sein, jedoch stellt einen das vor zwei große Probleme.

Zum einen verstößt die Nutzung von Programmen oder Diensten, die „die Herkunft verschleiern“, gegen die aktuell gültigen, allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB, engl. SSA, „Steam Subscriber Agreement“) von Steam. Zu allem Überfluss sind diese Passagen der AGB sogar rechtlich zulässig, wie Rechtsanwalt Christian Solmecke der Kanzlei WBS Law auf YouTube erklärt (ab Minute 1:20):   

Auch das EU-Recht erlaubt derartige Sperren bei Retail-Produkten, da das deutsche Jugendschutzgesetz oder Strafrecht stärker gewichtet ist als etwaige Handelsgesetze im gemeinsamen europäischen Binnenmarkt.

 

Zum anderen riskiert jeder, der einen solchen Dienst nutzt, um Regionsbeschränkungen zu umgehen, seinen Nutzeraccount (unter Umständen dauerhaft) gesperrt zu bekommen. Zwar gab es bisher nach aktuellem Kenntnisstand noch keinen derartigen Fall – wohlgemerkt für die Aktivierung, nicht das Einkaufen im Store –, doch sicher sein kann man sich hierbei nie. Viele Nutzeraccounts haben mehrere hunderte oder gar tausende Spiele an sich gebunden, so dass es sehr unklug wäre, diese wegen der Aktivierung eines einzelnen Titels zu riskieren.

Sobald man dieses „die Herkunft verschleiernde Programm“ wieder beendet, verweigert Steam einem unter Umständen sogar das Herunterladen oder den reinen Start des Spiels, da hier eine erneute IP-Prüfung durchgeführt wird. Man müsste das besagte Programm also dauerhaft laufen lassen.Somit ist die Nutzung eines solchen Dienstes keine sinnvolle Alternative.

Ebenso wenig sind sogenannte Uncut-Patches oder die Schwarzkopie eines geoblockierten Spieles Alternativen, da hier Verstöße gegen das Urheberrecht erfolgen würden. Die einzigen verbleibenden, echten Alternativen bei PC-Spiele, die auf Steam setzen und keine DRM-freie Version haben, sind die Konsolenversionen oder der Boykott.

Diese Ungleichbehandlung der verantwortlichen Entwickler und Publisher führt dazu, dass deutsche PC-Spieler auf eine Insel gesetzt werden, auf die sie nicht gehören. Es mag Länder geben, in denen solche hundertprozentigen Sperren aus rechtlicher Sicht notwendig sind, Deutschland sollte jedoch nicht dazu gehören. Es ist sehr ernüchternd, mit ansehen zu müssen, dass Deutschland als einer der drei größten Spielemärkte auf Steam (gemessen an der aktuell gelieferten Bandbreite in Prozent) derart behandelt wird.

Sollte ein Altersverifikationssystem, ähnlich wie unten beschrieben, auf Steam Einzug halten, wäre das Problem abgemildert. Konsolenspieler können weiterhin nach wie vor problemlos auf einen Import zurückgreifen – auch ohne Altersverifikation.

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