Bedeutung der USK-Freigabe

Alterskontrolle

Der Jugendschutz in Deutschland soll unter anderem sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres mit für sie ungeeigneten Medien üblicherweise nicht in Berührung kommen. Darüber hinaus regelt es – ohne an dieser Stelle ausführlicher darauf eingehen zu wollen – die Aufenthaltszeiten an öffentlichen Orten, die Abgabe von alkoholischen Getränken und Tabakwaren in der Öffentlichkeit und einiges mehr.

Die Alterskontrolle teilt sich dabei grob in zwei Bereiche, wobei Bereich 1 der Verkauf ist. Möchte ein Minderjähriger ein Spiel kaufen, obwohl er die auf der Verpackung angegebene Altersfreigabe nicht erfüllt, so darf ihm das Spiel nicht verkauft werden, da die USK-Freigaben seit der Reform im Jahr 2003 für den Handel verpflichtend sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich hierbei um einen Kauf im lokalen Ladengeschäft oder bei einem Onlinehändler, wie z. B. Steam, handelt. Hier müsste der Verkäufer im Zweifelsfall den Ausweis verlangen oder eine andere Art der Altersverifikation durchführen, um das Alter des potentiellen Käufers zweifelsfrei in Erfahrung bringen zu können, und dann gegebenenfalls den Verkauf verweigern, da sämtliche Altersfreigaben ausnahmslos bindend für den Verkauf sind. Für Online-Angebote sind nach Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) für maximal entwicklungsbeeinträchtigende Angebote (also bis USK 18) auch technische Lösungen wie „age-de.xml“-Label oder eine Uhrzeitbegrenzung (USK 16 ab 22 Uhr, USK 18 ab 23 Uhr) möglich. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ist dabei für die inhaltliche Kontrolle und Ahndung von Verstößen beim Anbieten von Telemedien nach JMStV zuständig, unterstützt wird sie dabei von der gemeinnützigen GmbH jugendschutz.net.

Die Praxis sieht jedoch oft anders aus. So werden Alkohol, Tabakwaren sowie für Kinder und Jugendliche ungeeignete Filme, PC- und Konsolenspiele oft ohne Alterskontrolle verkauft. Hierbei drohen allerdings empfindliche Strafen von bis zu 50.000 € (§ 28 Abs. 1 JuSchG).

Bereich 2 ist die Zugänglichmachung. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese in den heimischen vier Wänden oder einem öffentlichen Platz, beispielsweise einem Kino, stattfindet. Zwar gibt es im eigenen Zuhause keine behördlichen Kontrollen, schließlich wird der Großteil aller Unterhaltungsmedien daheim konsumiert und die Kontrolle über Zugänglichmachung und Nutzung von derartigen Medien von Minderjährigen obliegt der Aufsichtspflicht der Erziehungsberechtigten, doch wären auch hier rechtliche Konsequenzen, die auf Eltern oder Erziehungsberechtigte zukommen könnten, denkbar – hierfür müsste jedoch eine grobe Verletzung der Aufsichtspflicht vorliegen. Generell strafbar machen sich sonstige Dritte, die derartige Medien ohne die ausdrückliche Erlaubnis der Eltern oder Erziehungsberechtigten für Minderjährige zugänglich machen. Ob Download-Anbieter den Bereich der Zugänglichmachung nach dem Verkauf überwachen müssen, ist immer noch Gegenstand der rechtlichen Diskussion. Auf Konsolen scheint dies nicht zu geschehen, da die Spiele auf jeder Konsole ohne Prüfung aktiviert werden können und bisher ist keiner der Anbieter dafür verfolgt worden, aber PC-Publisher gehen im Moment auf Nummer (sehr) sicher.

 

Interpretation des JuSchG

Bei der Umsetzung der deutschen Jugendschutzvorgaben offenbaren sich große Fehlannahmen, die viele Publisher und Entwickler immer noch haben. Viele vertreten beispielsweise felsenfest die Meinung, dass die alleinige Darstellung von Blut oder Wunden in Deutschland einer Freigabe noch im Weg steht. Es wird auch häufig angenommen, dass Spiele ohne Freigabe generell verboten seien, im Sinne von „dürfen nicht angeboten oder verkauft werden“. Obwohl es in der jüngeren Vergangenheit zu immer mehr Freigaben von Medien gekommen ist, versuchen Publisher hierzulande auf Nummer sicher zu gehen und schneiden möglichst viele Inhalte heraus, welche in der Vergangenheit als problematisch gesehen wurden.

Dabei ändern sich die Ansichten im Jugendschutz stetig mit der gesellschaftlichen Realität. Je älter die Rechtsabteilung eines Publishers oder je seltener deutsche Fachanwälte konsultiert werden, desto wahrscheinlicher sind durch die Publisher vorgenommene Entschärfungen einer Veröffentlichung. Auch wird der unverbindliche Beratungsservice der USK noch zu selten durch die Publisher in Anspruch genommen. Gegen eine Gebühr (140 €/Stunde, 1.100€/Tag für Nicht-Mitglieder; für Mitglieder ca. 1/3 reduziert; Mitgliedsstatus gestaffelt: 3.500-6.000 €/Jahr) wird dabei produktionsbegleitend bereits eine Hilfestellung gegeben, sodass ein besseres Gespür dafür entsteht, was gerade noch zu einer Freigabe führen könnte und was bisher zu einer Versagung derselben geführt hat, um unnötige Selbstzensur zu vermeiden. Dies hatte in einigen Fällen allerdings auch schon die fragwürdige Auswirkung, dass weltweit Spieleversionen aufgrund der deutschen Anforderungen an den Jugendschutz ab Werk entschärft worden sind – die USK begründet die mittlerweile sehr niedrige Anzahl an abgelehnten Titeln in ihrer Jahresbilanz 2014 jedenfalls so.

 

Umgang mit negativer USK-Prüfung

Auch wenn eine Freigabe doch einmal nicht erteilt werden sollte, ist ein Spiel nicht im klassischen Sinne des Wortes verboten – es bestehen weitgehende Vertriebsbeschränkungen, die jedoch einen Verkauf unwirtschaftlich machen, was politisch auch so gewollt ist.

Anders gesagt: Wird ein Spiel in Deutschland als „jugendgefährdend“ oder „schwer jugendgefährdend“ eingestuft, so wird das Spiel von der BPjM indiziert oder gar gerichtlich beschlagnahmt. Volljährige Menschen in Deutschland dürfen das besagte Medium trotzdem in seiner unzensierten, unbearbeiteten Version erwerben, besitzen und (nichtöffentlich) spielen – auch wenn hier unter Umständen gewisse Besonderheiten beachtet werden müssen. Publisher verlieren dadurch Umsätze, weshalb sie oft alles versuchen, um doch eine Freigabe zu bekommen (Schnitte, Änderungen) oder sie verzichten ganz auf eine deutsche Veröffentlichung.

Neue Vertriebswege im Internet ohne lange Lieferketten, Datenträgerherstellung oder Lagerkosten haben tendenziell eher das Potenzial, Medien ohne Freigabe an Erwachsene zu verteilen, allerdings sind die technischen Hürden vergleichsweise schwierig einzubauen. Nur große Vertriebsplattformen haben derzeit die Möglichkeit dazu, tun es jedoch nicht, aus Angst davor, Kunden durch die Umständlichkeit an die Konkurrenz zu verlieren. Dabei fordern Kunden seit langem eine solche (freiwillige) Möglichkeit, welche ja auch nur zusätzlich zu den technischen Mitteln für bereits freigegebene Medien eingebaut werden müsste. Da jedoch auch Werbung für nicht indizierte Medien nur an Erwachsene gerichtet sein darf, muss man schon großes Vertrauen in die Reichweite einer solchen Plattform haben. Warum Publisher dabei aber nicht zweigleisig fahren – die Kosten dürften mit bestehender geschlossener Benutzergruppen überschaubar sein – ist nicht ganz klar.

Die Informationen unseres Jugendschutzguides wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, ersetzen jedoch in keinem Fall die Beratung durch einen fachkundigen Anwalt für Straf-, Medien- und bzw. oder Jugendschutzrecht. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit oder Aktualität der Inhalte übernommen.

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