Andere Länder, andere Sitten

Andere Länder haben andere Einstufungssysteme und reiben sich teilweise an anderen Dingen als der Jugendmedienschutz in Deutschland.

Für die USA, Kanada (außer Quebec) und Mexiko arbeitet das Entertainment Software Rating Board (ESRB). Dieses vergibt rechtlich nicht verbindliche Empfehlungen mit spezifischen Inhaltshinweisen für Erziehungsberechtigte, anders als die Freigaben USK. Das heißt, dass es einem Verkäufer frei steht, auch Titel mit einem Mature- oder Adults-Only-Rating (17+ bzw. 18+) an Kinder zu verkaufen. In der Praxis kann aber davon ausgegangen werden, dass trotzdem der Verkauf verweigert wird. Viele US-Händler wie z. B. die Kette Walmart führen außerdem freiwillig keine AO-Spiele und auch z. B . die US-Streaming-Seite Twitch verbietet das Senden dieser; dies macht solche Titel wirtschaftlich unattraktiv. Das AO-Rating wird meist aufgrund von sexuellem Content erteilt (z. B. Erstveröffentlichung von Fahrenheit), aber auch Gewalt kann ausschlaggebend sein (z. B. Manhunt, Hatred). Generell sieht man Gewalt in den Vereinigten Staaten gelassener, wodurch manche in Deutschland indizierte Spiele ein Teen-Rating (13+) erhielten, aber Nacktheit sowie Schimpfworte und Alkoholkonsum sind weniger akzeptiert, was auf die puritanischen Ursprünge des Landes zurückgeführt werden kann. Siehe auch: ESRB Ratings Guide.

 

Australien gilt als einer der schwierigsten Märkte für Videospiele. Das Australian Classification Board, (ACB; manchmal auch nach ihrer aufgelösten Dachorganisation als OFLC bezeichnet) vergibt u. .a die für den Handel bindenden Einstufungen Mature Accompanied (MA15+, unter 15 Jahre nur mit Erziehungsberechtigten) und Restricted (R18+). Letztere Freigabe war lange Zeit Computerspielen verwehrt, was zu einer erhöhten Zahl von abgelehnten Freigaben – Refused Classification (RC) – führte. Der Verkauf und Import von RC eingestuften Werken, aber auch ungeprüften, ist verboten. Des Weiteren ist sogar der Besitz in den Landesteilen Western Australia und Teilen der Northern Territories verboten. Zensur für eine MA15+ Freigabe bevor R18+ eingeführt wurde, war gängig, wie bei z. B. Left 4 Dead 2 (zensiert entsprechend der USK-18-Version); die unzensierte Version bekam später R18+. Gewalt ist in der Spruchpraxis des ACB generell weniger ein Problem, was man an z. B. der Uncut-Freigabe von Dead Island mit MA15+ (in Deutschland indiziert) sieht; die Darstellung von sexuellen Inhalten, vor allem sexueller Gewalt, und Drogenkonsum sind allerdings kontrovers und führen weiterhin oft zu einer Freigabe-Ablehnung (z. B. Hotline Miami 2, Risen, Witcher, Fallout 3). Siehe auch: Guidelines for the Classification of Computer Games.

 

Der japanische Markt ist ebenso schwierig. Die Computer Entertainment Rating Organization (CERO) benötigt für niedrigere Einstufungen oft Einschnitte, welche von den Publishern vorgenommen werden, da die höchste Freigabe, das Z-Rating, verkaufseinschränkend ist: separater Verkauf unter Altersnachweis und Werbungseinschränkungen ähnlich wie bei Indizierung in Deutschland. Das Rating kann auch ganz verweigert werden. Zu den für Japan zensierten Titeln gehören u.a. Thief (2014), Wolfenstein: The New Order, The Last of Us, Until Dawn, Dying Light, The Evil Within – die beiden ersten wegen sexuellen Inhalten (weibliche Nippel sind ein Tabu), alle anderen wegen Gewalt (Köpfungen z. B. stehen meist einer Freigabe im Weg). Theoretisch ist die CERO nur für Konsolenspiele zuständig, auf Steam sieht man aber auch den Einfluss von zensierten, japanischen Versionen, selbst bei japanischen Spielen wie Resident Evil 4 (Gewalt und sexueller Content). Eine beliebte Option zur Umgehung der Zensur ist auch die Bereitstellung von offiziellen Uncut-DLCs und/oder Patches (z. B. Evil Within oder Dying Light). Siehe auch: CERO Code of Ethics.

 

Pan European Game Information (PEGI) wird in über 30 zum Großteil europäischen Ländern genutzt – Deutschland gehört nur indirekt dazu, da Retail-Versionen oft für Österreich und der Schweiz die Kennzeichen tragen. Die Ratings dienen hierbei in den meisten Fällen nur als Empfehlung. Ausnahmen sind u.a. das Vereinigte Königreich, welches bis 2012 BBFC nutzte und auch eine gewisse Zensur-Geschichte hat, und in Österreich die Bundesländer Wien und Kärnten. Anders als die USK gibt die PEGI durch Symbole Hinweise auf Spielinhalte zur Orientierung von Erziehungsberechtigen. Einem Spiel kann aufgrund der Tatsache, dass die Einstufung durch das Ausfüllen eines Fragebogens durchgeführt wird, nicht die Einstufung verweigert werden – dennoch werden die Angaben auf ihre Wahrhaftigkeit hin überprüft. Es gibt belegbare Fälle von Zensur aufgrund niedrigerer PEGI-Einstufungen (z. B. Beyond: Two Souls), aber auch ggf. wegen USK-Freigaben, um eine paneuropäische Version vermarkten zu können (z. B. The Last of Us, God of War: Ascension). PEGI bezieht das Strafrecht einzelner Länder nicht in ihre Einstufungen mit ein. Siehe auch: PEGI QUESTIONNAIRE.

Es existieren noch diverse weitere Einrichtungen in anderen Ländern. Erwähnenswert ist auch die Skelett-Zensur in China (z. B. Dota 2, World of Warcraft) oder diverse Verbote in Ländern des Nahen Ostens (z. B. Spec Ops: The Line, Heavy Rain, Darksiders). In der International Age Rating Coalition (IARC) haben sich ab 2013 außerdem ClassInd (Brasilien), ACB, ESRB, PEGI und USK zusammengeschlossen, um die Klassifikation von digitalen Spielen und Apps mittels eines Fragebogens, welches die (für Deutschland nicht endgültige) Einstufung angibt, zu erleichtern.

 

Fazit

Im Kontrast ist festzustellen, dass Deutschland ein verhältnismäßig strenges und komplexes Jugendschutzsystem mit einer Vielzahl von Kontrollinstanzen und Regularien aufweist (Zitat USK: „[die] weltweit verbindlichsten gesetzlichen Regeln für die Prüfung und [den] Verkauf von Computerspielen“). Die Systeme der Indizierung und der Beschlagnahme sind in ihrer Tragweite und Anwendungspraxis mit keiner anderen westlichen Demokratie vergleichbar. Auch die generelle Problematik mit Symbolen nach § 86a StGB bei Computerspiele ist einzigartig; selbst Deutschlands Nachbar Österreich, der oft dieselben Versionen erhält, lässt derartige Symbole pauschal in Computerspielen zu.

Die Informationen unseres Jugendschutzguides wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, ersetzen jedoch in keinem Fall die Beratung durch einen fachkundigen Anwalt für Straf-, Medien- und bzw. oder Jugendschutzrecht. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit oder Aktualität der Inhalte übernommen.

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