Allgemeine Informationen

Durch die FSK („Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“) werden Filmmedien eingestuft, durch die USK („Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“) PC- und Konsolenspiele aller Art. Die BPjM („Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“) ist ausschließlich für die Indizierung von jugendgefährdenden Medien verantwortlich und vergibt somit keinerlei Altersfreigaben. Auch werden, anders als geglaubt und immer wieder behauptet, durch die BPjM keine Verbote ausgesprochen.

Die Freiwillige Selbstkontrolle Unterhaltungssoftware GmbH ist Träger der USK, der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) und der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen G.A.M.E. e.V. sind ihre Gesellschafter. Die USK ist keine staatliche Behörde, sondern eine private Organisation der Spieleindustrie. Die USK ermöglicht somit die Ausübung des Jugendschutzgesetzes (JuSchG), indem sie Prüfverfahren organisiert. Behördenvertreter erteilen dann die verbindlichen Altersfreigaben.

 

Das Prüfverfahren

Wichtig ist, dass die Einreichung des Prüfungsmaterials rechtzeitig vor der Veröffentlichung geschehen muss, um der Prüfungsorganisation ausreichend Zeit zu geben, ihr Urteil zu fällen (mindestens 20 Werktage mit Verfahrenskosten von 1200 € für das Normalverfahren; mindestens 12 Werktage für 1800€ oder teureres Eilverfahren innerhalb von 5 Werktagen im Ad-Hoc Verfahren für 3000 €). Das zu prüfende Spiel muss zum Zeitpunkt der Einreichung im Wesentlichen fertig entwickelt sein. Auch wollen viele Entwickler und Publisher nach einer Erstprüfung noch einmal die Möglichkeit haben, Eingriffe an ihrem Spiel vorzunehmen, um dann die Möglichkeit auf eine geringere Altersfreigabe (also z. B. „USK ab 16“ anstellte von „USK ab 18“) oder überhaupt eine Freigabe zu erhalten.

Wenn ein Spiel zur Prüfung eingereicht wird, wird es einem freiwilligen, volljährigen Sichter vorgelegt, der die Chance haben muss, das eingereichte Spiel komplett zu erschließen („vollständiger Spielinhalt“, betrifft auch Front/Back-Cover, Handbuch, Achievements etc.). Anschließend bespricht der Sichter die Eindrücke, die er von dem Testspiel bekommen hat, in Form einer Präsentation im Regelverfahren mit einem fünfköpfigen Gutachtergremium, die in einfacher Mehrheit entscheidet, und der Antragssteller der Prüfung hat im Anschluss daran ein Anhörungsrecht. Diese Gremien bestehen aus vier von insgesamt über 50 ehrenamtlichen Jugenschutzsachverständigen (Pädagogen, Mitarbeitern der Jugendämter, Sozialwissenschaftlern, Journalisten und sonstigen Mitarbeitern mit Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen), die vom Beirat der USK ernannt werden und nicht in der Hard- oder Softwareindustrie beschäftigt sein dürfen, und einem der zwei Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB). Letztere werden vom Staat bezahlt, sodass bei der Erteilung der Freigaben kein Interessenskonflikt unterstellt werden kann, und sie haben ein Veto-Recht, womit sie gegen die Entscheidung in Berufung gehen können (Berufungsverfahren: vier neue Jugenschutzsachverständige und ein Vorsitzender aus dem Beirat).

Die OLJB und die an der USK beteiligten Verbände haben das Recht, ein Appellationsverfahren nach einem Berufungsverfahren einzuleiten, welches in einer gesonderten Prüfung resultiert. Erfolglos geschehen ist dies z. B. bei der zumindest im Singleplayer unveränderten Version von Dead Space 2 durch das bayerische Sozialministerium nach der bereits fünften USK-Prüfung des Spieles.

Am Ende der USK-Prüfung steht die Veröffentlichung des Ergebnisses auf der Webseite der USK (sofern der Publisher nicht vorher eine Sperrfrist für die Eintragung in die USK-Datenbank festlegt). Anders als in den Grundsätzen der USK suggeriert (vgl. § 23), werden verweigerte Kennzeichen nie öffentlich gemacht. So kann der Publisher noch nachbessern und muss sich nicht den Vorwürfen einer offensichtlichen Selbstzensur aussetzen.

 

Verweigerte Prüfung

Das Gremium hat die Möglichkeit, die Einstufung zu verweigern. Dies muss dann geschehen, wenn eine sogenannte einfache oder schwere Jugendgefährdung vorliegt, also z. B. Spiele, die Straftatbestände wie explizite Gewaltverherrlichungen darstellen, da die USK maximal Spiele mit einer sogenannten Entwicklungsbeeinträchtigung freigeben darf. Bei tatsächlicher Jugendgefährdung erfolgt dann auch eine Indizierung durch die BPjM (auf Antrag einer der 800 antragsberechtigten Stellen wie den Obersten Landesjugendbehörden), bei schwerer Jugendgefährdung und Erfüllung eines Straftatbestandes ggf. sogar die Beschlagnahme per Gerichtsbeschluss. Gegen das negative oder auch zu hohe Prüfungsergebnis der USK (kurioserweise teilweise auch zu niedrige, wenn es nach manchen Publishern geht, die auf Spontankäufe durch das 18er-Logo setzen) können die Einreicher des zu prüfenden Materials innerhalb von zwei Wochen noch Berufung einlegen. Dann wird das entsprechende Medium durch ein neues Prüferteam besprochen. Am Ende steht noch die Möglichkeit der Verpflichtungsklage auf Kennzeichnungserteilung vor dem VG Düsseldorf.

Spiele, die von der USK generell nicht geprüft werden, sind solche, die verfassungswidrige Symbole nach § 86a StGB (Strafgesetzbuch) wie zum Beispiel Hakenkreuze oder SS-Runen beinhalten (siehe Abschnitt „Sonderfall: Hakenkreuz“).

Zu beachten ist jedoch, dass keines der Prüfungsgremien, sei es die USK oder BPjM, ausnahmslos jedes Spiel, das scheinbar eines der unten aufgeführten Gesetze verletzt, sofort superkritisch bewertet, geschweige denn das besagte Spiel gleich indiziert oder beschlagnahmt wird. Die Art der Einbringung, die Darstellung und der Zusammenhang von Story und Spielmechanik sowie die vorherige Spruchpraxis werden immer mit bewertet – es zählt also die Gesamtschau des geschaffenen Werks. Die USK kann zudem ein Gutachten der BPjM einholen, wenn sie es im Prüfprozess für sinnvoll erachtet.

 

Selbstzensur

Wichtig dabei zu wissen, ist, dass weder die USK, noch die FSK oder BPjM in irgendeiner Art und Weise Selbstzensur vorschreiben oder fordern (siehe „Zensur in Deutschland?“ und folgend). Die USK – um beim Thema Gaming zu bleiben – gibt höchstens (und wenn überhaupt) Tipps, wie eine weniger restriktive Altersfreigabe (z. B. „USK ab 16“ anstelle von „USK ab 18“) erreicht werden kann, sie fordert die Umsetzung dieser Tipps aber nicht. Somit sind es die Macher selbst, die sich einer Eigenzensur unterziehen, und nicht die USK, FSK, BPjM oder der „deutsche Staat“. Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), ein gemeinnütziger Verein, kann wiederum auf den Frame genaue Schnittauflagen für die jugendschutzkonforme, frühere sendezeitliche Fernsehausstrahlung von Filmwerken geben.

Die Informationen unseres Jugendschutzguides wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, ersetzen jedoch in keinem Fall die Beratung durch einen fachkundigen Anwalt für Straf-, Medien- und bzw. oder Jugendschutzrecht. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit oder Aktualität der Inhalte übernommen.

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