Einleitung

Der „Jugendschutz“ – bzw. das Jugendschutzgesetz – hat in Deutschland die Aufgabe, Kinder und Jugendliche von schädlichen Einflüssen zu schützen, und erstreckt sich dabei nicht nur in den öffentlichen Teil unserer Gesellschaft, sondern auch in die Medienlandschaft. Ins Leben gerufen wurde diese rechtliche Grundlage, die den Namen „Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit“ (kurz „JÖSchG“) trug, schon mit einem Erlass im Dezember 1951, und bereits am 06. Januar 1952 trat sie in Kraft.

In den folgenden Kapiteln wollen wir einen genaueren Blick auf den für Spieler überaus bedeutsamen Jugendmedienschutz werfen. Dieser hat, trotz seiner ursprünglich ohne Zweifel gut gemeinten Absichten, aufgrund mangelnder Anpassungen an den Fortschritt von Gesellschaft und Technik in den letzten Jahrzehnten Ausmaße angenommen, die einen weiten Teil der Bevölkerung an Zensur erinnern.

Wir widmen uns daher in den folgenden 18 Kapiteln nicht nur der Beschreibung von wichtigen Abläufen und Begriffen, sondern zeigen auch einige der Probleme auf, die der Jugendmedienschutz mit sich bringt.

Begriffserklärung

In diesem Abschnitt widmen wir uns der detaillierten Erklärung diverser Begriffe, deren Existenz zwar überaus wichtig sein kann, in den Augen vieler jedoch oftmals aufgrund mangelnder Informationen ausschließlich als unnötiger und sinnloser Ballast bei der Auslebung ihres Hobbys gesehen werden.

Beschlagnahme

Beschlagnahmen hören sich im ersten Moment furchterregend an, sind aber trotz der Vielzahl neuer Titel, die jedes Jahr den Markt erreichen, sehr selten.

Dennoch bedeuten Beschlagnahmen nicht generell, dass ein Besitzverbot vorliegt. Im Zweifel muss der EInzelfall abgewogen werden.

Besitzverbot

Hin und wieder gibt es Fälle, bei denen ein konkretes Besitzverbot tatsächlich sinnvoll und angebracht ist, um die gesellschaftliche Ordnung zu schützen.

Wir erklären, bei welchen Inhalten ein Besitzverbot fällig ist und zeigen auf, dass Spiele bisher noch nicht unter ein Besitzverbot gefallen sind.

Indizierung

Um den Akt der Indizierung ranken sich viele teils absurde Gerüchte.

So ist nicht nur schon von „Hehlerei“ die Rede gewesen, wenn es um den Handel mit indizierten Medien ging, sondern auch von angeblichen „Verboten“ und Haftstrafen, die mit dem Besitz eines solchen Mediums einher gehen sollen.

Region- und Geolocks

In den 90er und frühen 2000er Jahren wurden Konsolen und DVD-Spieler oft mit „Ländercodes“ ausgestattet, um den Handel mit ausländischen Versionen zu unterbinden.

In den letzten Jahren wurde diese Art der Bevormundung leider in DRM-Systemen wiederbelebt.

Die USK

Die „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“, oder kurz „USK“, erteilt in Deutschland die für den Verkauf verbindlichen Altersfreigaben für Videospiele und ist somit das Gegenstück der „Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“, oder kurz „FSK“. Aufgrund der Tatsache, dass die USK mit seinen Prüfergremien darüber entscheiden kann, ob ein Spiel problemlos in Deutschland erscheinen kann oder nicht, zieht sie regelmäßig den Unmut der deutschen Spieler auf sich.

Allgemeine Informationen

Um verstehen zu können, wie die USK tätig ist, ist es nötig, zunächst einen groben Überblick darüber zu bekommen, weshalb es die USK gibt und was genau sie tut und was sie nicht tut. Wir schauen außerdem, in welchen Fällen die USK eine Freigabe ablehnen kann.

Bedeutung der USK-Freigabe

Spiele können auch ohne eine Freigabe der USK in Deutschland veröffentlicht werden. Dies bringt allerdings einige Risiken mit sich, sodass eine Freigabe der USK, trotz der nicht außer Acht zu lassenden Kosten, die damit einhergehen, durchaus ratsam sein kann.

Welche Freigaben gibt es?

Es gibt eine gute Hand voll Freigaben, aus denen die USK wählen kann, und jede davon setzt für für den Handel ein neues Maß an Achtsamkeit voraus. Besonders interessant sieht es bei SPIO/JK-Freigaben aus, auf die die Filmwirtschaft zurückgreifen kann.

Die Folgen

Die Folgen, die durch das – in vielerlei Hinsicht undurchdachte – Jugendschutzsystem und die drohenden Strafen zu Zeiten der digitalen Informations-beschaffung in Deutschland entstehen, schießen nicht selten sehr weit über ihr Ziel hinaus. Sie sorgen so dafür, dass für Erwachsene – die sich einigen Regularien des eigentlich für Kinder und Jugendliche gedachten Jugendschutzsystem eigentlich nicht beugen müssten – das Gefühl entsteht, sie wären einer Form der staatlichen Zensur ausgesetzt, auch wenn offiziell die Schere im Kopf der Kunstschaffenden angesetzt wird.

Wir werfen einen Blick auf die Hintergründe, zeigen Problempunkte auf und erläutern eine potentielle Lösung.

Drastische Konsequenzen für PC-Spieler

Aktuell sind es vor allem PC-Spieler, die sich angesichts zahlreicher Regions- und Geosperren starken Restriktionen beugen müssen, denn für aktuelle Konsolengenerationen gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine derartigen Mechanismen.

Problematik der Gewaltdarstellung

Aber warum stoßen den Gremien von USK, FSK und nicht zuletzt auch der BPjM ausgerechnet solche Medien immer wieder sauer auf, die mit – mehr oder weniger – detaillierten Gewaltdarstellungen aufwarten oder diese thematisieren?

Gibt es Zensur in Deutschland?

Gerade Außenstehenden fällt es schwer, nicht den Eindruck eines staatlichen Zensursystems zu bekommen. Doch, trotz der offensichtlichen Auswirkungen, gibt es für Volljährige Menschen in Deutschland keine offizielle Zensur.

Eine mögliche Lösung: Altersverifikation

Es mag viele Möglichkeiten geben, die Restriktionen der Jugendschutzvorschriften umzusetzen. Eine der vielversprechensten Formen dürfte die eines digitalen AVS sein, dem wir uns in diesem Kapitel genauer widmen werden.

Exkurse

Mit den Exkursen werfen wir einen Blick in unterschiedliche Bereiche, die sehr detailreiche Beispiele behandeln, aber dennoch höchst interessant sein können. So geht es neben den ausländischen Rating-Systemen auch um die Tatsache, dass „Let’s Plays”, die indizierte Titel behandeln, nicht unbedingt untersagt sind, obwohl man das Gegenteil annehmen könnte.

Andere Länder & Sitten

Nicht überall ist der Jugendschutz so restriktiv wie in Deutschland. Während hierzulande vor allem auf Gewalt beinhaltende Medien abgestellt wird, achten andere Jugendschutzregime eher auf andere Inhalte.

KJM-Freigabe für AVS

Es gibt viele Möglichkeiten, technischen Jugendschutz im Internet zu betreiben. WElche Maßnahmen effektiv sind, entscheidet die KJM bzw. neuerdings auf die Einrichtungen der Selbstkontrolle.

Let's Plays und der Index

Berichterstattung, Spieldurchläufe und Vorstellungen von indizierten Medien sind nicht per se mit indiziert, da sie eigenständige Werke darstellen. Allerdings bleibt immer die Frage, ob sie verbotene Werbung sind.

Sonderfall Hakenkreuz

Wir erklären, warum die Verwendung verfassungswidriger Symbole, wie dem Hakenkreuz, unter der Berücksichtigung diverser Rechfertigungsgründe auch in Spielen möglich sein kann bzw. sollte.

Fallbeispiele

Doch genug der Theorie. Schauen wir uns einfach mal anhand einiger konkreter Fallbeispiele an, welche Auswirkungen das deutsche Jugendschutzsystem in der heutigen Zeit auf PC- und Konsolenspiele hat, um mögliche Konfliktpunkte besser erkennen zu können.

Saints Row 2

Kaum ein anderes Spiel wurde für die Veröffentlichung in Deutschland derart stark zensiert wie das im Jahr 2008 veröffentlichte „Saints Row 2“ aus dem Hause Deep Silver.

Trotz aller Mühe und den mannigfaltigen Eingriffen in die Originalversion erteilte die USK aber dennoch die höchstmögliche Freigabe. Das 2011 erschienende „Saints Row 3“ schaffte es ebenfalls nur zensiert nach Deutschland.

Vereinfachtes Schema zur Rechtslage

Einen guten Einblick in die Komplexität des deutschen Jugendmedienschutzsystems bietet das vereinfachte Schema zur Rechtslage von unserem Partner, dem VDVC e.V.

Man muss kein Fachmann sein, um erkennen zu können, dass das aktuell verwendete System alles andere als benutzer- und entwicklerfreundlich ist, und dass Verwirrungen allein schon deshalb vorprogrammiert sind.

Wolfenstein (2009)

Das „Wolfenstein“ Franchise erhitzte schon Anfang der 1990er Jahre die Gemüter, nachdem „Wolfenstein 3D“ nicht nur auf Listenteil A indiziert, sondern im Anschluss auch beschlagnahmt und sogar eingezogen wurde.

Auch heute noch eckt das Franchise regelmäßig wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole in Deutschland an und erscheint als Folge dessen nur zensiert.

Die Informationen unseres Jugendschutzguides wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, ersetzen jedoch in keinem Fall die Beratung durch einen fachkundigen Anwalt für Straf-, Medien- und bzw. oder Jugendschutzrecht. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit oder Aktualität der Inhalte übernommen.

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