Im Dezember letzten Jahres haben wir damit begonnen, in Form eines Jahresrückblicks einen Blick auf die Ereignisse der vergangenen 12 Monate zu werfen und diese anschließend in einer Übersicht zusammenzufassen. Da sich das Jahr 2017 dem Ende neigt, fassen wir in den kommenden Zeilen die Highlights dieses Jahres zusammen. Unterm Strich kann so viel vorab verraten werden: Das Jahr 2017 war ein überwiegend positives Jahr für Gamer in Deutschland.

Es bleibt zu hoffen, dass das kommende Jahr – auf das wir in den nächsten Tagen ebenfalls in Form eines gesonderten Jahresausblicks eingehen werden – ähnlich viele positive Entwicklungen bereit hält.

 

Rehabilitierung durch vorzeitige Listenstreichung

Aus den Schlingen der Indizierung befreit: Gordon Freeman

Eine Gewaltdarstellung, die vor wenigen Jahren noch die Jugend gefährdet haben soll, ist später oft unproblematisch. Dies belegen diverse vorzeitige Listenstreichungen und darauf folgende USK-Kennzeichnungen. Aufgrund erfolgreicher Anträge der Rechteinhaber auf vorzeitige Listenstreichung, da die Voraussetzungen für eine Aufnahme nicht mehr vorhanden waren, nicht mehr durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien geächtet und damit rehabilitiert wurden im Jahr 2017 acht Videospiele (teils bezogen auf die ungekürzten, internationalen Versionen).

  • Der Ego-Shooter-Klassiker mit Sexismus-Vorwürfen Duke Nukem 3D,
  • die beiden noch indizierten Teile der Red Faction-Reihe, Red Faction 2 und Red Faction: Guerilla, welche neben dem zuvor bereits befreiten Erstling und Red Faction: Armageddon in der „Ze German Ädition“ (Partnerlink) eine Neuveröffentlichung erfuhren,
  • Valves Genre-Meilenstein Half-Life, welcher in Deutschland mit kopfschüttelnden Wissenschaftlern und Roboter-Marines ins Absurde gestoßen wurde und sogar einen Uncut-DLC für deutsche Nutzer erhielt,
  • die beiden Open-World-Adventures von Microsoft Crackdown und Crackdown 2, von denen bald der dritte Teil veröffentlicht werden soll,
  • der vorher insgesamt als strafrechtlich relevant gehandelte und in Polen von People Can Fly entwickelte Ego-Shooter Painkiller, der somit auch auf Steam und GOG wieder hierzulande verfügbar ist,
  • sowie der „kill with skill“-Shooter Bulletstorm nach nur etwas über fünf Jahren Listenaufenthalt, welcher daraufhin in der Bulletstorem Full Clip Edition von Gearbox ungekürzt neu veröffentlicht wurde – auch entwickelt von People Can Fly und vorher in Deutschland stark zensiert.

 

Erwachsenenfreigaben und weitere ungekürzte Neuveröffentlichungen

In der internationalen Version erhielten in diesem Jahr diverse Spiele ihr USK-Kennzeichen. Damit ist dieses Jahr (wieder) eines, in dem man den “100% uncut”-Beteuerungen der Publisher Glauben schenken kann. Die Zeiten, in denen auch bei Erwachsenenspielen mit rotem Siegel von Schnitten ausgegangen werden muss, sind somit hoffentlich vorbei.

Darf auf die Jagd gehen: Jason Voorhees

Vor allem bemerkenswert sind die Freigaben im Falle der Umsetzung der bekannten Horrorfilm-Reihe Friday the 13th und des neusten Teils der Zombie-Reihe Dead Rising 4, welche beide die eigentlich seltenen Appellationsverfahren über sich ergehen lassen mussten. Da die dargestellten Gewaltakte durchaus nicht harmlos sind, spricht dies für eine weitere Liberalisierung der Spruchpraxis der USK bzw. der OLJB und auch folglich der BPjM, die sich an vorherige Entscheidungen halten bzw. darauf aufbauen müssen. Interessant könnte dies z. B. für das immer noch auf Listenteil A indizierte Sleeping Dogs sein, welches über den Verwaltungsrechtsweg bisher nur die Umtragung von Listenteil B genießen konnte und für Deutschland auf Steam in der Definitive Edition ausgehend vom Publisher Square Enix gesperrt ist bzw. in einem technisch unsauberen „German Cut“ ohne DLC-Unterstützung angeboten wird. Hier wurden Takedowns ähnlich wie bei Friday the 13th durch die BPjM einst als jugendgefährdend beanstandet. Sicherlich ist der Kontext jedoch nicht direkt vergleichbar. Die Kennzeichnung von Dead Rising 4 wurde womöglich bereits zum Anlass genommen, den ersten Teil der Reihe zu rehabilitieren (dazu folgend).

Weiterhin in der internationalen Version hierzulande mit Kennzeichen der USK erschienen sind: Resident Evi 7, For Honor, John Wick Chronicles, Tom Clancy’s: Ghost Recon Wildlands, Outlast 2 (mit Problemen in Australien), Vikings – Wolves of Midgard, Sniper Ghost Warrior 3, The Surge, Playerunknown’s Battlegrounds und The Evil Within 2. Shadow Warrior 2 erschien erst nicht in Deutschland, dann aber doch mit Segen der USK. Jeweils eine Jugendfreigabe ab 16 Jahren erhielten Sudden Strike 4 (weltweit ohne NS-Symbolik), South Park: The Fractured But Whole (im Gegensatz zum Vorgänger weltweit ohne NS-Symbolik) und LawBreakers.

Turok 2 und Mafia wurden (zensurtechnisch) ungekürzt neu veröffentlicht.

Valves Orange Box mit Half-Life 2 und den beiden Episoden, sowie Portal und Team Fortress 2 wurde von Zensur-Attributen für Deutschland befreit; indiziert war keines der Spiele jemals, obwohl die USK-Fassungen stark geschnitten sind. Half-Life 2 erschien zwar ursprünglich im Original in Deutschland, erfuhr durch das Engine-Upgrade mit Episode 2 allerdings dieselben drastischen Gewaltanpassungen – graues Blut und Körper, die direkt nach dem Ableben ins Nirgendwo verblassen. Kurz darauf entfernte Valve auch noch bei den Klassikern Half-Life 1: Source, Counter-Strike (1.6), Counter-Strike: Condition Zero und Team Fortress Classic die Low-Violence-Tags. Damit sind die einzigen weiterhin problematischen Valve-Spiele Left 4 Dead, das auf Listenteil B indiziert ist, und der Nachfolger Left 4 Dead 2 gegen den sogar Beschlagnahmebeschlüsse erlassen wurden. In beiden Fällen ist eine Rehabilitierung wesentlich schwieriger, aber nicht unmöglich.

Die Wasserschlachten in Peach Beach Splash auch in Deutschland

Bei der Darstellung mutmaßlich minderjähriger Pixel in angeblich schwer jugendgefährdenden Posen erfolgte Dank des überstandenden Appellationsverfahrens, dem dritten des Jahres, von Senran Kagura: Peach Beach Splash vielleicht der nötige Impuls für eine Rückkehr zur normalen Spruchpraxis der USK: erste Instanz keine Kennzeichnung, Berufung ergab die beantragte Jugendfreigabe ab 16 Jahren, Appellation als Kompromiss die Erwachsenenfreigabe. Was die FSK im Filmbereich für Jugendliche teils ohne Probleme kennzeichnet, ist im interaktiven Bereich bekanntlich seit letztem Jahr öfters problematisiert, obwohl eine laxere Klassifikation der Vorgänger-Spiele mit Jugendfreigaben offensichtlich jahrelang vertretbar war. Eines der wohl wenigen Beispiele für eine faktische Verschärfung der Spruchpraxis einer Selbstkontrolleinrichtung beziehungsweise der Obersten Landesjungendbehörden. Der BPjM lagen die beiden Wackelkandidaten, Valkyrie Drive: Bhikkhuni und Criminal Girls 2 offenbar noch nicht vor; die antrags- bzw. anregungsberechtigten Stellen sind offenbar müde geworden. Bei Bhikkhuni wurde davon unbeachtet in diesem Jahr ein Geolock implementiert. Seitdem ist das japanische Spiel nicht mehr im deutschen oder australischen Steam Store-Angebot zu erwerben. In Deutschland mit einer USK 16-Kennzeichnung ausgestattet, aber in Neuseeland verboten und auf Steam mit einem Geolock belegt wurde Gal*Gun: Double Peace.

 

Das deutsche Rechtssystem als Endgegner für Frank West

Dead Rising nicht mehr verboten?

Eine regelrechte Sensation erfolgte in Bezug auf Capcoms Kaufhaus-Zombie-Massaker Dead Rising, welches sichtlich an George A. Romeros nicht weniger rechtlich problematisierten Genre-Klassikers Dawn of the Dead angelehnt ist. Zum ersten mal in der Videospielhistorie überhaupt wurde gerichtlich ein Beschlagnahmebeschluss aufgrund des Gummiparagraphen 131 StGB aufgehoben, denn was im Filmbereich seit einigen Jahren gängige Praxis ist, wurde offenbar noch nie zuvor von einem Spiele-Publisher angegangen. Wir gratulieren Capcom für diesen Teilsieg, und bedauern, dass ihnen die deutsche Bürokratie weiterhin Steine in den Weg legt.

Denn obwohl der erste Beschlagnahmebeschluss des Amtsgericht Hamburg erfolgreich aufgehoben werden konnte, erfolgte im Juni diesen Jahres eine neuere Beschlagnahme durch das Amtsgericht Duisburg. Die gegenständliche Fassung dieser Rechtshürde war vermutlich das laut BPjM zur Vorlage im Wesentlichen inhaltsgleichen Remaster für die Xbox One, welches einen Monat zuvor rein deklaratoisch auf Listenteil B indiziert und somit an die Strafverfolgungsbehörden durchgereicht wurde, wie der Gesetzgeber es bei allen Listenteil B/D-Indizierungen verlangt (§ 24 Abs. 4 Satz 1 JuSchG). Ausgehend davon, dass die Aufhebung des älteren Beschlusses nicht von ungefähr kommt – so bekam Dead Rising 4, bestätigt durch ein Appellationsverfahren, die USK-Freigabe als erster Teil der Reihe Anfang des Jahres (wie bereits erwähnt) – und der Paragraph ohnehin seit jeher offensichtlich verfassungswidrig, weit und fahrlässig ausgelegt wurde (vor und nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zu Tanz der Teufel im Jahr 1992), dürfte es sich nur um eine Formalität handeln. Auf eine Listenstreichung und völlige Rehabilitierung darf berechtigterweise gehofft werden. Die BPjM nimmt diesen Monat die verfrühte Listenumtragung auf Teil A zurück. Dead Rising gilt somit weiterhin als sozialschädlich.

Der Fall Dead Rising zeigt, wie grotesk das Verbots- und faktische Zensursystem anmutet, und wie die (aufwändige) Verantwortung auf den Rechteinhabern liegt. Es bräuchte eine grundlegende Entrümpelung, welche den diversen noch zu Unrecht geächteten, keineswegs (jemals ernsthaft) sozialschädlichen oder jugendgefährdenden (Unterhaltungs-)Medien und allen daran beteiligten Personen Gerechtigkeit bringt. Die BPjM hat die Möglichkeit, von Amts wegen ihre Indizierungslisten zu prüfen, falls begründete Zweifel an den Voraussetzungen für eine Listenaufnahme vorliegen, tut dies aber nicht selbstständig. In Bezug auf richterliche Beschlagnahmebeschlüsse ist die Sache ohnehin besonders vertrackt, da diese nie vollständig verjähren – anders als nur durch die Indizierung belastete Medien, welche nach (überlangen) 25 Jahren meist von Amts wegen rehabilitiert werden – und die Entscheidungskompetenz der BPjM überlagern, also zunächst über den Rechtsweg aufgehoben werden müssen.

Da die BPjM auch einen Wandel durchmachen soll, hinweg von der scheinbaren Zensurbehörde zur Medienkompetenz-Einrichtung, die positiv auszeichnet, wäre hier eine Art Tabula Rasa, ein Neuanfang befreit von Altlasten, besonders sinnig; auch nicht zuletzt in Bezug auf die Außenwahrnehmung der Behörde, aber auch Deutschland als scheinbar zensurfreudiges Land insgesamt. Die Ressourcen für dieses Unterfangen sollten freigemacht werden, da es ohnehin fragwürdig ist, dass Antragssteller für eine vorzeitige Listenstreichung in offensichtlichen Fällen vierstellige Summen zahlen müssen – eine Indizierung ist ein massiv einschneidendes Unterfangen und eine zu Unrecht bestehende Listenführung ist prinzipiell verfassungswidrig, da sie Grundrechte (Art. 5, 12 GG) unbegründet beschneidet.

 

Carmageddon: Max Damage in Deutschland nicht verkehrsfähig

Keine Zulassung für das kontroverse Actionspiel

Die Negativ-Auszeichnung der einzigen neue Listenaufnahme darf das Revival der Krawall-Autorennen-Reihe Carmageddon: Max Damage für sich beanspruchen. Nicht wirklich überraschend, gilt Carmageddon doch als ein Archetyp des kontroversen Videospiels – laut der gesperrten Store-Seite des Erstlings von 1997 gar „[the] classic that was BANNED AROUND THE WORLD“ –, auch wenn die Indizierung erstaunlich lange auf sich warten ließ: Die Verweigerung der USK-Kennzeichnung wurde bereits knapp ein Jahr vorher öffentlich.

Für die BPjM war die Sache wohl auch klar genug, um Max Damage im vereinfachten Verfahren für offensichtliche Fälle, im Dreier- statt Zwölfer-Gremium, als Trägermedium mit vermuteter strafrechtlicher Relevanz auf Listenteil B zu indizieren; die erste neue Indizierung eines Trägermediums nach Dying Light in 26 Monaten. Ob eine gerichtliche Beschlagnahme bereits erfolgte, können wir nicht sicher sagen. Sicher scheint, dass sich die Staatsanwaltschaft bereits mit dem Titel beschäftigte. Denkbar ist, dass diese die Ermittlungen eingestellt hat, da keine nennenswerte Verbreitung in Deutschland festgestellt werden konnte. Eine derartige nicht-tatbestandliche Einstellung reicht für die BPjM allerdings nicht für eine Umtragung auf Listenteil A von Amts wegen aus, da der strafrechtliche Tatbestand der Gewaltdarstellung weiterhin bestehen könnte.

Im deutschen Steam Store wurde Max Damage erst einige Monate nach Bekanntmachung der Listenaufnahme gesperrt. Es ist unklar, woher dieser Impuls stammte. Nach Jugendmedienschutz-Staatsvertrag sind Liste B indizierte Medien bzw. zu ihnen im Wesentlichen inhaltsgleiche Angebote absolut unzulässig. Zumindest die unterschiedlich aufwändigen Kennzeichenverfahren – für Trägermedien eine teure Prüfung der freiwilligen Selbstkontrollen USK oder FSK mit Verwaltungsakt der Obersten Landesjugendbehörden und für Online-Angebote die reine Eigenbewertung bzw. kostenlos für Apps mittels IARC – stellen nach Ansicht des Medienrechtswissenschaftlers Prof. Dr. Marc Liesching eine verfassungswidrige Ungleichbehandlung verschiedener Medientypen dar, was seiner Ansicht nach durch eine Neuregelung des Jugendschutzes hin zu mehr Medienkonvergenz und Selbstdeklaration der Anbieter mit nach der Veröffentlichung stattfindender Marktüberwachung geheilt werden müsse; die Ungleichbehandlung von Liste B indizierten Medien stellt unserer Sicht nach auch einen fraglichen Unterschied dar, da ein auf Liste B indiziertes Trägermedium noch nach JuSchG des Bundes wie Liste A indiziert verkauft werden kann – auch wenn es nicht risikolos ist, falls tatsächlich ein verbotener Inhalt vorliegt –, es als Online-Angebot nach JMStV der Länder aber absolut unzulässig ist und nicht mal in geschlossenen Nutzergruppen angeboten werden kann.

 

Hatred-Walkthrough Ende 2016 beschlagnahmt

Wohl das erste mal, dass ein Walkthrough eines Spieles einkassiert wurde

Obwohl als Telemedium weiterhin offenbar nur auf Listenteil D indiziert, wurde eine Walkthrough-Reihe des kontroversen Shoot ’em ups Hatred durch das Amtsgericht Tiergarten Ende letzten Jahres wegen Verstoßes gegen § 131 StGB beschlagnahmt. Offensichtlich erfüllt daher auch das polnische Spiel an sich den Tatbestand der Gewaltdarstellung, wenn dies richterlich für eine unkommentierte, unbearbeitete und vollständige YouTube-Videoreihe bestätigt wurde.

Die Video-Beschlagnahme scheint etwas sinnfrei, da der Anbieter des YouTube-Kanals offensichtlich nicht aus Deutschland stammt und sich nach neuerer Rechtsprechung des BGH wohl nicht mit dem Upload strafbar gemacht hat (3 StR 88/14). Vermutlich erfolgte vorher eine nicht-öffentliche Listenteil D-Indizierung der Websites durch die BPjM. Die Videos bzw. URLs sind auch in Deutschland noch abrufbar, obwohl manch ein Watchdog gerne auch mal YouTube reguliert (z. B. wie die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein Aufnahmen aus dem unzensiert USK gekennzeichneten Grand Theft Auto V sperren lässt (PDF)).

Die Beschlagnahme des Hatred-Walkthroughs ist uns erst im Januar diesen Jahres bekannt geworden und floss nicht in den letzten Jahresrückblick ein. Daher wollen wir den Fall hiermit nachreichen.

 

Weiterhin Videospiel-Tabu: Nationalsozialismus und Kennzeichen des Dritten Reichs

Auch 2017 haben Spiele es schwer, die die NS-Ideologie eigentlich ablehnen

Auch 2017 werden Spiele, die nationalsozialistische Inhalte oder Kennzeichen aufarbeiten, pauschal verdächtigt und benachteiligt, selbst wenn sie historisch korrekt sein wollen, die Opfer in Interviews zu Wort kommen lassen und von Hochschulen entwickelt wurden: das tschechische Serious Game Attentat 1942 bietet die Aussicht auf eine geschnittene, deutsche Version mit schwarzen Balken über historischen Filmaufnahmen; im Angesicht von Guido Knopps Dokumentationen und der Dauerberichterstattung über den Zweiten Weltkrieg auf N24 und n-tv ein Hohn.

Bethesdas Tripple A-Shooter Wolfenstein II: The New Colossus wurde in der USK-Zensurfassung nicht ganz grundlos vereinzelt der Holocaustleugnung beschuldigt und seine Causa ging durch nahezu alle bekannten Medien (siehe unseren Pressespiegel). Für Spieler besonders ärgerlich und immer wieder thematisiert wurde auch der Geolock, welcher die komplette Nutzung der internationalen PC-Version mit Steam-Zwang in Deutschland unterbindet, wie auch schon beim Vorgänger.

Nicht weniger AAA, aber dafür etwas weniger zensiert, erschien Activisions Call of Duty: WWII in einer mit der USK kompatiblen, von der ohnehin nur gering verwendeten, einschlägigen Symbolik befreiten Version und weltweit aufgrund eines Rating-Deskriptors in Australien angepasst. Bemerkenswert ist dies vor allem, da die Reihe seit Jahren nicht mehr Federn in Deutschland lassen musste; die Gewalt stand nach Black Ops im Jahr 2010 nicht mehr einer ungekürzten USK-Veröffentlichung im Wege.

Des Weiteren betroffen ist der Strategietitel Steel Division: Normandy 44, welcher auch ein Nachzensur-Update erfuhr, da die USK in Anbetracht der unkritischen Darstellung der Wehrmacht wohl Bauchschmerzen bekam. Kriegsverbrechen fielen zwar genretypisch generell der Abstraktion des Spieles zum Opfer, es darf aber gefragt werden, ob es wirklich besser ist, einen verurteilten Kriegsverbrecher aus dem Spiel zu tilgen, da sein Name an sich doch für diese Untaten steht. Geschichtsaufarbeitung erfolgt so auch hier nicht. Weiterhin der (Selbst-)Zensur von verfassungswidrigen Symbolen unterfällt der Payday ähnliche Koop-Shooter RAID: World War II. Der Zero-Budget-Trash-Spiel-Film-Hybrid Kimulator 2: The Bottle Flip Master und das Trash-Game Fidget Spinner erschienen gar nicht erst in Deutschland auf Steam bzw. wurden nachträglich mit Geolocks gesperrt.

Bemerkenswert ist auf anderer Seite die Veröffentlichung der Prügelspiel-Satire Bundesfighter 2 Turbo von funk, also einem Arm der deutschen öffentlich-rechtlichen Medien, mit einer Hakenkreuz-Figur. Dies interessiert auch die Ermittlungsbehörden.

Für eine kompakte Darstellung der generellen Symbol-Problematik siehe hier.

 

Verfassungsbeschwerde des VDVC gegen § 131 StGB gescheitert

In diesem Jahr wurde auch vom Bundesverfassungsgericht mitgeteilt, dass es die Verfassungsbeschwerde des VDVC gegen die Neufassung des Gewaltdarstellungsparagraphen im Strafgesetz nicht zur Entscheidung annehmen wird, also das Verfahren einstellt. Es sei nicht dargelegt worden, wie die Beschwerdeführer, also Spieler, betroffen sein könnten. In der Beschwerde bzw. weiteren Ergänzungsschreiben war jedoch genau dargelegt, dass Spieler sich des Verbreitungsversuchs schuldig machen könnten, wenn sie eingebaute Streaming-features nicht manuell abstellen, wie zum Beispiel in Steam. Da potentiell jeder dort zugucken kann, ist es ein Verbreitungsversuch. Die Richter kannten sich anscheinend nicht genügend mit den technischen Begebenheiten im Web 2.0 aus, um die Tragweite der Gesetzesänderung zu erfassen. Betroffenen bleibt im Falle einer Anklage durch die Staatsanwaltschaft höchstens die Argumentation, dass das oberste Gericht ein solches Handeln nicht als tatbestandsmäßig erachtet und gegebenenfalls das Durchschreiten der Instanzen. Jedenfalls würde der Gummiparagraph durch die rechtskräftige Neufassung nun noch dehnbarer und steht weiter den Gerichten zur radikalen Geschmackszensur ohne großen Prüfaufwand zur Verfügung.

 

In eigener Sache

Am 01. August startete dann, nach vielen Monaten voller persönlicher Rückschläge und einigen kompletten Neustarts, unsere neue Website. Es ist das erste richtige Mal, dass wir mit unserem Projekt einen offiziellen, professionellen Auftritt abseits unserer Steamgruppe bzw. der Social Media-Kanäle auf Facebook und Twitter haben. Es gab zwar schon einmal, vor mehreren Jahren, einen sehr schlichten Internetauftritt von uns, doch waren dort keinerlei sinnvolle Informationen zu finden – bis jetzt! Leider haben wir in den Monaten seit dem Launch feststellen müssen, dass unsere jetzige Plattform nicht das ist, was wir uns erhofft haben, und ganz nebenbei ist sie alles andere als stabil. So schafft Ihr, unsere Community, es regelmäßig, unsere Server bei jeder größeren News in die Knie zu zwingen. So kann und soll es nicht weitergehen, sodass wir beschlossen haben, ab Januar 2018 mit der Entwicklung eines komplett eigenen CMS zu beginnen, welches zu 100% zu unseren Vorstellungen hin entwickelt wird.

Wir wurden schon häufiger darauf hingewiesen, dass unsere Mitglieder dazu bereit wären, unser Projekt mit Spenden zu unterstützen. Nachdem wir jahrelang nicht darauf angewiesen waren, haben wir hierfür aber nie eine Möglichkeit eingerichtet (bzw. einrichten müssen). Dies änderte sich mit dem Start der Website, da wir für die Weiterentwicklung unseres Projekts nun Kosten auf uns zukommen sehen, die wir so nie aus eigener Hand tragen könnten, so gerne wir es auch tun würden. Wer von Euch unsere Arbeit und die Mühe, die wir investieren, um Euch auf dem Laufenden zu halten, zu schätzen weiß, der ist herzlich dazu eingeladen, uns einen kleinen Obolus zu schicken. Ein kleiner Hinweis sei an dieser Stelle erlaubt: Aktuell fehlt uns eine vierstellige Summe zur Realisierung des nächsten Plans. Jede Spende, ob groß oder klein, fließt zu 100% zurück in for UNCUT! und hilft uns dabei, diese Baustelle in Angriff zu nehmen.

Kurz nach dem Launch unserer Website beriefen wir drei neue Mitglieder in unser Team, die uns bei der Leitung unserer Community helfen sollten. Konkret handelte es sich um zwei Moderatoren für unser Forum – [end]derdimi und meto83 – die uns in den Jahren zuvor immer wieder sehr positiv durch ihre Beiträge in unserem Forum aufgefallen sind, sowie Clashi, der uns Hilfe bei der Einrichtung unseres Discord-Servers angeboten hatte. Zeitgleich mit der Bekanntmachung unserer neuen Team-Zugänge starteten wir einen Aufruf, mit dem wir zusätzliche Verstärkung in den Bereichen News, Kurator und Online-Entwicklung suchten. Dieser Aufruf mag nicht mehr ganz frisch sein, ist aber immer noch aktuell! Wenn Du also meinst, dass Du unser Team gut ergänzen würdest, dann wirf hier mal einen Blick rein und melde Dich bei uns!

Im September war es dann so weit: for UNCUT! wurde acht Jahre alt! Hätte man uns vor acht Jahren gesagt, dass wir es mal auf über 100.000 Follower aus der ganzen Welt und einer Community wie dieser schaffen würden, dann hätten wir wahrscheinlich lachend abgewunken. Schließlich lag unser Fokus zu Anfangszeiten nicht darin, uns ausgiebig mit dem Jugendschutz zu beschäftigen und unsere Follower über Neuigkeiten zu informieren, sondern in einer Protestbewegung. Nichtsdestotrotz freuen wir uns unheimlich über den Wandel, den wir in den letzten Jahren mit Euch erleben durften und freuen uns auf das, was die Zukunft bereithält!

Viele unserer aufmerksamen Follower werden unseren Steam-Guide kennen, in dem wir Deutsche Gesetze und deren Einfluss auf PC- und Konsolenspiele unter die Lupe nehmen und wichtige Begriffe genau erklären. Nach dem Start der Website war klar, dass dieser Guide früher oder später umziehen würde, um den Inhalten darin gerecht zu werden. Im November startete dann Version 2.0 des Guides auf unserer Website, und die Inhalte darin haben durch den Umzug noch einmal ordentlich an Wertigkeit zugenommen – zumindest unserer Meinung nach. Auffindbar ist unser Jugendmedienschutzguide bequem über den Info-Tab im Kopfbereich unserer Website.