In unserem Jahresrückblick für 2017 hatten wir es bereits angekündigt, nun ist es so weit. Wie im Jahr zuvor möchten wir auch Ende 2017 eine vorsichtige Prognose für potenziell problematische Titel wagen, die für das Folgejahr anstehen. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt, dass es sich hierbei um objektive Einschätzungen unsererseits handelt, die nicht in Absprache mit Entwicklern, Publishern oder den Prüfstellen USK bzw. BPjM getroffen wurden.

Es ist also grundsätzlich anzuraten, insbesondere bei den unten aufgeführten „Problemtiteln“ so lange von einer Vorbestellung abzusehen, solange es keine offiziellen Stellungnahmen gibt.

 

Gewaltdarstellungen

Der Trend vorzeitiger Listenstreichungen auf Antrag und damit Rehabilitierungen vorher in der Öffentlichkeit nicht zum Verkauf erlaubten – da vermeintlich jugendgefährdenden – Spielen, dürfte sich auch im Folgejahr fortsetzen. Ob nach sieben Streichungen im Jahr 2016 und acht in 2017 ein neuer Rekord aufgestellt werden kann, muss sich aber erst zeigen. Der überaus fleißige Listenstreicher THQ Nordic hat mittlerweile zumindest sein gesamtes Portfolio an “Altlasten”, so weit ersichtlich, befreien können. Die auf Steam und GOG weiterhin auch aufgrund einer (überholten) Indizierung nicht in Deutschland angebotenen Titel sind allerdings nach wie vor zahlreich (siehe hier für Steam und hier für GOG).

Spannend bleibt sicherlich die Frage, ob Dead Rising bzw. Rechteinhaber Capcom die Listenstreichung gelingt. Auch ist denkbar, dass z. B.  Valve ihre strafrechtlich relevanten und vermeintlich sozialschädlichen, internationalen Versionen von Left 4 Dead („nur“ auf Listenteil B) und Left 4 Dead 2 (richterlich beschlagnahmt) zu befreien versucht; Valve war zuletzt eifrig am Normalisieren des deutschen Angebots (Orange Box und andere ältere Titel) und haben vermutlich sogar die ungekürzte Fassung von Team Fortress 2 neu zur USK-Prüfung eingereicht, was mutmaßlich mit einer Jugendfreigabe ab 16 Jahren belohnt wurde (siehe hierzu die Steam Store-Seite des Shooters mit der Kennzeichung „ab 16 Jahren“ im Vergleich zur älteren Listung „ohne Jugendfreigabe“ in der USK-Datenbank).

Neue Indizierungen und (ganz) neue Beschlagnahmen bleiben unwahrscheinlich und dürften, wenn überhaupt, die absolute Ausnahme darstellen. Dies gilt daraus folgend auch auf für Schnitte, um eine USK-Kennzeichnung zu erlangen. Möglich ist natürlich weiterhin, dass internationale Publisher die deutschen Regularien von Beginn an beachten (oder überinterpretieren) und international anpassen. Dieses Phänomen ist nur in Einzelfällen handfest zu beobachten, aber sicherlich kein Mythos, da die USK selbst davon ausgeht, wie wir in unserem Artikel über „100% Uncut“-Versprechen gezeigt haben.

Bereits im letzten Jahr aufgeführt, aber doch nicht veröffentlicht wurden und weiterhin relevant sind Days Gone (für die PlayStation 4) und Overkill’s The Walking Dead aufgrund des Problemfelds Zombies in Shootern. Dies gilt auch für das vor Kurzem angekündigte Dying Light: Bad Blood, welches eine eigenständige Erweiterung mit Multiplayerfokus des indizierten Zombie-Shooters von Techland sein wird.

 

Verfassungswidrige Kennzeichen

Auch im kommenden Jahr werden den Nationalsozialismus thematisierende und aufarbeitende Spiele es nicht einfach haben. Bezogen auf deutsche Indie-Produktionen wie Through the Darkest of Times und The Curious Case ist ein Verzicht auf NS-Symbolik wahrscheinlich, wie die Entwickler-Interviews des Arbeitskreises Geschichtswissenschaft und Digitale Spiele aufzeigen.

In den Sozialen Medien wurden bereits Anpassungen des möglichen neuen Battlefield-Ablegers im Zweiten Weltkrieg vermutet. Ob der Multiplayer-Shooter wirklich zurück zu den Wurzeln im Zweiten Weltkrieg geht, wie zuvor Call of Duty, und dabei zudem auf Symbole verzichtet, ist allerdings reine Spekulation. Wahrscheinlich scheint es durchaus, da im Erstling Battlefield 1942 aus dem Jahre 2002 ebenfalls keine Symbole genutzt wurden und Call of Duty: WWII den effizienten Symbolverzicht im Multiplayer-Modus vor Kurzem vormachte.

Der Multiplayer-Shooter Bataillon 1944 soll Berichten zufolge Symbole nutzen. Das Steam Store-Angebot zeigt als USK-Kennzeichen eine Erwachsenenfreigabe (Publisher Squre Enix), was natürlich auf Anpassungen für eben jene Freigabe der Obersten Landesjugendbehörden hinweist, die sich in dieser Hinsicht immer noch quer stellen und das de facto Pauschalverbot aufgrund einer aus den Jahren gekommenen Rechtsprechung aufrechterhalten.

Hell Let Loose wird nach Aussagen der Entwickler ohne Symbole veröffentlicht werden, aber unproblematische Regionen nachträglich zwecks Authentizität versorgen. Im Multiplayer-Shooter ist es, wie in  Bataillon 1944, auch möglich auf Seiten der Nazi-Streitkräfte zu kämpfen. Der Titel schloss erfolgreich eine Kickstarter-Kampagne ab.

Ob nach der Causa Wolfenstein 2 ein Durchbruch im Jahr 2018 erfolgen wird und Spiele endlich fair wie Filme behandelt werden, bleibt fraglich. Die Thematik ist nun allerdings sehr viel bekannter, da sie selbst bei klassischen Medien für viel Aufruhr sorgte. Prinzipiell wäre eine Lösung kein Hexenwerk, wie wir auch schon diverse Male ausgeführt haben.

 

Japanische Spiele

Die Problematik der vermeintlich schwer jugendgefährdenden Posendarstellungen mutmaßlich minderjähriger Pixel könnte sich mit dem überstandenen Appellationsverfahren von Senran Kagura: Peach Beach Splash erledigt haben. Falls nicht, stehen auch für 2018 sicherlich einige Wackelkandidaten an: Omega Labyrinth Z wäre ein Beispiel.

Da es sich hierbei aber um besonders undurchsichtige Geschmackszensur handelt – anders als bei Gewaltdarstellungen ist auch keine regelrechte Spruchpraxis der USK/OLJB etabliert und die BPjM wird offenbar nicht durch die berechtigten Stellen zu einer Indizierungsentscheidung herangezogen (Valkyrie Drive: Bhikkhuni und Criminal Girls 2) scheinen Spekulationen wenig fruchtbar. Klar ist, dass diese Art von Spielen vor einigen Jahren noch mit USK-Jugendfreigaben wie ab 16 Jahren davon kamen und Freigabestellen in Australien und Neuseeland sich kurioserweise an vergleichbaren Titeln reiben, die in Deutschland nicht problematisch sind und vice versa.

 

Worauf freut sich die for UNCUT!-Community?

Abschließend haben wir in unserer Steamgruppe noch gefragt, auf welche Spiele sich im neuen Spielejahr gefreut wird.

(Verlinkungen führen auf die Steam Store-Seiten, falls vorhanden)

Zockerx96, welcher auch an unserem Kurator eifrig mitarbeite, freut sich auf den neuesten Ableger der Metro-Reihe:

Also bei mir ist es besonders Metro Exodus. Hab schon die beiden Vorgänger geliebt und inzwischen auch 6 Bücher aus dem Universum gelesen. Ich finde die Atmosphäre, Story, Setting und die Mechanik einfach unübertroffen.

Marok freut sich auch auf Metro: Exodus und zudem Rebellions anstehendes Coop-Adventure Strange Brigade.

BΛVMƘVƇHΞИȜƊ™ [GΞR] nennt auch Metro: Exodus und führt zusätzlich Cryteks Multiplayer-Jägerspiel Hunt: Showdown sowie den Survival-Multiplayer-Shooter SOS an.

Jellypuff meint: „Definitiv Monster Hunter World. Wird mal höchste Zeit für ein gescheites MH für den PC.“

boman89 nennt Kingdom Come: Deliverance, Biomutant, Agony, Far Cry 5 und Door Kickers 2.

Izmir Latte nennt ebenso Metro: Exodus und auch Monster Hunter: World.