Der eine oder andere wird schon mitbekommen haben, dass Bethesdas „Anti-Nazi-Shooter“ Wolfenstein II: The New Colossus auf vielen Seiten besprochen wurde und anders als viele Computerspiele auch nicht nur in der Fachpresse, sondern im Mainstream: N-TV, Stern, Zeit, BR und einige weitere. Insbesondere das vom YouTube-Kanal Censored Gaming veröffentlichte Video, welches eine Szene des „Führers“ Hitler mit der zum „Kanzler Heiler“ umgetauften Figur in der German Edition gegenüberstellt, fand weitreichend Beachtung und diente als Spot und Belustigung.

Neben der allgemeinen Symbolzensur auf einigermaßen rechtlicher Basis wurde vor allem Hitlers entfernte Gesichtsbehaarung thematisiert (wohl dankbarer Clickbait). Der fehlende Antisemitismus wurde oftmals nicht angesprochen. Zur Erklärung: der German Edition-Hitler verdächtigt den Bewerber auf eine Filmrolle im Vergleichsvideo nicht mehr ein Jude zu sein, sondern nennt ihn Verräter (vgl. 1:52 und 4:08). Die Umbenennung der Produktionsassistentin Hitlers von Helene zu Heilinde (vgl. 0:24 und 2:39), stellvertretend für die sehr weitreichenden Anpassungen in der German Edition, wird von keinem Artikel, der das Video zum Thema macht, angemerkt.

 

Der andere der beiden privaten Nachrichtensender, n-tv.de, veröffentlichte am 30. Oktober unter der Rubrik „Technik“ eine Meldung:

Das Titelbild zeigt den entgeistert guckenden, karlrasierten Anführer des „Regimes“, welches in der Original-Version natürlich Nazi-Deutschland ist, wie der Artikel auch anmerkt. Es wird gefragt: „Kann ein Bart verfassungsfeindlich sein?“. Wolfenstein sei völlig überzeichnet und von einer Verherrlichung des Nazi-Regimes sehr weit entfernt. Hitler sei als verrückt dargestellt und Faschismus werde bekämpft. Durch die Anpassungen wirke die deutsche Version lächerlich.

Im Zuge einer kurzen Abhandlung über die Geschichte des (vermeintlichen) Hakenkreuz-Verbots in Spielen, welche allerdings keineswegs ins Detail geht, und dabei auf den Einfluss von Verboten aufgrund von Gewaltdarstellungen und die abschreckende Wirkung für Entwickler hinweist, wird eine bemerkenswerte Behauptung aufgestellt: „Hakenkreuze sind nur in der Kunst und der ‚staatsbürgerlichen Aufklärung‘, also etwa Geschichtsdokumentationen erlaubt“. Träfe dies zu, könnte n-tv wohl auch nicht das komplette Video von Censored Gaming mit der Symbolik in den Artikel einbetten, denn im Kontext ist es wohl, ohne den Autoren zu nahe treten zu wollen, sicherlich weder „Kunst“ noch „staatsbürgerliche Aufklärung“ (letzteres sind vielleicht mit viel gutem Willen die häufigen Dokumentationen zur NS-Zeit auf n-tv und N24 über Hitlers Helfer oder seine „Reichsflugscheiben“). Tatsächlich fehlt hier wohl vor allem ein „unter anderem“.

Auf Filme wie Der Untergang oder „Inglorious Basterds“ wird hingewiesen, welche bekanntlich mit Symbolen davonkommen: „Aber ist ein Spiel wie ‚Wolfenstein: The New Colossus‘ keine Kunst, Kino aber schon?“. Auf Basis der Würdigung des künstlerischen Aspekts von Videospielen in den Leitkriterien der USK wird optimistisch gefragt, ob Entwickler vielleicht bald nicht mehr auf „verstümmelnde Maßnahmen“ zurückgreifen müssen.

 

Das Angebot der Funke Mediengruppe, DerWesten.de, veröffentlichte am 30. Oktober:

Als Symbolbild dient ein männlicher Hinterkopf vor einem Laptop auf dem offensichtlich Return to Castle Wolfenstein (2001) läuft. Die Bildunterschrift lautet: „Die Spiele der ‚Wolfenstein‘-Reihe sind so genannte Ego-Shooter.“ und könnte aus der Hoch-Zeit der Killerspiel-Debatte stammen. Die deutsche Version wird als „stark zensiert“ charakterisiert. Das komplette Vergleichsvideo von Censored Gaming wird ebenso eingebettet.

Neben der Bartzensur und die Umbenennung Hitlers wird hier sogar die Entfernung des Wortes „Jude“ erwähnt. Zur Erklärung der Hitler-Anpassung wird auf das bekannte GameStar-Rechtsanwalt-Interview verlinkt, wonach die Rechtsprechung schon Kopfbilder Hitlers als Kennzeichen im Sinne der Norm erfasst hat. Aufbauend auf dieses Interview wird als Erklärungsansatz die Selbstzensur gewählt, da ein Prozess zu riskant sein könne. Neben potentiell verlorenen finanziellen Mitteln könne die Außendarstellung der Unternehmen womöglich gefährdet werden.

 

Das Onlineangebot Nordkurier.de der regionalen Tageszeitung aus dem Raum Ostmecklenburg meldete am 3. November:

Die Rasur Hitlers und die Ansprache mit „mein Kanzler“ würden wie aus einem Satire-Magazin wirken. In Videospielen dürfe aber nicht immer alles gezeigt werden, aus juristischen Gründen. „Daran ändert auch die Kunstfreiheit nichts.“ [!?]. Der Grund der Bartzensur bleibe aber offen. Auch hier wird das Vergleichsvideo zitiert.

Neben dem Unmut der Fans und ihrer süffisanten Vorschlägen, Hitler doch einfach eine Papiertüte aufzusetzen, wird darauf hingewiesen, dass laut Angaben mancher User bei der „X-Box“ angeblich einfach auf die US-Version umgestellt werden könne. (Das stimmt wohl eher nicht, dafür müsste man schon eine US-Version importieren bzw. diese mit auf die USA eingestellten Account digital kaufen, was allerdings nach unserem Kenntnisstand tatsächlich einfach ist – zumindest einfacher als in Deutschland einen Import der PC-Version auf Steam zum Laufen zu kriegen.)

Der Artikel endet mit einem Zitat einer offiziellen Bethesda- bzw. ZeniMax-Erklärung/-Rechtfertigung.

 

Das Magazin Stern behauptet online am 1. November:

Der Artikel besteht im Wesentlichen aus einem eineinhalb Minuten langen Videobeitrag über die „zensiert[e] Version der Bundesprüfstelle“. Es werden im Zuge der Kommentierung Szenen aus dem bekannten Censored Gaming-Video verwendet. Allerdings wird nicht verlinkt oder als Quelle gewürdigt – wie es sich gehört –, sondern geklaut. Das Wasserzeichen ist in der unteren rechten Ecke noch klar erkennbar.

Die BPjM wird als „Zensurbehörde“ tituliert, welche bei Nazi-Symbolen und detailreichen Gewaltdarstellungen stets auf den Plan gerufen worden sei. Da die Autoren offenbar in den 1990er Jahren hängen geblieben sind, werden Roboter-Zensur und grüne Farbe als Blutersatz für häufige Anpassungen gehalten.

Bemerkenswert, dass die Zensur komplett der Bundesprüfstelle für jugendgefährdenden Medien (BPjM) in die Schuhe geschoben wird, obwohl es doch klassische Selbstzensur ist. Das alleine wäre schon reißerisch und boulevardesk genug, unterstellt es der BPjM ein verfassungswidriges Vorgehen, indem sie selbst zensieren. Die BPjM ist in diesen Fällen allerdings noch nicht mal relevant. Sie wird auch Wolfenstein II in der Original-Version nicht indizieren, die Vorgänger von Bethesda, Wolfenstein: The New Order und Wolfenstein: The Old Blood, stehen auch nicht auf dem Index, weil es auch gar keine Grundlage gibt. Die Symbolverwendung ist kein hinreichender Indizierungsgrund, § 86a StGB kein Indizierungskriterium. Selbst Wolfenstein 3D von 1992 wurde damals wegen der Gewalt indiziert, was die BPjM auch in ihrer Indizierungsentscheidung klar betonte.

Die krude Anpassung von Hitlers Bart zeige „wieder einmal, wie dringend reformbedürftig die bundesdeutschen Jugendschutzgesetze sind.“ Natürlich ist auch das Quatsch, denn die Anpassung der Nazi-Symbole erfolgt nicht wegen Jugendschutzgesetzen, sondern wegen des Strafrechts. Jugendschutz ist nicht einmal wesentlicher Schutzzweck der Norm (vgl. BGH-Entscheidung aus dem Jahr 2007, welches drei andere Schutzzwecke nennt). Eher zeigt sich wohl, wie dringend reformbedürftig die Haltung der USK/OLJB ist, die Kennzeichnung solcher Titel abzulehnen, bzw. wie reformbedürftig die Haltung der Entwickler und Publisher ist, sich stetig erneut derart zu zensieren, bzw. wie reformbedürftig der Journalismus beim Stern ist (vielleicht sollten sie sich auf vermeintliche Hitler-Tagebücher beschränken).

 

Christian Schiffer geht für das  Jugendmagazin Zündfunk des Bayerischen Rundfunks auf BR.de hart mit der German Edition ins Gericht. Am 7. November:

Neben einer Würdigung des Bartschnitts wird vor allem die thematische Tilgung aller Juden aus der German Edition thematisiert. Der Holocaust findet dort nicht statt, die Juden gibt es nicht, Jiddisch wird zum Hochdeutschen. „Ausgerechnet in der deutschen Version entsorgt Wolfenstein 2 die Verbrechen der Nationalsozialisten aufs Akkurateste und marginalisiert alles Jüdische.“ Die deutsche Version sei ein feuchter Traum für Geschichtsrevisionisten, diese Anpassungen seien ein Skandal.

Ex-GameStar-Redakteur und Podcaster Jochen Gebauer wird zitiert. Wolfenstein II sei klar eine Repräsentation des Nazi-Regimes, auch in der German Edition. Das Herausschneiden des industriellen Massenmordes an den europäischen Juden mache es für ihn legitim, von einer Verharmlosung zu sprechen.

Laut Politikwissenschaftler Jan Rathje, welcher bei der Antonio-Amadeu-Stiftung tätig ist, sei die Entfernung der Hakenkreuze vielleicht noch nachvollziehbar und wirke lächerlich. Die Entfernung des Judenmordes sei allerdings gefährlich.

Als rechtliche Erklärung wird verwirrender weise ein Urteil von 1994 aufgeführt, wobei wohl das OLG Frankfurt-Urteil von 1998 gemeint ist. 1994 erfolgten nur Beschlagnahme-Beschlüsse von Wolfenstein 3D durch Amtsgerichte. Die Rechtsprechung des Oberlandesgerichts entschied auch nicht wirklich, dass Spiele oder Wolfenstein 3D explizit keine Kunst seien, es würdigte die Sozialadäquanz-Klausel in § 86 StGB gar nicht erst. Für den Richter war aus damaliger Sicht selbstverständlich, dass Computerspiele als Medium minderwertig sind. Der Schutzzweck gebiete es schlicht nicht, dass Kennzeichen in Videospielen genutzt werden, da Kinder sonst zu sehr an diese gewöhnt werden könnten.

Siehe auch den ähnlichen Artikel desselben Autors für Deutschlandfunk.

 

In der Zeit Online betitelt Matthias Kreienbrink seine Rezension wie folgt, 30. Oktober:

Die Armbinden in der German Edition würden befremden, denn „[i]m Spiel der Zeichen und Symbole fehlt in Deutschland ein Symbol: das Hakenkreuz.“ Die Auseinandersetzung  des „Antikriegsspiel“ mit dem Nationalsozialismus sei intelligent. Die menschenverachtende Ideologie würde durch das Stilmittel der Hyperbel der Dekonstruktion preisgegeben. Der Verlust des Hakenkreuzes sei absurd.

Spiele seien wohl keine Kunst, wie der Autor eher rhetorisch fragt. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, wird zitiert. Im Endeffekt traue man Videospiele(r)n nicht, die Branche selbst traue sich allerdings auch nicht, dies in einem Musterprozess entscheiden zu lassen.

Felix Falk, Geschäftsführer des Publisherverbandes BIU und ehemals langjähriger Geschäftsführer der USK, stellt fest, dass das Verbot willkürlich sei und gegen die Grundrechte der Kunst- und Meinungsfreiheit verstoße. Laut Falk müssten „Behörden die veraltete Rechtsposition anpassen“, um die Ungleichbehandlung zu beenden.

Der Autor fragt im Fazit, von wem der Impuls kommen könnte: „Der Politik? Der Branche? Den Spielern? Den Medien?“. Dann setzt er auf den bewährten Film-Vergleich: „Wieso geht es im Tarantino-Film Inglourious Basterds um den Nationalsozialismus, aber in Wolfenstein 2: The New Colossus um das Regime? Die Antwort liegt wohl irgendwo zwischen dem Popcorn im Kino und dem Controller in der Hand der Spieler.“.

Der fehlende Antisemitismus und die weitreichenderen Folgen solcher Anpassungen werden im Artikel nicht thematisiert. Dafür fehlt allerdings auch der scheinbar obligatorische Hinweis auf die Bartzensur. Man könnte fast meinen, der Autor hätte die Originalversion gespielt.

Ergänzung: Auf Spieletipps wurde am 10. November ein weiterer Artikel von Krienbrink veröffentlicht, der deutlich nachlegt: „Wolfenstein 2: NS-Zeit wird verschwiegen – das schadet dem Spiel und der Gesellschaft“. Laut USK-Mitarbeiter Marek Brunner wüssten viele Entwickler gar nicht, was sie in Deutschland zeigen dürfen. Die Gesetze seien zu unscharf. Indie-Entwickler Jörg Friedrich (Through the Darkest of Times) wird auch befragt; er werde wohl auch auf NS-Symbole verzichten, da die Unsicherheit zu groß sei bezogen auf Plattformbetreiber wie Steam und finanzielle Mittel im Klagefall. Weiterhin werden zwei jüdische Entwickler befragt: Veve Jaffa und Shalev Moran stehen den Änderungen kritisch gegenüber. Publisher Bethesda rechtfertigt sich damit, dass die German Edition eine komplett fiktive Geschichte darstelle.

Ergänzung: In der gedruckten Zeit am 22. November erschienen, von Martin Eimermacher: „’Wolfenstein 2′: Hier hat Hitler den Krieg gewonnen“. In der German Edition erfolge eine Quasi-Holocaustleugnung“. Die Darstellung der Nazis in Wolfenstein 2 sei erfrischend aufklärerisch“ im Vergleich zu einem ZDF-Beitrag vor Kurzem. Laut dem Autor müsse man auch auch die Hitler-Revue auf N24 indizieren“, falls die Anpassungen bei Wolfenstein 2 als Maßstab dienen sollten.

 

Weitere Artikel:

Spiegel Online merkt in seinem „Test“ auch die Anpassungen an. Kurioserweise wird dies mit einem scheinbar unklaren Status von Spielen als Kulturgut in Zusammenhang gebracht, obwohl SPON selbst bereits im Jahr 2008 verkündete: „Jetzt offiziell. Computerspiele sind Kultur“. Ergänzung: Am 10. November legte SPON in einem sehr ausführlichen Artikel nach: „Warum Spielehersteller auf Nazi-Symbole verzichten“. In diesem wird Rechtsanwalt Sebastian Schwiddessen zitiert: „Videospiele gelten bereits als Kunst“.

Focus Online findet in einem „Kurztest“ wiederum, dass die Anpassungen die sonst ausgezeichnete Atmosphäre etwas trübe. Es werden dennoch „5 von 5 Eisernere Kreuze“ vergeben.

Laut dem „Test“ von Chip könne das massive Beschneiden potentiell einen Atmosphäre-Verlust darstellen, die spielerischen Qualitäten mindere es aber nicht. Es sei falsch, Bethesda einen Strick daraus zu drehen, da der Gesetzgeber entsprechende Regelungen vorgebe.

Das Technologie-Magazin Wired lässt eine Bewertung eher offen: „Man kann nun darüber streiten, ob das Verbot der Symbolik zeitgemäß ist“. Ob das generelle Verbot oder das vermeintliche Verbot in Videospielen gemeint ist, ist etwas unklar. Interessant sicherlich der Gedanke, dass die Änderungen eine neue Interpretation zulassen: es ist egal, welche Symbole das Regime trägt, die Ideologie sei nicht weniger menschenverachtend.

Die TAZ hat sich etwas vor Veröffentlichung auf die Anti-Nazi-Botschaft des Spieles versteift und übersieht komplett die deutschen Anpassungen, durch die es offiziell weder Nazis noch Juden gibt. Ergänzung: Siehe auch diesen Artikel, der kritisch an die Änderungen herangeht, erschienen am 14. November in der Printausgabe.

In einem Kommentar mahnt die Chefredakteurin der GamesWirtschaft, Petra Fröhlich, an: „Deutschland stumpft sich ab“. Einzelfallprüfungen seien nötig, keineswegs sollte ein Blankocheck wie bei Inglourious Basterds ausgestellt werden. Der Hersteller habe sich allerdings bei Wolfenstein II zu „bizarr anmutenden, dramaturgischen Eingriffen“ entschieden. Ergänzung: Siehe auch von GamesWirtschaft das Interview mit Felix Falk vom 10. November:  „Debatte um Wolfenstein 2: „Verstoß gegen Grundrechte““. Die pauschale Ablehnung von Spielen mit Kennzeichen der USK gehe von den Obersten Landesjugendbehörden aus. Als Verband und Träger der USK habe die BIU keine Möglichkeit dies zu ändern.

Gameslaw weist darauf hin, dass auch Spiele die Kunstfreiheit genießen. Dass Spiele keine Kunst, Filme aber schon seien, sei eines der hartnäckigsten Gerüchte, die dem Autor bekannt sind. Die simple Anpassung von Hitler zu Heiler, mitsamt Rasur, reiche vielleicht nicht aus, da Hitler immer noch klar erkennbar sei und die Darstellung ein Kennzeichen nach § 86a sein könne.

Sichtlich amüsiert mit einem Gif aus Inglouriours Basterds unterlegt verarbeitet das deutsche IGN die „überflüssig wirkend[e] Zensur“. Eines der Ausnahmen in der sonst scheuen deutschen Gamingpresse. Diese ist ironischer weise eher kritisch gegenüber Videospielen, fragten wie die GameStar vorgreifend nach, ob das Spiel nicht doch die NS-Zeit trivialisiere.

Ergänzung: Siehe auch den eher kritischen Podcast der GameStar mit Christian Schiffer als Gegenposition, „Wolfenstein und die Zensur – Darf man den Holocaust ausklammern?“ (18. November), und das Interview mit Rechtsanwalt Kai Bodensiek: „Das sagt der Anwalt: »Das Hakenkreuz-Verbot ist ein Irrglaube«“ (22. November).

 

 

Und international?

Ein Zweck des NS-Symbol-Verbots ist, dass im Ausland nicht den Anschein einer Wiederbelebung des Nationalsozialismus in Deutschland erweckt wird. Gerade die Anpassungen bei Wolfenstein II erzeugen allerdings immer wieder kritische Blicke bei den ausländischen Zaungästen. Manch ein Nutzer ist verwundert und wirft Deutschland mangelnde Geschichtsaufarbeitung oder staatliche Zensur vor.

Die britische Yellow Press The Sun identifiziert scheinbare Zensurgesetze: „THE REICH DECISION? Wolfenstein II: The New Collosus [sic!] bypasses German censorship laws by removing Hitler’s moustache“. Wie auch beim Stern wird sich frech aus dem Censored-Gaming-Video bedient; ein Teil des Wasserzeichens ist noch sichtbar.

Das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek verkennt auch die Tatsache, dass Deutschland diverse Ausnahmeregelungen zum generellen Verbot hat.

Polygon ist nicht schlauer, bezeichnet die Symbole als „flat illegal“ und verlinkt auf einen allgemeineren Vox-Artikel, der es auch nicht besser weiß. Kotaku kennt auch die deutschen Ausnahmeregelungen nicht, genau wie die italienische Ausgabe von Eurogamer oder die ungarische GameStar. Auch französische, polnische, schweizer, spanische und tschechische Seiten sind verblüfft.

Ergänzung: Der Standard fragt am 13. November: „Hakenkreuze und Judenvernichtung: Zu real für Videospiele?“. Der Artikel geht hart mit der German Edition, die bekanntlich auch in Österreich verkauft wird, ins Gericht. Die Industrie wende „eine dümmliche Auslegung der deutschen Gesetzeslage“ an.

Ergänzung: Die Schweizer Blick stellt am 13. November fest: „Erstaunlicherweise kann das neue Abenteuer rund um B.J. Blazkowicz auch bei der Story punkten – allerdings nur in der englischsprachigen Version“ und empfiehlt „zur in der Schweiz legalen englischen Version des Spiels zu greifen“.

Fazit

Die German Edition ist ein Armutszeugnis. Vielleicht wird‘s besser bei Wolfenstein 3. Zeit wäre es.

 

Ergänzungen:

23. November 15:30 Weiterer Artikel von Zeit. Podcast und Interview von GameStar.

14. November, 15:00: Artikel von Blick.

14. November, 14:55 Uhr: Weiterer Artikel von TAZ.

13. November, 14:30 Uhr: Artikel von Der Standard.

10. November, 20:25 Uhr: Weiterer Artikel von GamesWirtschaft.

10. November, 18:00 Uhr: Weiterer Artikel von Spiegel Online.

10. November, 15:50 Uhr: Artikel von Spieletipps.

9. November, 20:55 Uhr: Artikel von Chip.