Ergänzend zu unserer bisherigen Berichterstattung des neuesten Call of Duty-Blockbusters möchten wir zur heutigen Veröffentlichung (auf Steam) hier nun kurz auch nochmal explizit auf den Geolock hinweisen. In den relevanten Steam-Packages für Resteuropa wird Deutschland nicht auf der Whitelist aufgeführt. Hierbei wird sogar der onlyallowrunincountries-Tag verwendet, welcher, wie der Name impliziert, den Start (und Download) ohne entsprechende IP-Adresse verhindert. Diese Maßnahme scheint allerdings nicht nur aus (rein) rechtlichen Gründen erfolgt zu sein, anders als die Blacklists bei den neueren – vermutlich zulässigen – Wolfenstein-Teilen oder manchen – leider noch – nach JMStV unzulässigen, da indizierten Square Enix-Titeln. Entsprechende Whitelists liegen bei Call of Duty: WWII für quasi alle Regionen vor (vgl. „CD-Key“-Subs auf SteamDB) und dienen wohl sicherlich der regionalen Preisdifferenzierung – wie auch in anderen Fällen bei anderen Spielen. Ein legaler EU-Eigenimport wird so zunächst unspielbar.

Kurioserweise scheint die Aktivierung der problematischen Key-Packages mit deutscher IP-Adresse möglich zu sein, wie diverse Forenposts in unserer Steam-Gruppe zeigen. Es ist anzunehmen, dass 90 Tage nach individueller Aktivierung der Download und Spielstart wie immer regulär verfügbar wird. Das Steam Gift eines anderen Nutzers aus der restlichen EU bzw. dem Euro-Raum ist mit deutscher IP-Adresse offenbar zu erhalten und wohl nicht von der Sperre betroffen.

Steam Sub 207244. „Germany“ nicht aufgeführt.

 

Achtung: Wie bei Call of Duty üblich ist die internationale Version vielleicht bei deutsch eingestellter Spielsprache zensiert. Dies scheint die Retail-Version für Österreich zu betreffen. Beim Kauf in der österreichischen Steam Store-Region erhalten Kunden allerdings auch die internationale Version  [Update, 6. November: Vermutlich hat die Spielsprache keinen Einfluss auf die Anpassungen. Die internationale Version nutzt verwirrender weise die Ersatzsymbole allerdings an Stellen, an denen man Hakenkreuze erwarten würde, beispielsweise auf den bekannten Armbinden.]. Die angepasste USK-Version ist mehrsprachig [Korrektur: Offenbar nur Deutsch, Englisch, Japanisch und Russisch; somit fehlen acht Sprachfassungen]– dies ist eher die Ausnahme bezogen auf geschnittene Call of Duty-Teile im Speziellen und deutsche Versionen im Allgemeinen.

In der deutschen Version fehlen verfassungswidrige Symbole im Singleplayer, da Videospiele bekanntlich vorkriminalisiert und medial diskriminiert werden. Im Zuge der (Selbst-)Zensur nötig für eine USK-Freigabe wurden Hakenkreuze durch Schwarze Kreuze ausgetauscht. Somit dient eine fast deckungsgleiche Version des Hoheitszeichen der Bundeswehr als Hakenkreuz-Ersatz (siehe Abbildung unten) – in einem historischen Setting. Auch wenn die Wehrmacht keine normale Armee war, gehört sie nicht zu den verbotenen Organisationen, weshalb ihr Balkenkreuz auch nicht nach § 86a StGB erfasst ist. Bei Activisions Ego-Shooter wurden allerdings offenbar nicht die Balkenkreuze der Wehrmacht als Ersatz verwendet, sondern eine Version aus dem Kaiserreich bzw. der Weimarer Republik (vergleiche mit diesem Artikel auf Wikipedia zum Hoheitszeichen Schwarzes Kreuz). Dies mag alles vor allem befremden, da Call of Duty: WWII teilweise schon visuell schwerlich von (Anti-)Kriegsfilmen zu unterscheiden ist, welche natürlich mit dem Symbol der NSDAP davonkommen. Die Sprachfassung scheint allerdings nach ersten Erkenntnissen nicht zensiert zu sein, anders als z. B. bei Wolfenstein II: The New Colossus, in dem Hitlers Antisemitismus entfernt wurde (siehe Video im verlinkten Artikel), und es fallen auch Begriffe wie Nazi. Somit handelt es sich vermutlich um eine reine Symbolzensur in der deutschen Fassung.

Technisch wird die Anpassung offenbar über die App „Call of Duty: WWII – GA Content“ geregelt („App Type: Config“).

Der Gewaltgrad scheint in der deutschen Version unangetastet zu sein und liegt bei einer Erwachsenenfreigabe durch die USK in etwa auf dem Niveau eines (Anti-)Kriegsfilmes wie z. B. Saving Private Ryan von Steven Spielberg oder Hacksaw Ridge von Mel Gibson mit jeweils einer FSK-Jugendfreigabe ab 16 Jahren.

Update, 18:00 Uhr, 3. November: GameStar hat einen kleinen Gewaltschnitt ausgemacht. Dieser sei laut Activision allerdings ein Fehler, der behoben werde (zum Artikel). Außerdem bestätigt der Artikel die globale Anpassung einer zuvor von uns angesprochenen Szene aufgrund des Ratings der australischen Classification Boards (ACB).

Ergänzung: Die japanische Steam Store-Version könnte zensiert sein. Sub ID 204804 weist ein LowViolenceInRestrictedCountries-Tag für JP auf. Ergänzung #2:  Dies könnte auch für Versionen aus Russland und den GUS-Staaten zutreffen.