Update, 28.11: GameStar berichtet auf Basis einer Mitteilung von Capcom, dass die Umtragung der BPjM wohl ein Versehen war. Dazu wurde ein Anwaltsschreiben weitergeleitet: Zwar wurde der Beschlagnahmebeschluss des Amtsgericht Hamburg aus dem Jahr 2007 aufgehoben, doch besteht nach wie vor ein neuer Beschluss durch das Amtsgericht Duisburg aus dem Juni 2017. Erst wenn auch dieser aufgehoben wurde, könne eine Listenumtragung auf Teil A bzw. auch die Listenstreichung an sich erfolgen. Dies strebt Capcom auch an. Ergänzung: Siehe auch den Hinweis der Bundesprüfstelle vom 29.11.

Nach unserer Ansicht dürfte es sich hierbei allerdings nur um eine Formalität handeln, die dennoch durchaus mit gewissem Aufwand verbunden sein kann.

 

Mit der USK-Veröffentlichung der internationalen Version des Zombie-Survival-Games Dead Rising 4 Anfang des Jahres rumpelte es ordentlich in der deutschen Spieleszene, da es die Dead Rising-Reihe bisher gar nicht in die Ladenregale schaffte. Allen Teilen wurde durch die Bundesprüfstelle eine strafrechtliche Relevanz attestiert, indem sie auf Listenteil B indiziert wurden. Versionen von Dead Rising und Dead Rising 2 wurden sogar durch Amtsgerichte beschlagnahmt, der Straftatbestand der Gewaltdarstellung nach 131 StGB in diesen Fällen somit richterlich bestätigt (siehe Beschlüsse im VDVC-Wiki).

Nun folgt eine Sensation. Es geht dabei um den ersten Teil der Reihe, Dead Rising. Denn die im Jahr 2007 ausgesprochene Beschlagnahme durch das Amtsgericht Hamburg wurde durch einen Beschluss eben dieses Gerichts auch wieder aufgehoben und der Titel in zwei Versionen somit von Amts wegen auf Listenteil A der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien umgetragen (§ 24 Abs. 4 Satz 2). Dies geht aus dem Bundesanzeiger hervor. Konkret heißt es darin:

 

Quelle: Bundesanzeiger. Bekanntmachung Nr. 11/2017 über jugendgefährdende Trägermedien.

 

Auch wenn es Dead Rising damit bereits sehr weit geschafft hat – die erste Aufhebung einer gerichtlichen Beschlagnahme im Spielebereich überhaupt –, so ist die Sache noch nicht komplett ausgestanden. Zum einen wurde das auch auf Steam – nicht in Deutschland – veröffentlichte Remaster in der Xbox One-Fassung offenbar trotz der Indizierung aufgrund von im Wesentlichen inhaltsgleich zur Xbox 360-Version nach § 21 Absatz 5 Nummer 1 JuSchG nicht auf Listenteil A übertragen (siehe Abbildung unten und vergleiche mit den aktuellen Umtragungen zweier Xbox 360-Versionen; vermutlich wird hier nächsten Monat nachgebessert), zum anderen verbleibt auch Dead Rising  (in den anderen Fassungen) noch auf Listenteil A und somit gilt das Spiel an sich noch immer als jugendgefährdend.

 

Quelle: Bundesanzeiger. Bekanntmachung Nr. 5/2017 über jugendgefährdende Trägermedien.

 

Mit einer Listenteil A-Indizierung gehen immer noch deutliche Einschränkungen einher, doch lassen diese sich mit einem Antrag auf vorzeitige Listenstreichung weitaus unkomplizierter aus der Welt schaffen als eine gerichtliche Beschlagnahme, welche in diesem Fall das absolute Verbreitungsverbot, auch für Erwachsene, statuierte und einer Listenstreichung oder nur Umtragung  im Weg stand. Da erst nach einer kompletten Listenstreichung das ganze Unterfangen wirtschaftlich überhaupt Sinn ergibt, können deutsche Fans der Reihe in nicht allzu weiter Ferne auf eine dadurch ermöglichte USK-Freigabe hoffen und die offizielle Veröffentlichung der internationalen Fassung von Dead Rising in Deutschland erwarten.

Im Filmbereich wurde z. B. der Horror- und Zensur-Klassiker The Evil Dead  (Tanz der Teufel) von Sam Raimi, bekannt für eine Reihe von Spiderman-Verfilmungen, nach Jahrzehnten des Verbreitungsverbotes rehabilitiert und sogar bereits für Jugendliche ab 16 Jahren durch die FSK gekennzeichnet – eine Jugendfreigabe für die ungekürzte Version wie sie im liberalen Frankreich seit jeher galt. Andere Beispiele sind Phantasm (Das Böse), Texas Chainsaw Massacre (Blutgericht in Texas) oder der vierte Teil der bekannten Friday the 13th-Reihe.

Im kommerziellen Videospielbereich weiterhin durch Beschlagnahmen nach § 131 StGB belastet ist das von den Steam-Betreibern Valve entwickelte Multiplayer-Zombie-FPS Left 4 Dead 2 (internationale Version; erste Teil nie richterlich beschlagnahmt), das von den GTA-Machern Rockstar stammende Survival-Game Manhunt und der Nachfolger Manhunt 2, die Spieleumsetzung des bekannten Gangster-Films Scarface: The World Is Yours, das FPS-Survival-Horror-Spiel der F.E.A.R.-Macher Monolith Condemned (beschlagnahmt trotz vorgehender Listenteil A-Indizierung) und Condemned 2, ein Teil der bekannten japanischen Kultreihe Silent Hill: Homecoming (internationale Version), der Anti-Nazi-Shooter Wolfenstein aus dem Jahr 2009 (internationale Version; manche Beschlüsse in Kombination mit NS-Kennzeichenverwendung nach § 86a StGB), der Militärshooter Soldier of Fortune: Payback (internationale Version), sowie die ersten drei Teile der Fighting Game-Reihe Mortal Kombat und das der neuere Ableger von 2011, obwohl Mortal Kombat X aus dem Jahr 2015 unbeschadet den Segen der USK nach vorheriger Nicht-Indizierung der BPjM erhielt.