Update, 18:10 Uhr, 3.11.: Die Szene wurde in allen Versionen nun so angepasst, dass der Spieler offenbar keine Wahl mehr hat, ob er/sie der Frau helfen will, oder nicht (Ergänzung: nachdem er/sie die Tür geöffnet hat). Siehe folgendes YouTube-Video (kleiner Spoiler) eines Nutzers und die Bestätigung bei der GameStar. Auch trägt die Frau wie angekündigt keinen Rock mehr, sondern eine Hose.

 

Kotaku Australia berichtete bereits am 19. Oktober, dass in der Datenbank des australischen Classification Boards (ACB) ein zweiter Eintrag von Call of Duty: WWII aufgetaucht ist. Dieser zeigt dieselbe Altersfreigabe, das R 18+-Rating, hat aber einen andere Deskriptor. Es fehlt „threat of sexual violence“. Weiterhin vorhanden sind „high impact violence“ und „online interactivity“. Das neuere Rating wurde mit dem 17. Oktober datiert, das ältere ist vom 31. August.

Auf Nachfrage gab das ACB bekannt, dass eine Szene eine Anspielung auf sexuelle Gewalt beinhalte, die allerdings durch Kontext legitimiert sei. Während der Spieler in Form der weiblichen Spionin namens Rosseau ein Nazi-Gebäude infiltriert, beobachtet er oder sie, wie eine Frau durch einen Nazi-Soldaten in einen Raum gezerrt wird, „ihr seid alles Schweine“ schreiend. Beim Betreten des Raumes fordert der Soldat den Spielercharakter zum Verschwinden auf. Hier stellt sich nun die Option, der Aufforderung nachzukommen, oder den Soldaten zu töten. Sollte der Spieler den Raum verlassen, so ist offenbar zu hören, wie der Soldat seinen Hosenstall öffnet und zu sehen, wie er auf die Frau zugeht. Diese schreit „bleib weg von mir“ und die Spielfigur verlässt den Ort des Geschehens. Der implizierte Übergriff bzw. die Vergewaltigung an sich ist nicht dargestellt.

In der neugeprüften Version wurde diese Szene wie folgt modifiziert: Die angegriffene Frau trägt nun eine Hose statt einen Rock und der angesprochene Audio-Track des sich öffnenden Hosenstalls wurde entfernt. Durch diese simplen Änderungen sei der problematisierte Deskriptor nicht mehr nötig.

Am 25. Oktober hat Kotaku nun auch als Update ergänzt, dass laut Activision auf Nachfrage in Australien dieselbe Version von Call of Duty: WWII wie im Rest der Welt erscheine. Der Release ist für den 3. November angesetzt. Dies bedeutet sicherlich, dass alle Versionen global der neugeprüften Fassung entsprechen. Das verkaufte Steam-Package in der australischen Store-Region spricht ebenfalls dafür. Die globale Anpassung ist vergleichbar mit dem Fall Outlast 2. [Update: Da geringe Restzweifel bestehen, wurde ein wahrscheinlich in die Überschrift ergänzt. Dieses wird bei Bestätigung entfernt. Als Hinweis sei allerdings noch erlaubt, dass Activision sich sonst wohl kaum die Mühe mit den zwei Ratings gemacht hätte, wenn diese Version nicht genutzt werden würde. Eine Nachbesserung per Patch im Rest der Welt wäre auch denkbar.]

Dieser Fall zeigt, dass Ratings an sich nicht nur (Selbst)-Zensur fördern können, sondern bereits derartige Inhaltsangaben. Durchaus nachvollziehbar scheint, dass Activision auf die vermutlich verkaufsmindernde Content-Angabe verzichten kann. Diese spiegelt ohnehin nicht adäquat das Gesamtspiel wider, da es sich um eine einzelne Szene unter vielen handelt. Vor diesem Hintergrund ist es dann auch dankenswert, dass die USK gar nicht erst derartige Deskriptoren nutzt, anders als die z.B. die resteuropäische PEGI. Für Erziehungsberechtigte stellen diese allerdings teilweise durchaus einen Mehrwert dar.

In Deutschland erscheint Call of Duty: WWII um verfassungswidrige Kennzeichen im Singleplayer befreit. Dies liegt natürlich vor allem auch an der andauernden Vor-Kriminalisierung und Stigmatisierung derartiger Spiele durch die USK; Filmwerke kommen offenbar generell damit  durch, da die FSK sie für unverdächtig hält. Die deutsche Version soll allerdings laut Schnittberichte, anders als frühere, angepasste USK-Versionen der überaus populären Shooter-Reihe, auch die englische Sprachfassung beinhalten. Vor diesem Hintergrund sind vielleicht nur entsprechende Kennzeichen angepasst bzw. ausgetauscht worden. Möglich wäre allerdings nach wie vor, dass Kriegsdarstellungen und Nazi-Verbrechen angepasst wurden; Entwickler Sledgehammer gab zuvor bekannt, dass sie vor etwaigen Gräueltaten nicht zurückschrecken würden.

Ob ein Geolock der internationalen Version vorliegt, ist noch unklar, was auch daran liegt, dass Activisions Veröffentlichungen auf Steam relativ kompliziert aufgebaut sind. Es hängt vor allem davon ab, ob Keys entsprechend die „CD-Key“-Subs oder „Store/CD-Key“-Subs nutzen. Laut Gamesplanet seien die verkauften EU-Keys nicht aktivierbar. Black Ops und Modern Warfare 2 weisen solche Geolocks auf. Sobald Klarheit herrscht, werden wir dies auch in unserem Kurator bekannt machen. [Update, 2. November: Offenbar steht Deutschland nicht auf der Whitelist der EU-Keys der ungeschnittenen Version. Eine Aktivierung mit deutscher IP-Adresse ist offenbar dennoch möglich, der Preload/Download allerdings nicht. Dies könnte sich 90 Tage nach Aktivierungszeitpunkt ändern.]