Update #1, 10.09.2017, 14:55 Uhr: Nachdem die Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden anlässlich der gamescom unpässlich waren, haben wir zwischenzeitlich eine Antwort auf unsere Anfrage erhalten.

So hängen die unterschiedlichen Freigaben damit zusammen, dass H1Z1: KotK und PUBG sich zwar in vielerlei Hinsicht ähnlich, aber eben nicht identisch sind. „Letztendlich gab die höhere Spieldynamik und der realistischer gestaltete Ansatz der Schusswaffen (insbesondere die Scharfschützengewehre) bei „Playerunknown’s Battlegrounds“ den Ausschlag dafür, das Spiel nicht für Minderjährige freizugeben“, wie Uwe Engelhard, einer der beiden Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden, in seiner E-Mail erklärt. Falsche Angaben bei der Antragstellung durch die Publisher oder aber direkte Eingriffe in die Spiele durch die Hand der Entwickler habe es demnach bei beiden Spielen nicht gegeben, obwohl für H1Z1: KotK seinerzeit eigentlich keine Jugendfreigabe beantragt wurde.

Bezüglich der unterschiedlichen Genres scheint sich aber tatsächlich ein Missgeschickt eingeschlichen zu haben. Der Datenbankeintrag zu H1Z1: KotK wurde nach unserer Anfrage hin geprüft und korrigiert – der Titel wird somit nicht mehr als Online-Rollenspiel geführt.

Es scheint, als würde sich die Online-Multiplayerwelt alle paar Jahre neu erfinden. Nachdem sich zunächst traditionelle Rollenspiele in Form von MMO’s neu erfanden und Vollgas gaben, sprossen im Laufe der letzten Dekade immer weitere Ableger verschiedenster Spielmodi aus dem Boden, um frischen Wind in die Spielelandschaft zu wehen. Nun gibt es abermals einen neuen und äußerst beliebten Sprössling in der Multiplayerwelt: Battle Royale.

Ganz vorne mit dabei ist PLAYERUNKNOWN’s BATTLEGROUNDS – kurz PUBG – aus dem Hause Bluehole Inc. Weniger als 5 Monate nach dem Start in die Early Access-Phase auf Steam hat es PUBG bereits geschafft, sämtliche Battle Royale-Konkurrenten wie The Culling oder H1Z1: King of the Kill weit hinter sich zu lassen. Rund 7 Millionen verkaufte Kopien (Stand heute) und eine Anzahl gleichzeitiger Spieler, die nun selbst Valves Urgestein Counter-Strike: Global Offensive geknackt hat, zeigen sehr deutlich, dass Battle Royale aktuell voll im Trend ist.

Nachdem H1Z1: King of the Kill es im September letzten Jahres mit einer 16er-Freigabe auf dem deutschen Markt schaffte, wäre für PUBG eigentlich ebenfalls eine 16er-Freigabe fällig gewesen. Denn nicht nur stammen beide Titel aus der federführenden Hand ein und desselben Leadentwicklers – nämlich Brendan Greene aka „PLAYERUNKNOWN“, der 2013 mit dem Release der DayZ Battle Royale-Mod das Genre quasi begründete – sie unterscheiden sich sowohl inhaltlich als auch spielerisch so gut wie gar nicht voneinander.

 

Dennoch erhielt PUBG keine Jugendfreigabe. Besonders absurd erscheinen dabei die angegebenen Genres, unter denen die beiden Titel in der USK-Datenbank geführt werden. H1Z1: King of the Kill wird als „Rollenspiel / online“ geführt, PUBG hingegen als „Shooter / online / LAN“. Doch wie kann es zu unterschiedlichen Freigaben und Angaben kommen, wenn sich beide Spiele fast so sehr gleichen wie ein Ei dem anderen?

 

Ein kurzer Überblick

In beiden Titeln springen Spieler über einer offenen, mehrere Quadratkilometer großen Karte aus einem Flugzeug ab, dessen Flugbahn zufallsgeneriert ist. In beiden Spielen landen die Spieler mit einem Fallschirm quer über die Karte verteilt und haben im Anschluss die Aufgabe, sich mit Heilmitteln, Rucksäcken, Rüstungen, Waffen und Munition auszustatten, um im Kampf gegen alle anderen feindlichen Spieler bestehen zu können. Je besser die gefundene und ebenfalls zufallsgenerierte Ausrüstung ist, umso besser stehen die Chancen, zu gewinnen – typisch Battle Royale eben. Die Aufmachung ist dabei deutlich erkennbar von H1Z1: KotK inspiriert. Nicht nur sind einige Modelle nahezu 1-zu-1 übernommen worden (bspw. das Modell des Tier 1-Helms), auch das Interface hat unverkennbare Bezüge auf H1Z1: KotK.

Die Unterschiede beziehen sich im Grunde genommen auf zwei Punkte. Der erste Punkt sind unterschiedliche Kleidungsstile. Während es in H1Z1: KotK mit Gaukler- oder Monstermasken etwas bunter und weniger ernst vonstattengeht, bewahrt sich PUBG einen „seriöseren Auftritt“.

Der zweite und wohl größte Unterschied liegt in den Bombenzonen, die es in PUBG, nicht aber in H1Z1: KotK, gibt. Diese Bombenzonen zeigen sich dem Spieler auf dem Radar als rot eingefärbte Areale, in denen einige Momente nach ihrer Einfärbung zufallsgeneriert Bomben abgeworfen werden. Wer sich nicht rechtzeitig in ein schützendes Haus begibt oder aus der Zone entkommt, muss damit rechnen, von einer der Bomben getroffen zu werden und die Runde zu verlieren.

 

Es bleiben offene Fragen

Doch rechtfertigen diese beiden Unterschiede eine höher angesetzte Freigabe durch die USK, und wie kam es dazu, dass H1Z1: KotK und PUBG einerseits als Rollenspiel, andererseits als Shooter geführt werden? Ebenfalls offen bleibt die Frage, ob in einem von beiden Titeln die Scheren angesetzt und Zensuren eingebaut werden mussten bzw. wurden. Zwar hat sich an PUBG seit der Veröffentlichung im März an den Blut- und Ragdolleffekten nichts Maßgebliches verändert, sodass hier von einer unzensierten Version ausgegangen werden kann, wir haben die USK aber dennoch um eine Stellungnahme gebeten und werden ein Update nachreichen, sobald wir mehr erfahren.