Der Bundestagswahlkampf ist vorbei, jetzt folgt der Kampf um die Findung einer regierungsfähigen Koalition. Im Fighting Game Bundesfighter II Turbo darf passenderweise in die Rolle von Spitzenpolitiker der gewählten Parteien geschlüpft werden, welche um die Vorherrschaft kämpfen. Bundesfighter II Turbo wird im Browser gespielt und kommt im populären Retro-Pixel-Look daher. Wie im Genre üblich können auch allerhand kuriose Special Moves ausgepackt werden: so lässt Merkels Charakter eine „Flüchtlingswelle“ los und Schulz überrollt die Konkurrenz mit dem Schulz-Zug. Hier geht’s zum Gratis-Spiel.

Thematisch für uns relevant ist der Sprungangriff des AfD-Politikers Alexander Gauland. Dieser formt mit seinem Körper durch akrobatische Höchstleistungen eine Figur, die arg an ein Hakenkreuz erinnert. Vermutlich augenzwinkernd lehnten die Macher auf Anfrage von Spiegel Online diese Bezeichnung ab, so sei es kein Hakenkreuz sondern „einfach eine Sprungattacke“. Diverse Portale haben den Hakenkreuz-Angriff angemerkt, neben Spiegel Online z. B. Heise oder Der Standard.

Durch eine Gesetzesänderung sind seit 1994 mit § 86a Abs. 2 StGB auch jene Kennzeichen erfasst, die den tatsächlich verbotenen „zum Verwechseln ähnlich sind“. Es liegt nahe davon auszugehen, dass auch diese Darstellung im Spiel durchaus den Kennzeichencharakter erfüllen kann. Da offenbar das momentane Motto der USK in dieser Hinsicht better safe than sorry lautet, wie diverse Ergebnisse des Beratungsservice belegen, wäre es plausibel, dass sie den Titel in dieser Form nicht kennzeichnen würden bzw. gar nicht erst zur Prüfung zulassen. Vergleichbar wäre z. B. die Nutzung der alternativen Version des Truppenkennzeichens der 21. Panzer-Division der Wehrmacht in der USK-Version von Steel Division: Normandy 44, da das an sich nicht verbotene Kennzeichen – vermutlich – einen Teil des von der 1982 verbotenen, rechtsextremen Organisation VSBD/PdA verwendeten Keltenkreuzes enthalten könnte und damit unter den Paragraphen fallen könnte, zumindest nach offensichtlich genutzten Beratungsservice der USK. Ein weiteres kurioses Beispiel für Hakenkreuz-Zensur ist der Level-Umbau im originalen Doom in Version 1.4, da das Layout ein Hakenkreuz darstellte; wobei sicherlich die USK damals noch nicht derart in Entwicklungsprozesse involviert war.

Interessant ist vor diesem Hintergrund insbesondere, dass das Spiel durch das Bohemian Browser Ballett erstellt wurde. Dieses produziert für funk, dem jungen, digitalen Angebot der ARD und des ZDF. Der Impressums-Link auf der Website des Spieles verweist direkt auf funk.net. Es darf festgestellt werden, dass aus öffentlich-rechtlichen Geldern, also dem Rundfunkbeitrag, welcher durch (fast) jeden deutschen Haushalt entrichtet wird, ein Action-Spiel mit einem (vermutlich) verfassungswidrigen Kennzeichen produziert wurde und ferner im öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag (laut den Erstellern) weiterhin so angeboten wird.

Dies sollte an sich nicht bemerkenswert sein. Das Kennzeichen ist im Kontext des Spieles und im Sinne des Gesetzes sicherlich sozialadäquat, unverdächtig, und ohnehin lediglich unwesentliches Beiwerk sowie Teil der satirischen Botschaft. Bemerkenswert wird dies nur durch die stattfindende Tabuisierung der Kennzeichen in Computerspielen, bei denen Erstauflagen zurückgerufen werden, wenn ein einziges Symbol übersehen wurde, selbst bei satirischer Nutzung wie in South Park: Stick of Truth, welches als TV-Serie mit den Symbolen problemlos davonkommt. Diese Veröffentlichung durch funk kann somit als ein Mosaikstein im vielleicht schleichend stattfinden Liberalisierungsprozess gesehen werden. Alternativ ist allerdings auch plausibel, dass sich schlicht nicht besonders viele Gedanken gemacht wurden. Die Nutzung eines harmlosen Kreuzes auf der buchstäblichen Nazi-Keule der Figur Schulz könnte auch auf Hemmungen in dieser Hinsicht hinweisen.