Update: Der volle Titel lautet „Wolfenstein II: The New Colossus“ bzw. „Wolfenstein II: The New Colossus German Edition“ und wurde zu den entsprechenden Steam-Packages nach dem E3-Reveal hinzugefügt. Die Überschrift wurde entsprechend angepasst.

 

Bereits zur E3 im letzten Jahr wurde der neueste Ableger der Wolfenstein-Reihe, der wohl den Titel „The New Colossus“ tragen wird, angedeutet. Eine offizielle Ankündigung von Publisher Bethesda bleibt aber offenbar nachwievor aus. Es ist zu vermuten, dass diese in wenigen Tagen zur E3 erfolgen wird.

Als indirekt bestätigt kann der Titel allerdings durch die vor Kurzem von steamdb.info transparent gemachten Entwicklungen der Steam-Datenbank ansehen werden. Der gewählte Modus Operandi erinnert allzu sehr an den von Bethesda bzw. ZeniMax. Dies wird alleine durch die Nutzung der harten Start- und Download-Sperre für deutsche IPs klar (sonst nur von Square Enix genutzt). Wie zuletzt bei The New Order (TNO) und The Old Blood (TOB) sichert sich der Publisher offenbar komplett vor potenziellen strafrechtlichen Folgen als Verbreiter in Bezug auf das Hakenkreuz-Verbot nach § 86a StGB ab, egal wie unverständlich dies aus Konsumentensicht auch ist. Ein offizielles Statement zu TNO und TOB kann hier gefunden werden.

Die Steam-App bzw. das Spiel mit der ID 612880 stellt offenbar die Uncut-Version von The New Colossus dar. Alle Store/CD-Subs sind für deutsche IPs komplett gesperrt (prohibitrunincountries), was bedeutet, dass die Aktivierung von CD Keys sowie der Start- und Download mit deutscher IP nicht ohne Weiteres möglich ist. Die zwei standardmäßig vorhanden „CD-Key“-Subs können als Karteileichen durchgehen und bleiben vermutlich für den öffentlichen Gebrauch ungenutzt oder werden später entfernt.

Bei der App mit der ID 650500 handelt es sich höchstwahrscheinlich um die zensierte, deutsche Version. Wie bei TNO und TOB wird hier die selten genutzte und damit bezeichnende „Zwei-App-Lösung“ gewählt. Dadurch werden deutsche Kunden (und vielleicht auch wieder österreichische, zumindest bei Kauf auf Steam) derart ausgegrenzt, dass sie auch über ein eigenes, isoliertes Steam-Hub und Diskussionsforum verfügen. Die Subs 183397 und 183398 sind besonders eindeutig, da sie beide Apps aufweisen; dadurch handelt es sich höchstwahrscheinlich um das Angebot für den schweizer Store, das beide Spiele enthält. Dies dürfte daran liegen, dass die zensierte Version auch wieder nur die deutsche Spielsprache anbietet, die unzensierte Version allerdings eben nicht diese. Da in der Schweiz bekanntlich unter anderem Deutsch, Französisch und Italienisch Amtssprachen sind, erhalten schweizer Kunden via Steam-Store also beide Versionen. Dieselben Lösungen wählten Bethesda bzw. ZeniMax zuvor bei TNO und TOB.

Ursprünglich geschrieben von ZeniMax – Statement zu TNO/TOB:

 

Als „verfassungsfeindlich“ klassifizierte Inhalte (bspw. entsprechende Symbole) dürfen nur unter ganz bestimmten Bedingungen in Deutschland genutzt werden, und obwohl es bspw. Ausnahmen für Kunst und Literatur gibt, gelten diese nicht für Video- und Computerspiele.

Unklar bleibt, warum die jetzige Situation nicht im Sinne aller Beteiligen gelöst werden kann. Die USK sieht sich bekanntlich aufgrund eines fast 20 Jahre alten Urteils eines OLGs in Bezug auf Wolfenstein 3D außer Stande, Spiele mit Hakenkreuzen und anderen Symbolen nach § 86a StGB freizugeben, und die Publisher bzw. Verbreiter wenden folglich kostenintensive Selbstzensur an (anstehend vermutlich auch bei Call of Duty: WWII). Valve entfernt Titel mit Hakenkreuzen explizit aus dem deutschen Store, GOG bietet sie ihrerseits aber offenbar wissentlich an. Lösungsmöglichkeiten gibt es allerdings durchaus.

Der (kostspielige) Versuch der „Entschlagnahme“, also der Aufhebung eines gerichtlichen Beschlagnahme-/Einziehungsbeschlusses, wäre ein Ansatz. Dies könnte eben bei Wolfenstein 3D oder Wolfenstein (2009) erfolgen; bei letzterem allerdings in Kombination mit Gewaltdarstellung nach § 131 StGB. Die einzig beiden weiteren, kommerziellen nach § 86a beschlagnahmten oder eingezogenen Titel sind ohnehin nur Commandos: Hinter feindlichen Linien (Commandos: Behind Enemy Lines) und Mortyr – 2093 – 1944. Im Filmbereich sind solche „Entschlagnahmen“ in Bezug auf § 131 mittlerweile gängige Praxis – zuletzt heute bekannt geworden bei Das Böse (Phantasm) durch den deutschen Rechteinhaber Black Hill unter Hilfe der Kanzelei Baker McKenzie – und resultierten bei dem Horrorklassiker Tanz der Teufel (The Evil Dead) nach einem jahrzehntelangen absoluten Verbreitungsverbot in einer Jugendfreigabe ab 16 Jahren. Im Hinblick auf ein Computerspiel dürfte eine solche Entscheidung in Bezug auf § 86a vielleicht die nötige Signalwirkung haben – vor allem da eine USK-Freigabe (ggf. nach Listenstreichung durch die BPjM) anschließend unumgänglich scheint –, um die gängige Zensurpraxis zu ändern oder zumindest zu hinterfragen.

Auch die sogenannte Verpflichtungsklage auf Kennzeichnungserteilung könnte die USK-Freigabe und damit den rechtssicheren Release ermöglichen (dies wird z.B. näher von RA Schwiddessen in diesem Aufsatz beschrieben).

Zuletzt könnte im Falle der Wolfenstein-Spiele nach hiesiger Ansicht auch eine juristische Prüfung durch eine Experten-Kommission ähnlich der SPIO/JK-„Freigabe“ der Filmwirtschaft stehen. Das Gutachten von Volljuristen auf „strafrechtlich unbedenklich“ könnte, auch wenn es nicht zur USK-Freigabe führen würde, immerhin die Blacklist für Deutschland überflüssig machen.

 

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