Wer uns, also das Team von for UNCUT!, kennt und gelegentlich in unserem Forum unterwegs ist, dem wird bekannt sein, dass wir immer wieder davon abraten, Spiele bei unlizenzierten Key-Stores oder “Marketplaces” wie MMOGA oder G2A zu erwerben.

Oft stoßen wir dabei auf Gegenwehr und Unverständnis, da die in unserer Gruppe mitdiskutierende Kundschaft derartiger Plattformen “noch nie Probleme hatte” oder sogar bereit ist, aufgrund der äußerst günstigen Preise das etwaige Risiko, einen betrügerisch veräußerten Lizenzkey zu erwischen, einzugehen bereit ist.

Vor wenigen Stunden machte auf Reddit eine Diskussion zwischen einem Verkäufer auf G2A und dem offiziellen G2A-Redditaccount die Runde. Wir möchten diesen Anlass nutzen, um erneut einige der Probleme aufzuzeigen, die durch unlizenzierte Plattformen (wie G2A) entstehen. Viele werden dabei Augen machen – doch der Reihe nach…

 

G2A sperrt Verkäuferkonto samt FinanzmittelnPermalink zur Diskussion, Screenshot

Beginnen wir mit der Auseinandersetzung zwischen einem Marketplaceverkäufer auf G2A und dem G2A Support, die eingangs erwähnt wurde. Ein User auf Reddit fragte anlässlich eines “AMA” (engl. für “Ask Me Anything”, dt. “Fragt mich alles”), was G2A von der vielerseits bekannten Tatsache, dass man dort “gestohlene” Keys verkaufen bzw. erwerben könnte, halten würde. G2A antwortet, dass man alles dafür tun würde, seine Verkäufer samt der angebotenen Keys zu überprüfen und Käufer davor zu schützen, an betrügerische Lizenzkeys zu kommen. So überprüfe man angeblich alle Verkäufer, die mehr als 10 Produkte verkauft hätten.

Ein Verkäufer nimmt sich dies zum Anlass, sämtliche von G2A aufgestellten Behauptungen bezüglich des Käuferschutzes und der Verkäuferprüfung anzufechten und behauptet, dies auch ganz einfach beweisen zu können. Obwohl er “über 50 Produkte” verkauft hätte, wäre er zu keiner Zeit nach irgendeiner Art von Authentifizierung gefragt worden. Kurze Zeit später lässt er Taten sprechen, indem er mit Absicht einen offensichtlich gefälschten Key in das G2A-System einstellt, Beweisscreenshots von seinem Vorgehen erstellt und diese verlinkt. Im Anschluss entfernte er den Key sofort wieder. Es wurde also niemandem in irgendeiner Form Schaden zugefügt, sondern lediglich ein wasserdichtes Beispiel geschaffen.

Obwohl G2A vorher noch erwähnt hatte, dass es nicht möglich sein würde, wird der besagte Key sofort als “aktiv” gelistet und dementsprechend – offensichtlich ungeprüft – auch zum Verkauf angeboten bzw. gelistet. Doch wie würde man meinen, reagiert ein seriöser Store auf einen derartigen Hinweis, der deutlich zeigt, dass es Verbesserungspotenzial gibt? Nun, G2A hat den Verkäufer problemlos identifizieren können und daraufhin gesperrt, seine Finanzmittel komplett eingefroren und rechtfertigt dies im Nachhinein damit, dass man sich und seine Kunden hätte schützen wollen – bloß ging von diesem Verkäufer nie eine Gefahr aus.

Obwohl der Verkäufer vorher nicht negativ aufgefallen ist und er lediglich auf eine Falschaussage hinweisen wollte, wird er kommentarlos mit der härtesten denkbaren Strafe auf der Plattform bestraft. Nur zum Vergleich: Es gibt Firmen, die Kunden oder sogar Hacker mit bis zu 10.000 € dafür belohnen, wenn man sie auf Fehler in ihrem System hinweist. Hier aber scheinen die Uhren anders zu ticken.

Außerhalb des AMA berichtet eine weitere Person davon, mit einer Wegwerf-E-Mailadresse ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben. Er erstellte einen brandneuen Account auf Basis einer solchen E-Mailadresse, stellte den Key “G2AIS-SUCKY-ANDTH-ISKEY-SFAKE” in das System von G2A und wieder wurde der Key sofort und ohne jegliche Art von Prüfung zum Verkauf angeboten. Von Schutzmechanismen ist hier wieder nichts zu sehen, obwohl besonders neue Accounts doch einer Überprüfung bedürfen sollten. Oder nicht?

 

Aber G2A hat doch einen Käuferschutz, bin ich da nicht sicher?

Die eigentliche Frage, die man sich stellen sollte, ist nicht, ob man durch einen optionalen und lustigerweise sogar kostenpflichtigen Käuferschutz abgesichert wird, sondern warum man einen derartigen Käuferschutz überhaupt brauchen soll, wenn der Anbieter doch angeblich seriös ist. Und dabei spielt es keine Rolle, um welche Plattform es sich dreht.

Was G2A angeht, so häufen sich auch hier die Beschwerden geprellter Kunden, die berichten, trotz aktivem Käuferschutz nie eine Rückerstattung nach dem Kauf eines gefälschten Keys erhalten zu haben. Zwar können wir diese Behauptungen natürlich nicht überprüfen, zu denken geben sollte es einem aber schon, wenn immer mehr Personen unabhängig voneinander derartige Beschwerden äußern.

 

Unlizenzierte Stores schädigen ehrliche Geschäftsleute

Wer bisher dachte, dass unlizenzierte Stores und ihre ihre allenfalls halblegalen Machenschaften keine negativen Einflüsse auf die Geschäfte anderer, zu 100% legalen und lizenzierten Stores haben würden, der irrt gewaltig.

Erst am 04. Januar diesen Jahres teilte Gamesrocket in seinem Blog mit, seine Aktivitäten zum 31. Januar 2017 einzustellen. Kunden bietet man im Laufe des Februars aber noch die Möglichkeit, auf bereits erworbene Titel zurückzugreifen bzw. diese herunterzuladen.

Gamesrocket begründet den Entschluss, die Geschäfte einzustellen, mit den schlechten Konditionen, die man als lizenzierter, digitaler Reseller von den Publishern auferlegt bekommt. Diese seien oft schlechter als im klassischen Retail- bzw. Versandhandel. Gamesrocket weiter:

Im Gegensatz hierzu bedienen sich internationale Händler indirekt und unproblematisch an nachträglich digitalisierten Lizenzcodes aus dem PC-Großhandel, wodurch sie vermehrt den Ton angeben. Das Wachstum der Branche wird zunehmend durch preisaggressive Mitbewerber im EU Ausland aufgefangen, welche keine Mehrwertsteuerabgaben einpreisen. Viele Publisher von PC Spielen scheinen nur zögerlich gewillt diese Problematik in letzter Konsequenz anzugehen. Dieser Umstand erschwert dramatisch eine sichere Profitabilität des digitalen Verkaufs von PC- und Videospielen mit einem Geschäftssitz innerhalb von Europa.

Mit dem Hinweis auf preisagressive Mitbewerber […], welche keine Mehrwertsteuerabgaben einpreisen und auf nachträglich digitalisierte Lizenzcodes aus dem PC-Großhandel zurückgreifen, sind unmissverständlich Stores wie G2A, MMOGA und Co. gemeint, denn dort wird durch die Bank keine Mehrwertsteuer abgeführt.

Hierin findet man auch den Grund, weshalb man bei MMOGA z. B. E-Mails mit kleinen Bilddateien als “Key” erhält. Es handelt sich dabei um massenhaft eingescannte Retail-Keys, die systematisch und in riesigen Mengen aus Billigländern geordert, eingescannt und anschließend wieder veräußert werden. Im Jahr 2014 hatte das Landgericht Berlin geurteilt, dass das Trennen von Lizenzkey und Trägermedium eine Urheberrechtsverletzung darstellt, wenn diese Keys im Anschluss in Deutschland verkauft werden.

Wenn zu diesen scharfen Bedingungen dann noch Keystores kommen, die ihre Keys aus Billigländern beziehen und mit massig Profit verkaufen, dann können ehrliche Stores – wie Gamesrocket einer war – einfach nicht auf Dauer existieren.

Doch neben Gamesrocket gibt es noch einen weiteren Stores, die in den letzten Wochen ihre Pforten schließen musste. Einer davon ist Games Republic (Schließung zum 31. Januar). Zwar wurden hier keine Schließungsgründe genannt, man kann aber ziemlich sicher davon ausgehen, dass es an der oben genannten, preisagressiven Konkurrenz liegt.

 

“Person X”, “Website Y” oder “Streamer Z” kooperiert mit G2A. Dann kann G2A doch nicht schlecht sein!

Falsch. Insbesondere G2A ist dafür bekannt, mit Geld nur so um sich zu werfen, und wenn jemand an Eure Tür klopft und nicht nur eine Menge Geld für eine Kooperation anbietet, sondern diese Gelder zudem noch schnell zur Verfügung stellt, dann schaltet bei vielen leider der Kopf ab. Egal, ob es sich um E-Sport Giganten wie die ESL, Virtus.Pro, Natus Vincere, beliebte Streamer wie PashaBiceps oder sogar um deutsche Szenebekanntheiten wie die RocketBeans handelt – sie alle sorgen dafür, eine vermeintlich vertrauenswürdige Umgebung zu schaffen, in der sich G2A und Co. breit machen.

 

Wie kann ich prüfen, ob mein Keystore seriös ist?

Wer überprüfen will, ob der Keystore seines Vertrauens lizenziert ist oder nicht, kann dies ganz einfach über Key Radar überprüfen. Nach der Eingabe einer URL überprüft Key Radar, ob die Domain in seiner Datenbank vorhanden ist, und gleicht sie mit 211 Stores ab. Im Anschluss erhält man die Information, ob der überprüfte Store lizenziert ist oder nicht. Verblüffend dabei ist, dass es ca. 2,5 Mal mehr unlizenzierte als lizenzierte Stores (144 im Vergleich zu 60 sowie 7 “gemischte”) gibt.

 

Alternativen – faire Preise, Sicherheit und direkter Support an die Entwickler

Für uns von for UNCUT! war immer schon klar, dass wir, wenn wir eine Partnerschaft mit einem Keystore eingehen würden, uns immer nur mit einem offiziell lizenzierten Store einlassen würden – so kam es, dass wir mit Gamesplanet eine Partnerschaft eingingen. Wir wollten Euch, unserer Community, nicht nur gute Angebote bei einem renomierten Store bieten, sondern auch unsere Verantwortung gerecht werden, bestmöglich auf zensierte Versionen hinzuweisen. Zudem würden wir niemals etwas verlangen, das wir nicht selbst zu tun bereit wären, und wollten als positives Beispiel vorweg gehen.

Wer nun (vielleicht sogar durch diesen Artikel) ähnlich denkt und in Zukunft auf zwielichtige Plattformen verzichten will, der muss nicht unbedingt auf gute Preise verzichten. Preissuchmaschinen wie IsThereAnyDeal vergleichen die Angebote vieler offizieller Keystores und finden den besten “fairen” Preis. Darüber hinaus haben wir in unserem Forum eine kleine Übersicht diverser vertrauenswürdigen Stores inklusive deren Einschränkungen zusammengestellt – ein Blick lohnt sich in jedem Fall!.

 

Die Moral…

Geiz ist nicht immer geil. Wir wollen niemandem vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat, sondern lediglich auf einige der Folgen hinweisen, die man mit seinem Geldbeutel von Zuhause aus oft aus Unwissenheit unterstützt. Der preisliche Unterschied zwischen der offiziellen und inoffiziellen Variante ist dabei oft geringer als gedacht und fällt kaum ins Gewicht, wenn man beachtet, welche Vorteile die offizielle Variante bietet.