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Bereits letzte Woche hat das neuseeländische Office of Film and Literature Classification (NZOFLC) die verweigerte Freigabe („Classification: Objectionable“) des japanischen Rail Shooters Gal*Gun: Double Peace bekannt gemacht

In der detaillierten Entscheidung wird dem Spiel unterstellt, den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gutzuheißen und damit einher vermutet, auf sozialschädliche Weise diesen Missbrauch in der Gesellschaft zu fördern. Die unterstellte geringe Spielschwierigkeit unterstütze diese Annahme. Im Wortlaut:

The game has been deemed objectionable because it tends to promote and support the exploitation of children and young persons for sexual purposes, and also the use of coercion to compel any person to submit to sexual conduct. It depicts young female high-school students in a way that emphasises their sexuality and availability. The game’s lack of difficulty means that this content is available to even unskilled players and further supports the idea that the intention of this game is for the titillation and arousal of the viewer, rather than for any interest in gameplay mastery. It is therefore likely not only to attract people with a prurient interest in young persons, but also to reinforce the belief that a sexual interest in young persons is acceptable, which contributes to their sexual exploitation in wider society.

In Deutschland bekam der Titel wiederum bereits im April letzten Jahres eine USK-Freigabe ab 16 Jahren. Dies ist vor allem vor dem Umstand der zuletzt erfolgten Entscheidungen der durchaus ähnlich gearteten, japanischen Titel Criminal Girls 2 und Valkyrie Drive: Bhikkhuni interessant. Diesen wurde die Freigabe aufgrund vermuteter schwer jugendgefährdender Darstellungen von „Kinder[n] oder Jugendliche[n] in unnatürlicher, geschlechtsbetonter Körperhaltung“ (§ 15 Abs. 2 Nr. 4 JuSchG) verweigert, wobei eine abschließende Entscheidung durch die BPjM noch ausstehen dürfte. Auch das für Refused Classifications bekannte australische Classification Board gab Gal*Gun: Double Peace mit einerR 18+-Einstufung frei; dafür wurde dort z.B. MeiQ: Labyrinth of Death essentiell verboten, während in Deutschland wiederum die USK 16-Freigabe erteilt worden war. Neuseeland selbst ist generell zudem weniger für Freigabeverweigerungen bekannt, was den vorliegenden Fall bei Gal*Gun besonders macht.

Die Einreichung des Titels erfolgte durch den „Chief Censor“ am 5. Dezember. Nach Abschluss des Verfahrens wurden Valve und „PlayStation“ als Distributoren, sowie PQube als Publisher informiert (vgl. S.2 der Entscheidung).

 

Schwere Konsequenzen für neuseeländische Steam-Nutzer

Anders als in Deutschland, wo der Besitz von ungeprüften oder indizierten und – mit geringen Ausnahmen– sogar beschlagnahmten bzw. eingezogenen Titeln (solange keine Verbreitungsabsicht vorliegt) absolut legal ist, machen sich neuseeländische Spieler zumindest in diesem Fall strafbar, wenn sie Gal*Gun: Double Peace u.a. auf Steam besitzen, herunterladen bzw. installiert haben. Dies bestätigte ein Mitarbeiter der Behörde in einer E-Mail an Censored Gaming und es entspricht der Eigenbeschreibung auf ihrer Webseite:

The Office of Film & Literature Classification is the Government body responsible for classifying publications that may need to be restricted or banned in New Zealand.

Valve selbst hat auf den Hinweis des OFLC umgehend reagiert und den entsprechenden PurchaseRestrictedCountries-Tag für NZ gesetzt. Damit kann das Spiel in der neuseeländischen Store-Front nicht mehr gekauft oder betrachtet werden. Weiterhin möglich ist allerdings der, laut OFLC, für neuseeländische Nutzer illegale Download und Besitz bzw. die Nutzung des Spieles. Bethesda/ZeniMax (Wolfenstein) und Square Enix (Sleeping Dogs) sahen sich, man erinnert sich vielleicht, damals gezwungen, für Deutschland mittels prohibitrunincountries-Tag ihre Problemtitel komplett unzugänglich machen zu lassen. Die Notwendigkeit oder Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens bleibt umstritten und ist zumindest aus Konsumentensicht schwer nachvollziehbar. Interessant ist in diesem Fall, dass Valve sich gegen die Komplettsperre entschieden hat. Neuseeländische Spieler können Gal*Gun: Double Peace auch weiterhin durch das Geschenk eines anderen Nutzern aktivieren.

Des Weiteren zum Kauf gesperrt wurden zwei der 24 DLCs: Sexy Ribbons’ Costume Set undPheromone Z Item. Warum nur dieses Costume Set gesperrt wurde, bleibt etwas unklar (vgl. das ‘Ripped Uniform’ Costume Set), aber die Entscheidung führt explizit diese beiden DLCs auf (vgl. S. 2f). Die Sperre des ‘Pheromone Z’ kann auch vor dem Hintergrund der Argumentation der Spielschwierigkeit gesehen werden: „Upon purchase, the sight zoom can see through clothes instantly.“ Der Cheat-DLC kostet mit etwas über 85€ doppelt so viel wie das Hauptspiel. Die 22 nicht gesperrten DLCs sollten über einen Direktlink noch im neuseeländischen Store kaufbar sein.