Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) wird Anfang 2017 nicht nur eine neue Geschäftsführerin bekommen, sondern gibt sich auch eine neue Kostenordnung für die Prüfverfahren. Das sind die Kosten (exkl. MwSt), welche Publisher für die Mitgliedschaft, Beratung und Beantragung einer Kennzeichnung zu entrichten haben. Darüber finanziert sich der gesamte Prüfbetrieb der USK.

Die Änderungen sind moderat, aber einige neue Optionen bekommen Publisher dazu. So gibt es neben den bisherigen Normal– und Eilverfahren nun auch ein besonders schnelles “Ad hoc Verfahren” (ad hoc ist lateinisch und bedeutet soviel wie “augenblicklich” und soll unmittelbare, schnelle Ausführung implizieren). Die Kosten für ein Normalverfahren (1200€) und ein Eilverfahren (1800€) sind gleichgeblieben. Das Ad hoc Verfahren kostet stolze 3000€ (600€ für kleine Demos oder Trailer) ist aber garantiert innerhalb von 5 Werktagen erledigt. Das ehemals schnellste Eilverfahren verlängert sich von 7 auf 12 Werktage. Das normale Verfahren dauert statt vorher 15 nächstes Jahr dann maximal 20 Werktage. Diese Verfahrensdauern muss ein Publisher vor der Spieleveröffentlichung mit einplanen. Zudem sind Prüfungstermine, an denen die Prüfer anreisen und die Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden anwesend sind, vorher festgelegt und können nur im Ausnahmefall kurzfristig einberufen werden – klar, die Sachverständigen müssen jedes Mal teils von weit her anreisen. Ein ganzes Verfahren umfasst Sichtung durch Sichter (komplettes Durchspielen), Berichterstellung, Vortrag, Diskussion im Gremium und Kennzeichenerteilung.

Mitgliederbeiträge für Online-Anbieter sind ab 2017 weiter gestaffelt. Es gibt eine Premiummitgliedschaft, welche den Vorteil von günstigeren Gebühren für Beratungsstunden (80€/h) und zwei (statt einer) gratis Beratungsstunden im Monat beinhaltet. Die Basismitgliedschaft ist zwar günstiger, dafür kosten Beratungsstunden auch 20€ mehr. Nichtmitglieder zahlen 140€/h. Mitglieder haben auch den Vorteil, dass Freigabeprüfungen für ihre Online-Spiele individuell verhandelt werden und sie nach Jugendmedienschutzstaatsvertrag als privilegiert gelten, also nicht mehr so einfach direkt für Jugendschutzverstöße belangt werden können. Nicht-Mitglieder werden für Verstöße direkt belangt und müssen im schlimmsten Fall die 50.000€ Bußgeld zahlen.

Ganz neu hinzugekommen sind Prüfungen von technischen Jugendschutzmaßnahmen einer Webseite, wie der Einsatz von Labels oder Altersverifikationssystemen, und von Jugendschutzprogrammen. Die Kompetenz der Selbstkontrollen, diese (statt wie bisher nur die KJM) prüfen zu können, wurde im neuen Jugendmedienschutzstaatsvertrag (JMStV) geschaffen. Die KJM konzentriert sich seitdem mit Jugendschutz.net auf die Ahndung von Verstößen gegen den Jugendschutz. Die Prüfungen werden jetzt auf Anfrage (auch) von der USK vorgenommen.