Wie auch schon 2015 wollen wir auch dieses Jahr die Entwicklungen zusammenfassen.

Generell hat sich die Lage auch 2016, dem siebten Jahr seit Gründung von for UNCUT!, weiter entspannt und im EU-Vergleich normalisiert: Diverse prominente Titel konnten nach Jahren der Indizierung rehabilitiert werden und einige Wackelkandidaten wurden durch die USK freigegeben. Manch anderem Titel – mehr oder weniger erstmals auch aufgrund von sexuellen Darstellungen – wurde allerdings die Plakette verweigert; diese erwartet nun eine Begutachtung ihrer Jugendgefährdung und strafrechtlichen Relevanz durch die BPjM, falls ein Indizierungsantrag eingehen sollte. Hatred stellt die einzige Spiele-Indizierung des Jahres dar (Liste D). Eine neue Beschlagnahme bzw Einziehung wegen des Gewaltdarstellungsparagraphen 131 StGB erfolgte nicht. Weiterhin unverändert und ungeklärt ist die Problematik rund um verfassungswidrige Symbole in Videospielen.  Das Storeangebot von Steam und GOG wurde dieses Jahr insgesamt wesentlich restriktiver, da diverse bereits indizierte Titel für deutsche Kunden aus dem Angebot genommen wurden.

 

USK-Kennzeichnungen

Manche Spielereihen haben offenbar auch 2016 keine Chance auf regulären Vertrieb in Deutschland. So konnte auch das Revival der Action-Rennspielreihe Carmageddon: Max Damage keine Freigabe durch die USK ergattern. Zudem erschien auch der neueste, vierte Titel der bisher immer strafrechtlich relevanten Reihe Dead Rising nicht.

Aufgrund sexueller Darstellungen von als minderjährig definierten Charakteren wurde den beiden Titeln Valkyrie Drive: Bhikkhuni und Criminal Girls 2 eine Freigabe verweigert.

Gemini: Heroes Reborn wurde für eine angestrebte Freigabe ab 16 Jahren geschnitten, was bei dem eher niedrigen Gewaltgrad nicht wirklich nachvollziehbar ist. Die Uncut-Version hat eine Aktivierungssperre für deutsche IP-Adressen.

Mit Doom bekam ein Wackelkandidat zeitgemäß eine Uncut-Erwachsenenfreigabe. Dies gilt ebenso für den Zombieshooter Killing Floor 2. Die HD-Neuauflage des ehemals in Deutschland nur geschnitten vertriebenen BioShock erschien uncut. Battlefield 1 bekam durchaus überraschend bereits eine 16er Freigabe.

 

Indizierungen und Listenstreichungen

Diverse Titel wurden erfreulicherweise rehabilitiert: Fallout 3Resident Evil 4, Gears of War, Red Faction und  Shadow Warrior (1997) wurden auf Antrag vorzeitig von der Liste gestrichen. [Ergänzung: Gears of War 2 wurde diesen Monat offenbar auch gestrichen. Eine entsprechende USK-Prüfung (Keine Jugendfreigabe) ist schon in der Datenbank ersichtlich.]

Die zweifelhafte Ehre der einzigen, neuen Indizierung des Jahres erlangte das auch in der Gaming-Welt kontrovers diskutierte Hatred. Die BPjM indizierte das Shoot ’em up als Telemedium mit vermuteter strafrechtlicher Relevanz auf Listenteil D.

Der Antrag auf vorzeitige Listenstreichung der Uncut-Version von Call of Duty 4: Modern Warfare wurde abgelehnt. Damit musste der im Wesentlichen doch inhaltsgleiche HD-Remaster für eine USK-Freigabe analog geschnitten werden. Die Neuauflagen bzw. Remasters der Titel Dead Island und  Dead Rising werden aufgrund bestehender Indizierungen weiterhin nicht vertrieben.

 

Verfassungswidrige Symbole

Aufgrund der weiterhin unsicheren Lage in Bezug auf § 86a StGB wurde von einem Release des Titels Alekhine’s Gun abgesehen; Keys haben eine Sperre für deutsche IPs. Nur zensiert werden zudem  Hearts of Iron IV (Uncut-Keys mit Sperre) und The Last Sniper VR vertrieben.

 

Sonstige Ereignisse

Valve griff erstmals durch und erleichterte das deutsche Steam Store-Angebot ohne Vorwarnung oder Erklärung um fast 30 indizierte Titel. GOG zog wenig später, aber transparenter, nach. Unklar bleibt, warum diese Änderung vorgenommen wurde, wenn vorher der Verkauf noch möglich war – etwa ob die KJM über Jugendschutz.net aktiv geworden war.

Ein neuer Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV), der die rechtliche Lage für Telemedien und Rundfunk bestimmt, ist diesen Oktober in Kraft getreten. Die USK kann damit auch reine Onlinetitel freigeben und Webseiteninhaber werden zur Freigabe ihrer Inhalte verpflichtet. Erstmals können offizielle Onlineangebote auch über Labels für Filtersoftware statt mit Sendezeitbeschränkungen jugendschutzkonform agieren. Indizierte Titel sind weiterhin einfacher illegal für Jugendliche erhältlich als für ehrliche Erwachsene.

Zwischen den Jahren reichte der VDVC unter Mitarbeit von striker Verfassungsbeschwerde gegen die Verschärfung des Gewaltdarstellungsparagraphen 131 StGB ein. Anfang 2015 wurde nämlich eine Versuchsstrafbarkeit eingeführt, die Gamer, welche zum Beispiel Liste B indizierte Titel auf dem Laptop in der Öffentlichkeit spielen, mit Strafe bedroht, egal ob tatsächlich jemand anderes das Spiel sehen könnte. Außerdem fanden wir, dass die Norm sowieso nicht wie bisher auszulegen ist.

Nach einem Amoklauf in München kochte kurz eine neue Killerspieldebatte hoch. Erfreulicherweise lief sie etwas sachlicher ab als die letzte Hexenjagd, und Polemiker merken auch dank sozialer Medien, dass mit Gamer-Shaming nicht viel Stimmen zu holen sind.

 

In eigener Sache

Mit Schnittberichte und Medienzensur haben wir zwei neue Partner gewonnen.

Unser Steam-Kurator über Zensuren, Locks und Storeverfügbarkeit ist mit mittlerweile über 400 Kurationen und über 5000 Followern der größte in diesem Themenfeld. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die mitarbeiten und Infos liefern! Die Gruppe selbst konnte dieses Jahr die 100.000Mitglieder-Marke knacken, was wir durch Unterstützung von Gamesplanet, Nitrado und Medienzensur mit einem großen Giveaway gefeiert haben.

Am 1 April behaupteten wir, dass die neue Vorsitzende der BPjM, Martina Hannak-Meinke, alle indizierten Titel neu prüfen lassen wolle. Dies war natürlich ein Aprilscherz. Frau Hannak-Meinke kam sogar in ihrer (tatsächlichen) Antrittsrede darauf zu sprechen, dass sie freilich dafür keine Rechtsgrundlage sehe.

Falls ihr es verpasst habt: unser AMA auf Reddit.

Außerdem haben wir einen ausführlichen Guide zu Gesetzen und deren Einfluss auf Games in Deutschland auf Steam veröffentlicht.