Hinweis: GOG bietet Saboteur auch nach Monaten noch unzensiert für deutsche Kunden an. Auch weitere Spiele wie Indiana Jones and the Last Crusade (von Disney) kamen seitdem hinzu: mit Symbolik.

 

Electronic Arts‘ Open-World-Action-Adventure The Saboteur aus dem Jahr 2009 ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Vielleicht auch, weil es seit Jahren nicht mehr auf Steam aufzufinden ist und nur auf Origin verkauft wurde. Eigentlich schade, da es durchaus seine Qualitäten hat. Entsprechend war die Freude bei Fans auch groß, als GOG, zeitgleich mit Spore und Mirror’s Edge, die DRM-freie Version für einen Preis von 10,09$ (bei 50% Rabatt) in sein Sortiment aufgenommen hat. Die GOG-Version kommt auch ohne den berüchtigten Map-Bug bei höheren Auflösungen daher.

Blöderweise gibt es da noch die Problematik rund um Hakenkreuze in Videospielen. In Saboteur (so der Titel der deutschen Veröffentlichung) unterstützt der Spieler die Résistance des besetzten Frankreichs und, wie bei Spielen üblich, wurde hier die USK-Version bzw. Lokalisierung um alle strafrechtlich relevanten Nazi-Symbole (Hakenkreuze und SS-Runen) und sonstige -Bezüge erleichtert (Schnittbericht: Keine Jugendfreigabe – Euroversion).

Umso erstaunlicher, dass die GOG-Version trotz entnazifizierter Anschauungsmaterialien auf der Store-Seite unzensiert und mit den verbotenen Symbolen daherkommt. So wird sie auch im deutschen Store mit allen Lokalisierungen (u.a. deutsche Spielsprache) angeboten – momentan zumindest. Dies bestätigen diverse Forenposts und auch unsere Mitglieder. Die auf der Seite angegebene USK-Freigabe (keine Jugendfreigabe) ist als falsch zu betrachten, da diese für die Version ohne Symbole gilt. Der Release wurde auch im deutschen Unterforum durch einen GOG-Mitarbeiter bekannt gemacht.

Die deutsche Lokalisierung auf GOG hat zwar alle Symbole, verharmlost aber bestimmte Nazi-Begriffe: so wird aus „Gestapo“ die „Geheimpolizei“, aus „den Nazis“ wurden „die Deutschen“ und aus „SS“ die „Elite“; auch fehlt eine Hitler-Tonspur in der Zwischensequenz des Einmarsches in Paris. Eine komplett originalgetreue deutsche Fassung existiert nicht.

Wir danken unserem Leser [end]derdimi für den Hinweis zu dieser Meldung.

 

Quo Vadis, GOG?

GOG hatte im Frühjahr 2015 zum Start der deutschen Lokalisierung der Plattform folgendes zum Thema Hakenkreuze für deutsche Nutzer verlauten lassen:

Two games from our catalog had to be made unavailable in Germany: Commandos Ammo Pack and Commandos 2+3. Offering or promoting these games is considered a serious criminal offence according to German law, and we have to abide by this law to avoid the risk of serious legal action taken against GOG.com and GOG.com employees. Rest assured that if you’ve already bought a game – nothing will retroactively disappear from your shelves.

Dabei wurde nicht betrachtet, dass nur der erste Commandos-Teil auch wirklich mal von einem Gericht einkassiert wurde („Commandos – Hinter feindlichen Linien“ – 24.06.1999, AG Kassel) und die anderen Teile, von ggf. bestehenden Verboten unberührt, eigentlich nur ungeprüft sind; „Offering or promoting these games is considered a serious criminal offence according to German law“ ist somit, als solch absolute Aussage, eine Fehlannahme, denn auch Spiele können Kunst sein und wie jede Trash-Produktion der Filmwirtschaft mit Hakenkreuzen davonkommen (dies tun sie in der Praxis auch offensichtlich, denn die letzte gerichtliche Einziehung einer Importversion wegen Erfüllung des Straftatbestandes § 86a StGB ist auch schon 15 Jahre her, wenn man das Kuriosum Wolfenstein (2009) mal ignoriert, und auch sonst sind keine Verurteilungen von Verbreitern bekannt).

Umso verwunderlicher, dass The Saboteur mit den bösen Symbolen angeboten wird. Dass der zypriotischen Tochtergesellschaft der Witcher-Macher aber vielleicht auch nur ein Fauxpas unterlaufen sein könnte, wäre auch nicht allzu überraschend, denn immerhin wurde Dying Light ebenso aus Versehen für kurze Zeit im deutschen Store trotz bestehender Indizierung angeboten. Auch sonst greift GOG, wie Valve, mittlerweile hart durch und hatte Mitte Juni das Sortiment für deutsche Kunden deutlich verkleinert (wir berichteten).

Vielleicht lässt man sich ja so lange Zeit, wie der Rabatt gilt (29. September), bis man den Fehler bemerkt; die Entfernung der über 30 Index-Titel erfolgte immerhin auch taktisch klug nach Vorwarnung und während eines Sales.