Im Zuge der neu entfachten Killerspiel-Debatte ist das Focus Magazin an den Vorsitzenden des VDVC e.V., Patrik Schönfeldt, herangetreten und bat um eine Stellungnahme zu Verboten (sprich Beschlagnahme) von Spielen, dem Betrügen in Spielen und der Killerspiel-Debatte im Allgemeinen. Wie viele unserer Mitglieder wissen, ist der VDVC schon seit einigen Jahren unser Partner – entsprechend erfreut waren wir, als wir erfuhren, dass es einen Focus-Artikel mit dem VDVC geben soll.

Es wurden etwa 1700 Zeichen eingeräumt, um das Zitat in einer Gegenüberstellung von Positionen zu dem Thema in der letzten Juli-Printausgabe abzudrucken.

Der Beitrag wurde bei der Redaktion eingereicht, jedoch nicht so abgedruckt, wie er ursprünglich abgegeben wurde. Nun gibt es gute Gründe, warum ein journalistisches Medium Beiträge anpassen muss, bevor die Drucklegung beginnt. Es kann sich um Schreibfehler handeln, welche korrigiert werden, oder Passagen, die zusammengekürzt werden, weil doch nicht mehr so viel Platz auf der Seite war wie ursprünglich vorgesehen. Dabei sollte jedoch immer der Sinn einer Aussage erhalten bleiben und nichts verfälscht werden. Leider ist beim Redigieren des eingereichten Textes beim Versuch, eine Textstelle leichter verständlich für den unbedarften Leser zu machen, auch teilweise der Sinn der Aussage verfälscht worden.

Anbei eine Gegenüberstellung der Beiträge (full disclosure – der Autor dieser Ankündigung ist Mitglied im VDVC und hat am Verfassen des Focus-Beitrages Anteil gehabt).

Originalzitat (ein paar Tage vor Drucklegung abgegeben):

Ursprünglich geschrieben von VDVC-Fassung:

Worin sich aber andere fair und friedlich beim E-Sport messen, darin hat er betrogen. Er wurde mehrfach gesperrt. Wollte er Dominanz ausleben? In diesem Fall wäre das Spielen Symptom, nicht Ursache.
(…)
Gleich, wie die Antwort aussieht, extreme Beispiele wie ein im letzten Jahr erschienener „Amoklauf-Simulator“ stoßen unter Computerspielern auf breite Ablehnung. Dieser wurde – wie 35 weitere Titel – wegen exzessiver Gewaltdarstellung bereits als verboten eingestuft. Es darf als Konsens gelten, dass kein Verbot über das bestehende hinausgehen sollte. Und selbst das bestehende Verbot kann durchaus als nutzlose Symbolpolitik bezeichnet werden.

Gedruckte Fassung, Änderungen hervorgehoben (nur der wichtigste Teil der Änderungen wird dargestellt):

Ursprünglich geschrieben von Focus-Fassung:

Doch wo sich die meisten Spieler friedlich duellieren, hat er betrogen. Auf dem Spiele-Server “Steam” fanden Ermittler mehrere Accounts, mit denen er sich Vorteile gegenüber anderen verschaffen wollte. Um Dominanz auszuleben? Dann wäre das Spielen Symptom, nicht Ursache.
(..)
Gleich, wie die Antwort lautet, extreme Beispiele wie ein im letzten Jahr erschienener „Amoklauf-Simulator“ stoßen unter Computerspielern auf breite Ablehnung. Dieser wurde – wie 35 weitere Titel – wegen exzessiver Gewaltdarstellung indiziert. Dabei sollten wir uns einig sein, dass es keine strengeren Verbote geben sollte. Und selbst die vorhandene USK-Beschränkung kann allenfalls als nutzlose Symbolpolitik bezeichnet werden.

  • Durch die Änderungen ist der Sinnzusammenhang des Zitats geändert worden.
  • Aus “fair und friedlich (…) messen” “friedlich duellieren” zu machen, nimmt der Erklärung die Bedeutung des Wettkampfcharakters von CS. Auch wird E-Sport einfach weggelassen. Dass die Übertretung des Täters im Spiel geahndet worden sind und er trotzdem weiter betrog, wurde durch die Änderung auch unklar.
  • Der Unterschied zwischen einer Einziehung/Beschlagnahme durch Gerichtsbeschluss bzw. aufgrund bestehender Strafrechtstatbestände ist nicht mit einer Indizierung gleichzusetzen. Der Redakteur hat entweder die Indizierungsentscheidung zum Titel Hatred nicht als “Verbot” wahrgenommen (was es streng genommen auch nicht ist) oder kennt den Unterschied nicht besonders gut – denn es sind weitaus mehr Titel als 35 beschlagnahmte Titel indiziert worden. Der Titel Hatred unterfällt dem im Artikel angesprochenen “Verbot” durch §131 StGB, da er offensichtlich gewaltverherrlichend ist. Das hat auch die BPjM dazu bewogen, ihn auf Liste D zu setzen. Allerdings begründet auch eine Beschlagnahme bzw. der Tatbestand des §131 StGB nicht ein “Verbot” im umgangssprachlichen Sinne, denn der Erwerb und die Nutzung ist noch erlaubt. Außerdem ist eine Weitergabe, ohne die Absicht es an einen großen, nicht mehr zu kontrollierenden Rezipientenkreis zu verteilen, nach Ansicht des BGH nicht strafbar. Ein klassisches Verbot wie bei der Kinderpornografie besteht also nicht.
  • Die Änderung des dritten Satzes im Zweiten Absatz kann als sinnerhaltend gewertet werden.
  • Die Änderung von “bestehende Verbote”, womit vor allem das “Verbot” der Gewaltdarstellung §131 StGB und auch die Ungleichbehandlung von Spielen und Filme bei der Darstellung verfassungsfeindlicher Symbolik §86a StGB gemeint sind, in “USK-Beschränkung” zu ändern (gemeint sind Freigaben welche allerhöchstens als Jugendverbote beim Verkauf und Weitergabe ohne einem Erziehungsverhältnis zu bezeichnen wären), enstellt den Sinn des Satzes und lässt den Eindruck entstehen, der VDVC stünde gegen die USK-Freigabe als jugendschutzrechtliche Maßnahme. Auch das Ändern von “durchaus” zu “allenfalls” ändert die ursprüngliche Aussage dahingehend, dass bei ersterem Interpretationsspielraum eingeräumt wurde, beim zweiteren eine bedeutungstechnische Beschränkung der kritisierten “Verbote” angenommen wird.

Inzwischen hat die Redaktion sich entschuldigt, dass durch das Redigieren der Sinn entstellt wurde, was nicht deren Absicht war. Sie haben sich bereit erklärt im nächsten Focus eine Richtigstellung zu drucken.

Lehren die man daraus ziehen kann:

  • Deadlines können sich verschieben und zugesagte Proof-Exemplare werden u.U. nicht verschickt.
  • Evtl. sind wir schon fachlich soweit in der Materie, dass uns die Allgemeinheit nicht versteht.
  • Man sollte für Redaktionen auch zu kurzen Beiträgen noch evtl. längere Erklärungen beilegen.

Um es nochmal deutlich zu sagen: Der VDVC steht nicht für eine Abschaffung jeglichen Jugendschutzes, sondern hält Altersfreigaben für sinnvolle Hilfestellung und Einschätzungswerkzeug für Eltern und Abgaberegelung im Handel.

Was der VDVC jedoch kritisiert, ist die unverhältnismäßige Zerstörung aller wirtschaftlichen Möglichkeiten von Erwachsenenunterhaltung durch die Indizierung. Diese angedrohte Nachzensur schränkt Kunstschaffende bereits im Erschaffungsprozess ihrer Werke ein und greift in der Praxis in die freie Persönlichkeitsentfaltung von Erwachsenen unverhältnismäßig ein. Auch die in der Vergangenheit ausgesprochenen “Verbote” aufgrund eines – nach Meinung des VDVCs und einiger Anderer – nicht vollständig verfassungskonformen Gewaltdarstellungsverbots und der Ungleichbehandlung des Mediums im Kulturgefüge hält der VDVC für unhaltbar.

Der vollständige Beitragstext wird im VDVC Forum besprochen – siehe hier.