Wie wir vorgestern berichteten, wurde zum Bedauern vieler deutschen PC-Gamer im Zuge einer großen Säuberungsaktion der deutsche Store um 28 Problem-Games (Stand 01.06., 17:30 Uhr) und diverse Bundles, die diese Titel enthalten, erleichtet. Viele dieser Spiele verbringen ihr Dasein seit teilweise 20 Jahren auf Listenteil “A” der Listen für jugendgefährdenden Medien der BPjM (kurz „Index“) und warten nur noch auf die automatische Listenstreichung nach 25 Jahren. Da aber offenbar niemand der verantwortlichen Entwickler oder Publisher an einer vorzeitigen Streichung nach Antrag Interesse hat, wird die Indizierungsfrist von 25 Jahren wohl bis an seine Schmerzgrenze ausgereizt.

Durch die Store-Sperren sind auch vermeidbare Aktivierungssperren für Keys von 13 Games kreiert worden, wenn das Store-Sub ein “Store/CD Key”-Sub ist. Dies bestätigten auch einige unserer Mitglieder.

Valve scheint es total egal zu sein, ob deutsche Kunden ihre vollkommen legal im In- oder Ausland erworbenen Spiele hierzulande ohne Nötigung zum AGB-Bruch aktivieren und nutzen können oder nicht. Die Umgehung dieser Sperren mit einem VPN oder anderen, “den Wohnort verschleiernden Mitteln”, ist ein Verstoß gegen das Steam Subscriber Agreement (AGB) und kann zur Accountsperrung führen. Zwar gibt es bisher keinen bestätigten und dokumierten Fall, in dem dies passiert ist, doch will man Deutsche Kunden – die ganz nebenbei zu den Top 3 im Traffic-Länderranking gehören – offenbar lieber in Ungewissheit schweben lassen, um seine fraglichen und hilflosen Maßnahmen zum deutschen Jugendschutz durchsetzen zu können.

Dabei wäre es trivial, diesen Missstand ein für alle Mal zu beheben. Valve ist Vertragspartner einiger Zahlungsdienste, die hierzulande Altersverifikationssysteme (kurz AVS) anbieten. SOFORT Payment und Giropay bieten Verifikationssysteme an, die nicht nur TÜV-zertifiziert und somit absolut sicher für den Endverbraucher sind, sie sind obendrein u.a. in Gutachten der Kommission für Jugendmedienschutz (kurz KJM) positiv bewertet worden und dürften sich auch ohne große Probleme und mit relativ geringem Kostenaufwand in die deutsche Storefront einbinden lassen – schließlich nutzt man einige Dienste dieser Anbieter zum Teil schon. Diese Dienste würden sich also ideal dafür eigenen, eine geschlossene Nutzergruppe zu erfassen, in der dann der Verkauf und die Bewerbung von auf Liste A und C geführten Titeln erlaubt wäre. Der Umsatz, der dadurch generiert werden könnte, geht in die Millionen; man denke nur an die beliebten Zombie Survival Games der letzten Jahre… Dem entgegenzusetzen ist ein einmaliger Entwicklung- und Integrationsprozess, der so schlimm nicht sein kann, wenn man sich anguckt, zu welchem Softwaregiganten Steam inzwischen geworden ist.

Weshalb Valve diesen Weg scheut, seinen Partnern dadurch die Möglichkeit auf weitere Umsätze nimmt und stattdessen lieber den Rotstift ansetzt, kann unsererseits nur mit Rätselraten entgegengetreten werden. Sicher ist jedoch eins: Zielführend sieht anders aus!

Zwar funktionieren Gifts aus dem Ausland weiterhin; allerdings muss jeder selbst entscheiden, ob es das Risiko wert ist, da im Falle eines unrechtmäßig erworbenen Gifts keine Rückerstattung der Gegenstände des Handels mehr erfolgt.

Endgültig ad absurdum geführt wird der Fall allerdings dadurch, dass auch bei Spielen, die gar nicht indiziert wurden, der Rotstift angesetzt wurde. Rise of the Triad wurde bisher nicht durch die USK geprüft und von SiN Episodes: Emergence wurde die zensierte, mit USK 18 freigegebene Fassung gestrichen. Auch POSTAL Redux wurde bisher nicht durch die USK geprüft.

Eine weitere Konsequenz, die sich daraus ergibt, ist natürlich auch, dass Besitzer der Spiele sich von nun an nicht mehr an Community-Features wie dem Verfassen von Reviews beteiligen können. Bei Blood II: The Chosen + Expansion und Painkiller: Black Edition wurden hingegen lediglich die Kaufoptionen entfernt. Hier stellt sich aber wieder die Frage, ob es nicht eigentlich anders geplant war.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht bekannt, wer die plötzliche Säuberung veranlasst hat und warum sie veranlasst wurde. Denkbar ist, dass ein Konkurrent von Valve eine Klage wegen Wettbewerbsnachteilen einreichte oder die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) noch einmal an Valve herangetreten ist, obwohl diese in der Vergangenheit immer argumentierte, die amerikanische Firma nicht belangen zu können. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die seit April ernannte, neue Leitung der BPjM eine Rolle spielt. Ein freiwilliges Umdenken der Publisher (die im Vorfeld teilweise anscheinend gar nicht informiert wurden) oder Valve dürfte jedoch auszuschließen sein, schließlich bedeuten diese Maßnahmen deutliche Umsatz- und Gewinnverluste.

– Team for UNCUT!